Waiblingen

Hubschrauber: Nach welchen Regeln wird geflogen?

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Ein privater Hubschrauber am Flughafen Stuttgart. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Ein Hubschrauber kreist – und jeder schaut nach oben. Nur steht leider nicht in großen Lettern dran, wieso der Helikopter unterwegs ist. Vielleicht steckt die Polizei dahinter, oder ein Rettungshubschrauber bringt einen Verletzten in eine Klinik – oder, oder, oder.

Als vor einigen Tagen in Kernen Hubschrauber gestartet sind, liefen die Anfragen an verschiedenen Stellen auf. Auch bei der Zeitung rufen dann Bürger an und fragen: Was ist da los? Habt ihr das gesehen, all die vielen Hubschrauber? Was machen die da?

Es handelte sich um harmlose Rundflüge, organisiert von einer in Rommelshausen ansässigen Firma. Wer’s im Mitteilungsblatt der Gemeinde gelesen hatte, konnte sich frohgemut zurücklehnen: Ist nichts Schlimmes. Sind nur Rundflüge. Allerdings laute.

Es besteht grundsätzlich Flugplatzzwang

Das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart ist als Luftfahrtbehörde unter anderem zuständig für Genehmigungen und Luftsicherheit. Ein privater Hubschrauber darf nicht einfach so auf einer Wiese oder auf einem Feld landen. „In Deutschland besteht grundsätzlich Flugplatzzwang“, informiert Pressesprecher Matthias Kreuzinger vom RP. Starts und Landungen außerhalb genehmigter Flugplätze bedürfen einer Erlaubnis seitens der Luftfahrtbehörde.

Keine Starts und Landungen vor 9 Uhr an Wochenenden 

Für die Rundflüge, die in Kernen starteten, lag die entsprechende Erlaubnis vor. Um die Belästigung durch Fluglärm in Grenzen zu halten, erlaubt die Luftfahrtbehörde keine Starts und Landungen vor 9 Uhr an Wochenenden, ebenso wenig nach 18 Uhr und in der Mittagszeit.

Polizei oder Feuerwehr brauchen keine Genehmigung 

Polizei oder Feuerwehr brauchen solch eine Genehmigung für Landungen außerhalb genehmigter Flugplätze natürlich nicht, bestätigt Ute Otterbein von der Deutschen Flugsicherung (DFS) in Langen.

Kontrollzonen rund um Flughäfen 

Die DFS erteilt Start- und Landeerlaubnisse an den großen internationalen Flughäfen. Rund um Flughäfen sind Kontrollzonen definiert; „ das ist ein komplett kontrollierter Luftraum“, erklärt Ute Otterbein. Wer in die Kontrollzone hineinfliegt, braucht eine – schwieriges Wort – „Flugverkehrskontrollfreigabe“ vom Towerlotsen. Diesem ist es herzlich egal, ob ein Flug wirklich sein muss oder bloß aus Spaß stattfindet. Kontrollfreigabe bedeutet lediglich, „dass dieser Flug sicher und verträglich mit anderem Verkehr zu dieser Zeit durch unsere Lotsen geführt werden kann“.

Luftfahrzeuge sind außerhalb der Kontrollzonen selbst verantwortlich

Außerhalb der Kontrollzonen darf sozusagen jeder machen, was er will. Dort fliegen Luftfahrzeuge nach den „Sichtflugregeln“, erläutert Ute Otterbein: Sie müssen selbst auf ausreichenden Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern oder zu Hindernissen wie hohen Gebäuden oder Bergen achten. Und sie müssen Abstand zu Wolken halten, „denn in Wolken ist keine Sicht, also auch kein Sichtflug möglich“.

Kontrolle von Gasleitungen 

Gute Sicht brauchen Hubschrauberpiloten, deren Aufgabe vermutlich einer breiten Öffentlichkeit nicht bekannt ist: Sie kontrollieren von oben Gasleitungen. Spezielle Firmen beauftragen Piloten mit solchen „Arbeitsflügen“, erklärt Matthias Kreuzinger. Für solche Flüge seien keine gesonderten Genehmigungen nötig, „solange die Sicherheitsmindesthöhe eingehalten wird: Der Luftraum ist frei.“

Verschiedene Gründe warum ein Polizeihubschrauber fliegt 

Sobald sich im freien Luftraum ein Polizeihubschrauber befindet, fragt sich der interessierte Bürger: Wieso fliegt der da? Die Polizeihubschrauberstaffel Baden-Württemberg lässt einen oder mehrere ihrer sechs Hubschrauber aus verschiedensten Gründen starten. Eine Fahndung könnte anstehen, oder die Polizei sucht eine vermisste Person. Öfter kommt es vor, dass ein älterer Mensch aus einem Seniorenheim verschwunden ist und zu befürchten steht, er oder sie befindet sich in einer hilflosen Lage. Die Hubschrauber sind mit hochauflösenden Wärmebildkameras ausgestattet.

Brüger haben Informationsbedürfnis 

So verständlich das Informationsbedürfnis des Bürgers auch ist – es gibt keine zentrale Stelle, bei der Interessierte Auskünfte über Gründe von Hubschrauberflügen einholen könnten.

Ordnung in der Luft

In § 1 der Luftverkehrsordnung heißt es: „Jeder Teilnehmer am Luftverkehr hat sich so zu verhalten, dass Sicherheit und Ordnung im Luftverkehr gewährleistet sind und kein anderer gefährdet, geschädigt oder mehr als nach den Umständen vermeidbar behindert oder belästigt wird.“

„Der Lärm, der bei dem Betrieb eines Luftfahrzeugs verursacht wird, darf nicht stärker sein, als es die ordnungsgemäße Führung oder Bedienung unvermeidbar erfordert.“