Waiblingen

Helfer mit Feingefühl

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An seinem 63. Geburtstag wurde Herbert Fercho (neben ihm seine Frau Anke) in den Ruhestand verabschiedet. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Er ist freundlich, offen und besonnen, und so war er viele Jahre lang auch Polizist. Zehn Jahre lang stand er als Pressesprecher der Landespolizeidirektion in Stuttgart in der Öffentlichkeit, 23 Jahre lang war er stellvertretender Leiter des Polizeireviers Waiblingen. Am Donnerstag ist Herbert Fercho an seinem 63. Geburtstag in den Ruhestand verabschiedet worden.

Im Video: Der stellvertretende Polizeirevierleiter Herbert Fercho geht in den Ruhestand

Eigentlich hätte er bereits vor drei Jahren in Pension gehen können, doch gerade als die Pensionierung anstand, trat der neue Revierleiter Roland Meeraus seinen Dienst an. Herbert Fercho versprach, noch drei Jahre anzuhängen, damit nicht gleichzeitig beide Führungskräfte im Revier ausgewechselt werden. Und dann war da noch der ganz private Plan, gemeinsam mit seiner Frau Anke in den Ruhestand zu gehen. „Das hat funktioniert“, berichtet Fercho vergnügt. Seit kurzem ist seine Frau in Rente, jetzt sei auch für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen: „Jetzt bin ich froh.“

Schlagzeilen machte der Hammermörder

Begonnen hat Herbert Fercho seine Ausbildung bei der Polizei 1973 in Lahr: in der ersten Hundertschaft, die aus lauter Abiturienten bestand. Damals hätten sie noch Reiterhosen, kniehohe Stiefeln und Ledermäntel getragen, erinnert er sich: „Die Zeit war noch von Resten der Nachkriegszeit angehaucht, auch in der Ausbildung. Dem konnte man sich nicht entziehen.“

Ende der 70er-Jahre kam er zur Polizeidirektion Waiblingen und wurde Polizeiführer vom Dienst (PvD). Zwei Jahre später wurde Herbert Fercho als Polizeipressesprecher nach Stuttgart gerufen. „Ich habe gleich Ja gesagt“, erzählt er. Unzählige Pressemitteilungen habe er in diesen turbulenten Jahren geschrieben, zahllose Pressegespräche geführt. Die Stationierung der Pershing 2 fiel in diese Zeit, der Widerstand gegen die Daimler-Teststrecke in Boxberg, nach vielen Demonstrationen gab er der Presse geduldig Auskunft. Schlagzeilen machten aber auch Lebensmittelskandale und der Hammermörder aus Backnang.

"Keine Heimlichtuereien betreiben"

Dass die Polizei über ihre Arbeit größtmöglich offen berichtet, fand er und findet er besonders wichtig: „Wenn wir uns offen darstellen und keine Heimlichtuereien betreiben, sehen die Bürger mehr von uns und können mehr Verständnis für unsere Arbeit aufbringen“, ist er überzeugt. Das Image der Polizei sei heute gar nicht so schlecht, zumal es bei einem Großteil der Polizeiarbeit um Fälle gehe, bei denen die Geschädigten Hilfe erwarten. „Wir versuchen nicht nur, Täter zu finden, sondern geben auch Verhaltenstipps und vermitteln Institutionen, die weiterhelfen können.“ Mit Feingefühl zu helfen, das habe er seinen Kollegen immer zu vermitteln versucht.

1993 ging Herbert Fercho einige Monate nach Dresden ins Innenministerium, um dort offiziell „Aufbauhilfe“ zu leisten. Er selbst bezeichnet es lieber als baden-württembergische Unterstützung: „Wir haben gezeigt, wie wir hier unsere Arbeit machen.“ Noch im selben Jahr wechselte Herbert Fercho als stellvertretender Leiter aufs Polizeirevier in Waiblingen – und blieb. Zehn Jahre lang war er gleichzeitig Führer einer Alarmhundertschaft, mit der er unter anderem auch bei Castor-Transporten und Kurdendemonstrationen im Einsatz war. Der Hauptteil seiner Arbeit lag aber in der Vorbereitung und Organisation von Einsätzen sowie bei der Leitung des großen Polizeireviers. „Ein Polizeirevier ist wie ein Betrieb in der freien Wirtschaft“, erklärt Fercho. „Das muss man als Chef und Vizechef am Laufen halten.“ Urlaubspläne und Krankheitsvertretungen müssten organisiert, mehr als 100 Mitarbeiter eingeteilt, angeleitet und beurteilt werden. „Jeder ist eine Person, um die man sich kümmern muss.“

Das Bild nach dem Flugzeugabsturz vergisst er nie

Letzteres war ihm besonders wichtig. Er selbst hat als langjähriger Polizist Einsätze hinter sich, deren Eindrücke er nicht mehr vergisst. Das Bild einer jungen Kollegin zum Beispiel, die im Morgengrauen nach einem furchtbaren Flugzeugabsturz am Bodensee eine Leiche sichert. Damals, im Juli 2002, hatten bei dem Absturz in Überlingen 71 Menschen, darunter viele Kinder, den Tod gefunden. „Das Bild taucht immer wieder auf“, sagt der 63-Jährige. Zumal es zu dieser Zeit noch wenig Angebote zur Nachbereitung und Hilfe gegeben habe. „Das hat sich geändert“, sagt Herbert Fercho. Psychologische Unterstützung sei heute selbstverständlich. Auch er selbst bot Kollegen, die Schlimmes erlebt haben, immer wieder seine Hilfe an.

Jetzt ist er also im Ruhestand, 43 Jahre nach seinem Dienstantritt. Ein halbes Leben. Herbert Fercho blickt gerne zurück. „Ich würde es wieder machen“, sagt er. „Einen Plan B habe ich nie in Erwägung gezogen.“

Polizei muss in erster Linie für Sicherheit sorgen

  • Freundlich und gelassen ist Herbert Fercho, das hat ihn als Vorgesetzten und Polizisten ausgezeichnet.
  • Jungen Polizisten riet er, sich immer erst mal zu fragen, was Sache ist – und was überhaupt Aufgabe der Polizei. Die Polizei müsse sich auf ihre originären Aufgaben konzentrieren – für Sicherheit zu sorgen. „Wenn durch Baumaßnahmen aber attraktive Plätze entstehen und Jugendliche dort manchmal die Nacht zum Tag machen, müssen wir nicht immer als Erste da sein und die Jugendlichen vertreiben“, findet er.
  • Manchmal müsse man von den Bürgern auch mehr Verständnis erwarten. Die Polizei brauche rechtliche Grundlagen, um einschreiten zu können.

Fotografie

  • Herbert Fercho wohnt in Schorndorf-Weiler. Zusammen mit seiner Frau hat er drei Söhne und vier Enkel. Er engagierte sich für die Fußballjugend der SG Schorndorf, liebt Reisen und seinen Garten. Seine große Leidenschaft ist aber die Fotografie.