Waiblingen

Hund entrinnt knapp dem Tod

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Hund aus Entwaesserungsrohr befreit, Waiblingen-Bittenfeld, Rems-Murr-Kreis, Ba.-Wue., 04.05.2017.
Die Feuerwehr Bittenfeld scheute keine Mühe, bis der Mischlingshund befreit war. © Benjamin Beytekin
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Fuchs schaut aus dem Rohr - Hund aus Entwaesserungsrohr befreit, Waiblingen-Bittenfeld, Rems-Murr-Kreis, Ba.-Wue., 04.05.2017.
Fuchs schaut aus dem Rohr - Hund aus Entwaesserungsrohr befreit, Waiblingen-Bittenfeld, Rems-Murr-Kreis, Ba.-Wue., 04.05.2017. © Benjamin Beytekin

Waiblingen. Es lebe die Feuerwehr – der Hund lebt. 20 Mann und schweres Gerät waren nötig, um einen im Rohr festgesteckten Hund in Bittenfeld zu befreien (Video & Bilder). Er war einem Fuchs auf den Fersen gewesen. Meister Reineke lugte am Ende ebenfalls aus dem Rohr hervor, und sein Blick ließ auf ein Martyrium schließen. Nicht nur sein Schicksal wirft jetzt Fragen auf.

„Einsatz nach über 3,5 Stunden für uns beendet“, twitterte die Feuerwehr Waiblingen am Donnerstagabend, und für die eine oder andere Waschmaschine begann der Arbeitstag erst dann: Von oben bis unten verdreckt verließen Feuerwehrleute den Einsatzort. Sie hatten heftig zu buddeln gehabt, bevor ein Bagger die Schwerstarbeit übernahm. Er legte ein Stück weit den Kanal entlang der Kreisstraße zwischen Bittenfeld und Hohenacker frei. Nach langer Suche hatten Einsatzkräfte den Hund dort verzweifelt winseln hören.

„Man versucht immer im Rahmen des Möglichen alles, um ein Tierleben zu retten“ – und das war in diesem Fall ganz schön viel, wie Björn Mutschler berichtet. Er leitete den Einsatz der Feuerwehr Bittenfeld und entschied, nachdem der Hund lokalisiert war, das Rohr sei mit Gewalt zu öffnen. Ansonsten wäre der Hund wohl kläglich verendet – und der Fuchs mit ihm.

Nach 600 Metern Kanalstrecke blieb der Hund stecken

Bei einem Spaziergang war der Mischlingshund seiner Halterin entwischt. Er verfolgte einen Fuchs, der sich im Rohr verkroch – woraufhin sich seine Spur verlor. Die Suche begann am Einschlupfort, wo auch sonst. Die Feuerwehrleute öffneten Kontrollschächte, erzählt Björn Mutschler, und leuchteten die Abschnitte zwischen den Schächten nacheinander aus. Das Rohr verjüngte sich immer mehr, was dem Hund im Eifer des Gefechts entgangen sein muss. Als die Feuerwehrleute schon nicht mehr damit rechneten, ihn an dieser Engstelle noch anzutreffen – hörte man das Winseln. 600 Meter Kanalstrecke hatte der Hund bis dahin hinter sich gelegt. Dann war das Rohr so eng geworden, dass er nicht mehr weiterkam und für eine Kehrtwende der Platz schon lang nicht mehr reichte. Recht bedröppelt schaute der Rüde drein, als er endlich wieder Tageslicht erblickte. Vielleicht hat er später seiner Herrin versichert, einen solchen Quatsch nie wieder anstellen zu wollen – überliefert ist das nicht.

Nicht der erste Einsatz dieser Art

Die Hundehalterin war „recht gefasst“ und arbeitete konstruktiv mit, lobt Björn Mutschler am Tag danach. Für ihn war’s nicht der erste Einsatz dieser Art; „So was kommt ab und zu vor.“

Mitte April hatte in Backnang ein Jagdterrier einer Katze nachgestellt – bis in ein Bachrohr hinein. Auch dort war die Feuerwehr im Einsatz. Doch war dort kein ganz so großer Aufwand nötig, weil das Tier rückwärts gehen konnte. Mittels Klopfen brachten Feuerwehrleute seinerzeit den Terrier dazu, auf Rückwärtsgang zu schalten. Ein Leckerlie-Lock-Versuch schlug fehl.

Andere ereilt ein noch härteres Schicksal

Der Hund lebt. Wie er mit einer drohenden posttraumatischen Belastungsstörung klarkommt, das wird sich weisen. Derweil ereilt andere Tiere in großer Zahl ein härteres Schicksal. Das Leben von Baby-Hähnen beschränkt sich auf einen sehr eng begrenzten Zeitraum. Im Wald verteilt niemand schusssichere Westen an Füchse und Schnatterenten.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, und deshalb rettet die Feuerwehr Katzen von Dächern und Hunde aus Rohren. Bernd Fetzer von der Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz am Landratsamt verweist aufs Feuerwehrgesetz, das eindeutig vorschreibt: Tierrettung ist Pflicht (Menschenrettung auch).

Hundehalterin muss nicht für den Einsatz aufkommen

Aus diesem Grund wird die Hundehalterin auch nicht für den Einsatz aufkommen müssen, bestätigt Bernd Fetzer. Die Allgemeinheit, sprich, der Steuerzahler, regelt das. Wenn die Feuerwehr Menschen aus brennenden Häusern holt, erhalten sie hinterher auch keine Rechnung.

Und das kaputte Rohr in Bittenfeld? Wer zahlt das? Laut Birgit David, Pressesprecherin der Stadt Waiblingen, ist das „zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geklärt“.

Ebenfalls nicht abschließend geklärt ist, weshalb so vielen Menschen das Schicksal eines Hundes in einem Rohr so nahe geht. Es hat mit Emotionen zu tun. Und mit Helden. Mitgefühl, Mut, Spannung, Gefahr, Gruseln, Erleichterung – alles dabei.