Waiblingen

Hohe Nachfrage nach Secondhand-Kinder-Kleidung: Finanzielle Probleme durch Corona?

Pfiffikuscorona
Sie freuen sich, wieder Familien im Waiblinger „Pfiffikus-Kinderladen“ begrüßen zu können: Die Leiterin des Ladens Eva-Maria Schäfer (von links), Monika Aldinger und Hanne Schäzle. © Gaby Schneider

Die Corona-Zeit macht sich im Waiblinger Kinderladen „Pfiffikus“ bemerkbar: Obwohl der Laden bei Wiedereröffnung Ende April nicht so viel Auswahl bot wie gewohnt, war die Nachfrage riesig – und ist bis jetzt nicht abgeebbt. Die Not bei den Familien sei groß, berichten die Frauen, die sich für den Kinderladen ehrenamtlich engagieren. Dass Eltern in Kurzarbeit waren, habe sich bei den Familien finanziell bemerkbar gemacht.

Kleidung zurückgefordert und woanders verkauft

Die Leiterin des Ladens, Eva-Maria Schäfer, berichtet, dass es in der Corona-Zeit zweimal vorgekommen sei, dass Personen ihre Kleidung, die sie vor der Schließung abgegeben hatten, wieder haben und anderweitig verkaufen wollte. Wieso? „Das ist bares Geld“, sagt Eva-Maria Schäfer. Wer Kleidung an den Kinderladen gibt, erhält bei Verkauf 60 Prozent des Verkaufspreises. Die restlichen 40 Prozent gehen an Projekte des Deutschen Kinderschutzbundes Schorndorf/Waiblingen, zu dem der „Pfiffikus“-Laden gehört. Wird Kleidung nach sechs Wochen nicht verkauft, müssen die Verkäufer die Kleidung beim Laden abholen. Machen sie das nicht, gehen diese in den Besitz von Pfiffikus über.besteh

Etliche Kunden fragten außerdem nach, ob sie nicht trotz Schließung trotzdem einkaufen könnten. Doch das ging nicht – denn das Team aus Ehrenamtlichen besteht vor allem aus über 60 Jahre alten Frauen, die durch das Coronavirus eher gefährdet sind als junge Menschen.


Doch seit der Laden wieder aufhat, ist die Freude groß. „Es war klar, dass die Wiedereröffnung für unsere Lieferanten und Kunden ganz wichtig ist“, sagt Eva-Maria Schäfer. „Ich habe vor der Öffnung so viele Anrufe erhalten wie noch nie.“ Die Eltern berichteten: „Die Kinder sind so schnell gewachsen, die haben keine Kleidung mehr.“ Das hat auch Hanne Schäzle erlebt: „Jetzt, wo die Kinder wieder in den Kindergarten gehen können, haben die Kunden festgestellt: Sie brauchen noch etwas.“

Die Kunden seien froh über die Öffnung gewesen. „Wir hatten Umsätze wie noch nie“, sagt ihre Kollegin Sabine Kostede. Sie hat ebenfalls positive Reaktionen von den Kunden bekommen. Ein hoher Anteil an Menschen benötige nun günstig Kleidung für die Kinder, sagt Eva-Maria Schäfer.

Diebstahl eines Kinderwagens: „Das war ein Aufschrei“

Ob es auch damit zu tun hat, dass vor rund einem Monat ein Buggy verschwand, der vor dem Kinderladen angebunden war? „Als der Kinderwagen geklaut wurde, war das ein Aufschrei“, sagt Eva-Maria Schäfer. In den vergangenen Jahren habe es mit Diebstahl nie Probleme gegeben, auch wenn immer wieder größere Gegenstände vor dem Laden präsentiert wurden, weil der Laden dafür zu klein ist. Die Frauen boten an: Sollte die Not einer Familie so groß sein, dass sie sich keinen Buggy leisten kann, könnten sich Eltern an die Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes wenden.

Nicht nur kaufen aktuell viele Leute die günstige Kindermode, auch spenden viele ihre Kleidung – ohne eine Beteiligung am Verkaufspreis zu verlangen. Der Erlös geht dann gänzlich an den Kinderschutzbund. Ein neuer Kinderwagen zum Beispiel steht zum Verkauf bereit.

Mehr Geldsorgen bei jungen Leuten

Einen Zuwachs an Familien, die durch die Coronakrise wirtschaftlich in Not geraten sind, kann Karl-Henning Reuter, Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendförderung der Stadt Waiblingen, nicht bestätigen. „Uns sind momentan keine Familien in dieser Richtung bekannt“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. „Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht vorkommen.“ Die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendförderung haben momentan eher mit emotionalen und sozialen Anliegen zu tun, berichtet Reuter.

Seine Kollegen von der Mobilen Jugendarbeit erleben allerdings, so Reuter, dass sich Geldsorgen in Familien von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, bei denen es schon vor der Pandemie wirtschaftlich schwierig aussah, verschärft haben. Reuter sagt: „Bei einigen bestanden vor Corona schon prekäre Arbeitsverhältnisse (Kurzarbeit), mit dem Stillstand der Gesellschaft folgte dann auch der Jobverlust.“

Secondhand: Nicht nur günstig, sondern auch nachhaltig

Nicht nur die wirtschaftlichen Verhältnisse spielen eine Rolle dabei, sich für den Einkauf im „Pfiffikus-Kinderladen“ zu entscheiden. „Bei manchen Kunden weiß ich, dass sie auf Secondhand aus sind“, sagt Eva-Maria Schäfer – aus ökologischen Gründen. Und genau aus diesen nimmt das Geschäft auch nur qualitativ hochwertige Ware an, macht die Leiterin klar. Kleidung vom Textildiscounter Primark zum Beispiel werde nicht angenommen. Die Modekette steht wegen schlechter Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern und dem Ansporn zur Wegwerfmode durch die billige Kleidung in der Kritik.

Im Kleiderladen „Pfiffikus“ gelten nun auch coronabedingte Regeln: Vor dem Betreten des Kinderladens gilt es, sich die Hände zu desinfizieren. Ein bis zwei Verkäuferinnen sind im Laden, maximal drei Kunden dürfen sich gleichzeitig im Geschäft aufhalten. Die Warenabgabe soll nun kontaktlos geschehen. Wer Kleidung, Bücher oder Spielzeug abgeben möchte, muss sich in eine Liste eintragen, die an der Eingangstür des Ladens in der Schmidener Straße hängt. Es gelten feste Zeiten für die Abgabe. Eine Woche lang müssen die gespendeten Dinge aus hygienischen Gründen lagern, bevor sie in den Verkauf gehen.

Die Öffnungszeiten von Dienstag bis Samstag sind eingeschränkt. Vom 4. August bis 7. September ist Sommerpause im Laden.

Die Corona-Zeit macht sich im Waiblinger Kinderladen „Pfiffikus“ bemerkbar: Obwohl der Laden bei Wiedereröffnung Ende April nicht so viel Auswahl bot wie gewohnt, war die Nachfrage riesig – und ist bis jetzt nicht abgeebbt. Die Not bei den Familien sei groß, berichten die Frauen, die sich für den Kinderladen ehrenamtlich engagieren. Dass Eltern in Kurzarbeit waren, habe sich bei den Familien finanziell bemerkbar gemacht.

Kleidung zurückgefordert und woanders verkauft

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