Waiblingen

Hexentanz in Waiblingen

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© Habermann / ZVW
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Walpurgisnacht der Remshexen Waiblingen Talaue - Interntionale Besucher - nämlich aus: L.A. (USA), Spanien, Taiwan, China, Pakistan, Indien, Tunesien, Polen! © Habermann / ZVW
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Walpurgisnacht der Remshexen Waiblingen Fackelzug zur Talaue. © Laura Edenberger
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Walpurgisnacht der Remshexen. © Laura Edenberger
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Walpurgisnacht der Remshexen. © Laura Edenberger
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Walpurgisnacht der Remshexen Waiblingen Talaue © Habermann / ZVW

Waiblingen. Ja, ist denn schon wieder Fasching, oder was? Zumindest der Musik nach zu urteilen, die am milden Sonntagabend rau und schrill durch die Gassen schallt und guggt, ist der närrische Terminkalender etwas aus den Fugen geraten. Doch mit spätnärrischen Umtrieben hat der Aufmarsch aus Gardetanz, Männerballett und Guggenmusik herzlich wenig zu tun, denn die Remshexen der Ersten Waiblinger Faschingsgesellschaft feierten ihre 14. Walpurgisnacht.

Weder Faschingsparty noch ein Fest der finsteren Mächte und Hexen erwartet die Besucher bei der Walpurgisnacht auf dem Marktplatz. Zu fetzigem Tanz und fröhlichen Tönen entsteht vielmehr ein gemütlicher Hocketse-Trubel. Statt zu Besen und Zauberhut greifen die Remshexen zu Grillzange und Zapfhahn, um die Gäste mit feurig-scharfer Hexenwurst und Bier zu bewirten. Auch hallt kein schauriges Hexengeschrei über den Marktplatz, dafür Guggenmusik, die durchschüttelt und Stimmung bringt.

Etliche lassen den warmen Apriltag auf dem Marktplatz ausklingen, darunter närrische Mitstreiter der Remshexen, die für ihre 14. Walpurgisnacht wieder zahlreiche Hexengruppen persönlich angeschrieben und eingeladen haben.

„Fasching ist das ganze Jahr über“

Ein Frauen-Trio in schwarzen Fleecejacken schaut von der Bar aus dem hüpfenden Treiben rund um die Rathausarkaden zu. „Wir nehmen alles mit“, sagt Tatjana. Fasching ist das ganze Jahr über“, findet Bianka. „Man muss auch die anderen Zünfte unterstützen, wenn sie etwas machen“, meint Karin. Auf dem Rücken ist der Name ihrer Maskengruppe ablesbar: Steinach-Dämonen Nürtingen. „Das ist unsere Hexen-Ausgehuniform“, erklären sie, darauf angesprochen. Ihr Häs, sagen sie, dürfen sie außerhalb der närrischen Kampagne nicht tragen.

„Die neidvollen Blicke der anderen zu spüren, das ist schon toll.“

Das gilt nicht für die Huzl-Hexen aus Alt-Oberndorf am Neckar. Sie sitzen als Einzige im vollständigen Häs unter den Arkaden, die Masken liegen auf einem Tisch, die Besen auf dem Boden neben sich. „Wir sind in keinem übergeordneten Narren-Ring Mitglied“, erklärt dazu Thomas Nuglisch, Zunftmeister der noch jungen, erst 2015 gegründeten freien Maskengruppe. Was die Rems-Hexen auf die Beine stellen, findet er „genial und cool“. Er lacht, auf die Hexen-Kluft Wochen nach dem Fasching angesprochen: „Die neidvollen Blicke der anderen zu spüren, das ist schon toll.“ 

Kinder bekommen "richtige" Hexen zu sehen

Huzl-Hexen-Kollegin Tanja Baumann fühlt sich etwas „komisch“, wie sie offen zugibt. Morgens hat sie sich von ihrem Mann zum Treffpunkt fahren lassen. „Weil durch unseren Ort bin ich in dem Aufzug heute nicht gelaufen.“ Ihr Mut zur außerplanmäßigen Kostümierung wird sie in Waiblingen nicht verlassen, wo sie zusammen mit den gastgebenden und in Zivil herumlaufenden Remshexen ums Feuer auf der Brühlwiese herumgeht und tanzt. Damit ist die Anmutung einer Walpurgisnacht perfekt, und vor allem die Kinder bekommen so ein paar „richtige“ Hexen zu sehen.

Lichterzug mit Guggenmusik

Angezogen vom Flackern und Lichterschein aus rund 150 Fackeln füllt sich bei Einbruch der Dunkelheit die Brühlwiese mit Menschen. Der Lichterzug nähert sich vom Alten Postplatz aus, angeführt vom guggenmusikalischen Trommelwirbel der Ohrawusler.

Vom Feuerstündchen an der Rems lassen sich auch Ramona aus Heidelberg und ihr Freund Daniel aus Pforzheim mitreißen. „Nicht schlecht, ist witzig“, sagen sie. Ramona arbeitet in Stuttgart, ein Arbeitskollege hat es ihr erzählt, beide waren noch nie in Waiblingen und erleben die Stadt „einigermaßen überrascht“ als lebhaften „Hexenkessel“. „Ist mal was anderes zum Ersten Mai hin“, sagen sie.

Hexenfeuer und Jonglierkünste

Zauberhafte Stimmung kommt auf, als vor den Augen der Zuschauer mit einer Fackel der Haufen aus Paletten und Reisig entzündet wird. Später kommt Feuerjongleur Konstantin Riegel aus Stuttgart hinzu, der mit Stab und Poi lodernde Räder und Kreise in die Dunkelheit „malt“ und Flammen zu den Takten der Musik aufzucken lässt. Rund um das Hexenfeuer wird die Hitze dieser „magischen“ Nacht spürbar.

Gedicht verstärkte die Stimmung

Ein zusätzlicher walpurgisnächtlicher Stimmungs-Verstärker ist das humorvolle, von Christine Stein vorgetragene Gedicht zur Walpurgisnacht. Sie erzählt die Ursprünge der Hexen-Sage aus Sicht einer mit Zaubersalbe „gelifteten“ Hexe, die einen „Affenzahn“ auf ihrem Besen draufhat, der sogar Formel-Eins-Pilot Sebastian Vettel vor Neid erblassen lasse. Vermutlich hatte sie es eilig, weil sie den Remshexen-Spuk in Waiblingen nicht verpassen wollte: Denn „wenn man auf dem Brocken im Harz keine Hexen mehr find, liegt es daran, weil alle hier in Waiblingen sind.“

Wer macht mit?

In den Vorjahren traten mehr Gruppen bei der Walpurgisnacht auf.

Bei der 14. Walpurgisnacht bestritten eigene Gruppen der Ersten Waiblinger Faschingsgesellschaft und als Externe die Elefantis aus Winnenden das Programm auf dem Marktplatz.

„Einigen steckt die sehr lange Kampagne noch in den Knochen“, begründet Benjamin Stein, Zunftmeister der Rems-Hexen, die Zurückhaltung vieler Hexengruppen und Guggenmusiker. „Viele haben mir geschrieben, dass sie erst mal eine längere Auszeit brauchen.“