Waiblingen

Hotel Bachofer: Gäste lieben die Idylle

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Bernd Bachofer zieht eine positive Bilanz. © ZVW/Gabriel Habermann
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Individuelle Zimmer ... © Gabriel Habermann
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Das Krumme durfte bleiben ... © Gabriel Habermann

Waiblingen.
Es war bekanntlich eine lange Geburt, bis im Hotel Bachofer die ersten Gäste übernachten konnten. Sieben Jahre dauerte es, bis auf den beiden Stockwerken über dem Restaurant ein Frühstücksraum und acht schnuckelige Hotelzimmer entstanden waren. Dazwischen lagen Planungen und Bauarbeiten, die Pleite von Investor Alexander Weis und eine lange Phase, in der gar nichts geschah. Bis das alte Haus vier Jahre nach der Insolvenz im September 2017 mit der Alpenland Grundstücksgesellschaft einen neuen Besitzer fand, der den Umbau ganz neu plante und sich einiges kosten ließ.

„Es hat sich gelohnt“, sagt Gastronom Bernd Bachofer knapp ein Jahr nach der Eröffnung zufrieden. Geschäftsleute aus dem europäischen Ausland zählen zu seinen Gästen, aber auch Individualreisende und Kurzurlauber, die nach einem Restaurantbesuch oder einer Weinprobe gerne übernachten. „Manche bleiben auch ganz spontan“, sagt Bachofer. Schon jetzt hat er viele Stammgäste, die in Stuttgart zu tun haben und am Abend ein ruhiges Hotel in Waiblingen zu schätzen wissen. Richtig schnuckelig hätten auch die Gäste aus dem Pariser Montmartre die Waiblinger Fachwerkidylle gefunden. Bei einem Hipsterpärchen aus Los Angeles, das im Sommer an den BMX-Meisterschaften teilnahm und bei Bachofer nächtigte, ging die Begeisterung gar so weit, dass sie gar nicht glauben konnten, dass die Idylle echt ist: „Sie glaubten, der Wochenmarkt sei ein Filmset“, erzählt Bernd Bachofer. „Sie fanden es unglaublich charming.“

Ein Paar trennte sich im Restaurant

Aber auch Waiblinger selbst übernachten schon mal im Hotel Bachofer – wie zum Beispiel ein Paar von der Korber Höhe, das völlig ungeplant nach einem Restaurantbesuch eine Übernachtung buchte: „Die fanden die Zimmer toll und sind spontan geblieben“, erzählt der Gastronom. Womöglich war auch die Trennung recht spontan, die nach einem Streit im Restaurant einen Schlusspunkt setzte: Am Ende übernachtete sie im Hotel. Er musste gehen.

Seit zu seinem Sterne-Restaurant auch ein Hotel gehört, hat Bernd Bachofer auch schon mal Gäste, die in Hausschuhen essen, oder andere, die unversehens im Bademantel auftauchen. Wie der Herr aus Luxemburg, der an der Theke im voll besetzten Restaurant fragte, wo denn eigentlich der Wellnessbereich zu finden sei.

Wer’s noch nicht wusste: Sauna und Solarium hat das kleine Boutiquehotel nicht im Angebot, dafür aber acht höchst eigenwillige Zimmer, die allesamt nach Gewürzen benannt und ihnen farblich nachempfunden wurden.

Die Töne von Muskatnuss, Kardamom, Wacholder, Honig, Ingwer, Safran, Chili und Kurkuma finden sich in den beiden Einzelzimmern, in den Doppelzimmern und der Suite wieder, aus denen mit Liebe zum Detail das Krumme und Unperfekte herausgearbeitet wurde.

Ungewöhnliches Frühstücksangebot hat sich bewährt

Mit einer Auslastungsquote von 50 Prozent im ersten Jahr ist Bernd Bachofer sehr zufrieden. Die Preise wurden inzwischen der Buchungslage angepasst. Das heißt: Anfangs der Woche sind die Zimmer teurer als am Wochenende, weil Montag und Dienstag laut Bachofer die am stärksten nachgefragten Wochentage sind. Bewährt habe sich das etwas ungewöhnliche Frühstücksangebot: Weil sich ein veritables Frühstücksbuffet für die acht Zimmer nicht lohnte, bietet das Hotel Müsli, Kaffee und Softdrinks im Frühstückszimmer an, außerdem aber auch Frühstücksgutscheine, die im Café Tagblatt oder im Sachsenheimer eingelöst werden können. „Es war ein Experiment“, sagt Bachofer heute. „Aber ich würde es wieder so machen.“

„Den Bachofer“ und „das Bachofer“ in Waiblingen zu halten, das war erklärtes Ziel von Stadt und Gemeinderat. Und offenbar ist das auch gelungen. Abwanderungsabsichten hege er keine mehr, sagt Bachofer, der im Sommer auch bei einer Kochshow auf dem Wochenmarkt den Kochlöffel schwang. „Das fand ich super“, erklärt der Sternekoch vergnügt. Zweimal im Monat kocht er auch im SWR-Magazin „Kaffee oder Tee“, wobei er als Zuschauer wiederum besonders Tim Mälzers „Kitchen impossible“ schätzt. „Wenn das interessant ist, heißt das auch, dass Kochen interessant ist“, meint er – wohl wissend, dass die Realität in einer Restaurantküche anders aussieht als im Fernsehen: „Da ist es nicht nur cool. Kochen ist auch hartes Handwerk.“

"Kein superteurer elitärer Koch"

Neben dem soliden Handwerk zählen für den Sternekoch hochwertige Produkte aus der Region, mit denen er alle fünf Wochen eine neue Karte kreiert. Die hat ihren Preis. „Ich bin aber kein superteurer elitärer Koch“, versichert Bachofer. Ethisch vertretbares Fleisch sei eben teuer, und auch gutes Personal müsse vernünftig bezahlt werden. Einmal im Jahr wirbt er für sich auch auf Travelzoo, um neue Gäste auf sich aufmerksam zu machen. Die meisten, sagt er, kommen wieder. Seine Gäste bekommen ein Gesamterlebnis, verspricht der Sternekoch. „Wir verkaufen nicht nur gutes Essen, sondern eine gute Zeit.“


Hotelfest

Ein Jahr Hotel Bachofer wird am Samstag, 14. März, 19 Uhr, mit einem Küchen- und Hotelfest mit Gastköchen gefeiert. Mit dabei sind unter anderem Fabian Heldmann vom Restaurant Zauberlehrling und Michael Huppert vom Restaurant Hupperts.

Waiblingen.
Es war bekanntlich eine lange Geburt, bis im Hotel Bachofer die ersten Gäste übernachten konnten. Sieben Jahre dauerte es, bis auf den beiden Stockwerken über dem Restaurant ein Frühstücksraum und acht schnuckelige Hotelzimmer entstanden waren. Dazwischen lagen Planungen und Bauarbeiten, die Pleite von Investor Alexander Weis und eine lange Phase, in der gar nichts geschah. Bis das alte Haus vier Jahre nach der Insolvenz im September

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