Waiblingen

Heiligabend im engsten Kreis: Wie Menschen aus Waiblingen und Umgebung 2020 Weihnachten feiern

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Cornelie und Gerhard Bort. © Bort

Die Weihnachtsfeiertage sind immer eine besinnliche, normalerweise aber auch eine sehr gesellige Zeit. Familien kommen natürlich zusammen, aber auch Freunde treffen sich. Häufig sind die Feiertage die einzige Zeit im Jahr, zu der alle in ihre Heimat fahren. Doch dieses Jahr wird alles anders. Die Corona-Pandemie bestimmt, wie gefeiert werden darf.

Vom 24. bis 26. Dezember sind Treffen mit vier über den eigenen Hausstand hinausgehenden Menschen möglich, die zum engsten Familienkreis gehören. Kinder bis einschließlich 14 Jahren zählen nicht zur Gesamtpersonenzahl. Wie feiern Waiblinger Familien unter Pandemie-Bedingungen?

Gottesdienst im Livestream

„Wir machen es uns schön, auch wenn es in diesem Jahr etwas anders sein wird als sonst“, sagt Cornelie Bort, die in Weinstadt lebt und im Philharmonischen Chor Waiblingen engagiert ist. Sich dabei an die gültige Corona-Verordnung zu halten ist für die Borts selbstverständlich. Bei der Familie soll die christliche Botschaft des Fests im Mittelpunkt stehen, auch wenn die Familie in diesem Jahr nicht in die Kirche gehen wird: „Wir werden uns festlich anziehen, Kerzen anzünden und den Gottesdienst aus der evangelischen Kirche Endersbach über den Livestream verfolgen.“

Bescherung nach dem Gottesdienst

Wir, das sind in diesem Jahr Cornelie Bort und ihr Ehemann, zwei ihrer Töchter und zwei Enkel. Die dritte Tochter feiert mit den Schwiegereltern, was dieses Jahr aber ohnehin turnusgemäß so geplant gewesen war. Sie und ihre Kinder werden per Videotelefonat ins Wohnzimmer geholt. Nach dem Gottesdienst wird es wie in jedem Jahr die Bescherung und das Weihnachtsessen geben.

Ehemann hat ALS - eine Erkrankung des zentralen Nervensystems

Der Heilige Abend wird also gar nicht so viel anders als sonst, allerdings erforderte er viel mehr Vorbereitung: „Da mein Mann ALS hat und auch ich im Januar zum zweiten Mal eine Lungenentzündung hatte, müssen wir sehr vorsichtig sein. Unsere Töchter und Enkel haben sich deshalb vor dem Besuch bei uns testen lassen und einige Tage in freiwilliger Quarantäne verbracht.“

Corona fordert die Kreativität

Außerdem wird in diesem Jahr eine wichtige Person fehlen, das Christkind nämlich, das sonst immer zur Familie gekommen ist. Für die Enkel werde man sich eine schöne Geschichte überlegen, warum sich das Christkind in diesem Jahr nicht zeigen konnte. „Die Corona-Pandemie fordert auch die Kreativität“, sagt Cornelie Bort. Sie ist glücklich, dass sie, anders als an Ostern, ihre Kinder und Enkel sehen kann, und freut sich auf das Fest.

Musizieren und Raclette essen

Auch bei Carsten Lang, der bis vor einigen Jahren die Waiblinger Kultkneipe Mariensträßle betrieb, wird Weihnachten im Pandemiejahr gar nicht so viel anders als in anderen Jahren. „Weihnachten war für mich schon immer ein besinnliches Fest, an dem die Familie an erster Stelle steht und die Kneipe geschlossen blieb.“ Seit er das Mariensträßle vor rund fünf Jahren aufgegeben hat, hat sich Langs Fokus weiter in Richtung Familie verschoben, auch wenn er seine Kneipe, die Geselligkeit und das pulsierende Leben manchmal vermisst.

Seit der Herz-OP das Rauchen aufgehört

Noch viel wichtiger ist ihm aber seine Gesundheit: „Seit meiner Herz-Operation rauche und trinke ich nicht mehr und gehe kaum noch aus.“ Seit Beginn der Corona-Pandemie ist er sehr vorsichtig, geht nicht mehr in die Stadt. Aber der Kontakt zu seinen drei erwachsenen Kindern und zwei Enkeln ist ihm sehr wichtig, und so wird die Familie bei aller Vorsicht Heiligabend zusammen feiern, gemeinsam musizieren und Raclette essen.

Ausfallen muss bei Familie Lang allerdings der Besuch seines Schwagers samt Familie am zweiten Weihnachtsfeiertag, da es sonst zusammen mit den Kindern zu viele Haushalte und Personen wären. „Das ist schade, denn dieses Treffen ist seit 30 Jahren Tradition“, sagt Lang.

Was macht die Familie von Bäckermeister Schöllkopf?

Für Hermann Schöllkopf wird das Fest in diesem Jahr völlig anders als sonst. „Normalerweise kommt bei uns an Weihnachten die ganze Großfamilie zusammen“, sagt der Waiblinger Stadtrat und Bäckermeister. Um die 30 Personen sind das, Schöllkopfs Mutter, seine vier Geschwister sowie deren Partner und Kinder. In diesem Jahr teilt sich die Familie auf, und alle feiern im engsten Kreis. „Wir werden mit unseren drei Kindern feiern“, sagt Hermann Schöllkopf.

Wie in jedem Jahr werde man auch in der kleinen Runde die traditionellen Weihnachtsessen machen, Fischsalat an Heiligabend und Sauerbraten mit Spätzle am Weihnachtsfeiertag. Auf die Treffen mit der Familie zu verzichten falle schwer, sei aber in der aktuellen Situation unbedingt nötig.

Und aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben: „Wir werden ein Familientreffen nachholen, sobald das wieder möglich und erlaubt ist“, so der Waiblinger Stadtrat.

Die Weihnachtsfeiertage sind immer eine besinnliche, normalerweise aber auch eine sehr gesellige Zeit. Familien kommen natürlich zusammen, aber auch Freunde treffen sich. Häufig sind die Feiertage die einzige Zeit im Jahr, zu der alle in ihre Heimat fahren. Doch dieses Jahr wird alles anders. Die Corona-Pandemie bestimmt, wie gefeiert werden darf.

Vom 24. bis 26. Dezember sind Treffen mit vier über den eigenen Hausstand hinausgehenden Menschen möglich, die zum engsten Familienkreis

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