Waiblingen

Hess-Areal: Pläne konkretisieren sich

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Die Freiflächen des Hess-Areals im Gewerbegebiet Ameisenbühl werden zum Ausweichparkplatz. © Laura Edenberger
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Die ersten Abrissarbeiten auf dem Hess-Areal haben begonnen.

Waiblingen. Ein weiterer Schritt in Richtung „Technologie- und Zukunftspark Hess“ ist getan: Der Ausschuss für Planung, Technik und Umwelt hat dem Entwurf für die Bebauung des Hess-Areals am Dienstagabend zugestimmt. Doch nicht alle unterstützen die nun konkretisierten Pläne – die Alternative Liste hat sich gegen das Konzept ausgesprochen.

Zehn von zwölf Stimmen bekam der aktuelle Entwurf des Bebauungsplans für das Hess-Areal. Strikt gegen die Pläne sprachen sich ALi-Chef Alfonso Fazio und seine Kollegin Iris Förster aus. „Ich bin grundsätzlich nicht davon überzeugt, dass das, was wir hier machen, richtig ist“, sagte Fazio am Dienstagabend im Ratssaal. Die Autoindustrie befinde sich im Umbruch, die Mobilität werde sich ändern. Er ist überzeugt: „Die Entwicklung wird dazu beitragen, dass die Fläche nicht mehr benötigt wird.“ Wenn Daimlers Entwicklungszentrum wegbleiben sollte, sieht Fazio deshalb in einigen Jahren leerstehende Gebäude auf dem Hess-Areal.

Seit Montag werden alte Produktionshallen abgerissen

Diese düsteren Vorstellungen teilen die anderen Parteien nicht. „Die SPD-Fraktion steht geschlossen hinter dem Konzept“, stellt Sabine Wörner, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, klar. Doch eine Anregung an die ansiedelnden Firmen hat sie: Diese sollen Anreize für ihre Mitarbeiter schaffen, den ÖPNV zu nutzen. Stichwort: Job-Ticket oder Firmen-E-Bikes.

Während des Neubaus des P+R-Parkhauses beim Bahnhof werden rund 350 Parkplätze auf der Fläche des Hess-Areals bereitstehen. Am Montag begannen deshalb die Abrissarbeiten der Ziegeleihallen.

An die Nähe zum Bahnhof wurde im Verkehrskonzept für das Hess-Areal gedacht. Das machte Jürgen Karajan, Geschäftsführer des beauftragten Ingenieurbüros, in seiner Vorstellung des Verkehrsgutachtens deutlich. „Der Geh- und Radweg vom Bahnhof aus soll attraktiv gestaltet werden“, sagte Karajan. Zwischen dem geplanten Kreisverkehr auf der Dieselstraße und der Hermann-Hess-Straße (beim Reiterhof) und entlang der Westumfahrung sollen Fahrradwege entstehen. „Hoffentlich findet hier ein Umdenken weg vom Auto statt.“ Das Verkehrsgutachten geht jedoch von einem Szenario aus, das auf der jetzigen Autonutzung beruht. Erreicht werden soll das Hess-Areal über die Westtangente. Von da aus über die Max-Eyth-Straße und dann über die Diesel- oder Maybachstraße, die direkt zum Hess-Areal führen sollen. Eine Verkehrsprognose ergab, dass das jetzige Straßennetz den zusätzlichen Verkehr zwar stemmen könne, Anpassungen jedoch vorgesehen sind: So soll die Beschilderung verbessert werden und an der Kreuzung Westtangente/Max-Eyth-Straße eine Ampelanlage installiert werden. Ob es möglich ist, eine Brücke von der Ziegeleistraße zur Dieselstraße zu bauen, wird geprüft. Dafür sei es jedoch schwierig, eine Genehmigung von der Deutschen Bahn zu bekommen.

Keine zusätzliche Querverbindung zwischen Westtangente und Westumfahrung

Auf die Anregung, eine Abzweigung von der Westumfahrung hin zum Hess-Areal zu schaffen, die zuvor von der Bevölkerung geäußert wurde, ging Oberbürgermeister Andreas Hesky selbst ein. Eine zusätzliche Querverbindung zwischen Westtangente und Westumfahrung würde „zusätzliche Verkehrsströme hin zur Stadt fördern, die wir überhaupt nicht wollen.“

Bereits im Dezember 2018 habe die Verwaltung Gespräche mit den Anwohnern im Ameisenbühl geführt, berichtete Stadtplaner Patrik Henschel. Denn die Anwohner befürchteten, dass ein P+R-Parkhaus weiteren Verkehr in das Gebiet bringen würde. Zwar sei ein „Quartiersparkhaus“ geplant, jedoch nicht mit der Funktion eines P+R-Parkhauses. Es diene lediglich als Parkhaus für die Beschäftigten im Hess-Areal.

300 Quadratmeter für Cafés und Restaurants

Hesky betonte: „Sorgfältigkeit geht vor Schnelligkeit.“ CDU-Chef Siegfried Kasper stimmte zu: „Man hat sich Gedanken gemacht – über Ökologie, Verkehr und Anwohner.“ Bernd Mergenthaler von der FDP bezeichnete das Projekt als „Vorbild in der Region“.

Damit neben Industrie und Produktion ein „lebendiges Gewerbequartier“ entstehen kann, sind die Flächen entlang der Dieselstraße auch zulässig für „soziale, kulturelle und gesellschaftliche Zwecke“. Henschel berichtete, dass in diesem Bereich maximal 300 Quadratmeter für „Nahrungs- und Genussmittel“ geplant sind: Hier könnten sich also Cafés oder Imbisse ansiedeln. Der Einzelhandel ist jedoch ausgeschlossen.


Nächste Schritte

Der vom Ausschuss Planung, Technik und Umwelt zugestimmten Bebauungsplanentwurf wird am Donnerstag, 31. Januar, dem Gemeinderat vorgelegt. Dieser beschließt dann über die Auslegung des Entwurfs.

Wenn die Auslegung beschlossen wurde, können sich Träger öffentlicher Belange und Waiblinger Bürger beteiligen: Sie können im Rathaus oder online Einsicht in den Entwurf nehmen und Anregungen geben.