Waiblingen

Hunderte Kinderpornos auf Computer: Mann aus Waiblingen verurteilt

Kinderporno
Symbolfoto. © ZVW/Habermann

Das Amtsgericht Waiblingen hat einen 35-Jährigen wegen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischer Schriften in fünf Fällen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Auf dem Computer des Waiblingers waren Hunderte kinder- und jugendpornografische Bilder und 150 Videos gefunden worden. Er muss weiterhin regelmäßig Gruppen- und Einzelgespräche besuchen – im Wiederholungsfall muss er ins Gefängnis, droht die Richterin.

Der Angeklagte war den Behörden zunächst aufgefallen, weil er sich im Internet unter eine Chatgruppe Jugendlicher mischte, in die er einen kinderpornografischen Film ein- und sich als Pädophiler vorstellte. Den nächsten Anstoß lieferte ein Hinweis des Bundeskriminalamtes, bei dem der Betreiber einer Rollenspielplattform für Mädchen vorstellig geworden war. Auf dieser Plattform war der Angeklagte unterwegs.

Seine Wohnung im Haus der Eltern wurde durchsucht

Er sprach Mädchen an, stellte sich ihnen mit Namen und richtigem Alter vor und versuchte, mit ihnen Kontakt aufzunehmen und sich mit ihnen zu verabreden. In einem Fall, so der mit den Ermittlungen beauftragte Beamte der Waiblinger Kriminalpolizei, habe er einem zwölfjährigen Mädchen ein Nacktbild von sich selbst geschickt.

Daraufhin fand dann bereits im September 2018 in der Waiblinger Wohnung des Mannes - er lebte damals im Haus seiner Eltern - eine Hausdurchsuchung statt. In deren Verlauf fanden sich mehr als 150 kinderpornografische Videos und Hunderte Bilder, darunter auch solche, auf denen sexualisierte Gewalt an und Vergewaltigung von Mädchen unter 14 Jahren, teilweise sogar von Säuglingen, dargestellt wurde.

In Chats hat der Mann Missbrauchsbilder verbreitet

Auf einem ebenfalls bei der Durchsuchung vorgefundenen Handy waren die Verläufe von fünf Chats dokumentiert, bei denen der Angeklagte Filme mit teilweise den schlimmsten vorstellbaren Formen des Missbrauchs von Kleinkindern versandt hatte.

Sein Erklärungsversuch: Er habe halt mit Leuten geschrieben und sich ausgetauscht, die er im Internet kennengelernt hatte. Eigentlich, so behauptete der Angeklagte, habe er diese Bilder nicht wirklich gewollt. Aber dann habe er sie doch behalten und nicht gelöscht, weil er dachte, es passiere ihm schon nichts. Auch habe er nicht so genau gewusst, dass dies verboten sei. Ein Schock habe dann allerdings bei ihm die Hausdurchsuchung ausgelöst.

Der Mann ist lernbehindert: Sein Vater ist sein gesetzlicher Betreuer

Die Familie des Angeklagten, dessen Vater auch sein gesetzlicher Betreuer ist, sei allerdings entsetzt gewesen, berichtete der Verteidiger. „Sie schauten sich die Umstände genau an und richteten den Fokus darauf.“ Daher nehme sein Mandant auch seit dem Frühjahr 2019 regelmäßig bei einer Beratungseinrichtung an Sitzungen einer Männergruppe teil und bekomme darüber hinaus Einzelgespräche. Dem Vergehen des Sohnes werde von den Eltern nachgegangen, und es werde auch aufgearbeitet, damit so etwas nicht wieder geschehe.

Seit 2020 arbeite und wohne der lernbehinderte Mann in einer betreuten Einrichtung. Dort finde zusätzlich jede Woche ein zweieinhalbstündiges Einzelgespräch mit einer Betreuerin statt, bei dem auch seine pädophile Neigung thematisiert werde.

Einiges spricht zugunsten des Angeklagten

Richterin, Staatsanwalt und Verteidiger stimmten darin überein, dass gegen den Angeklagten eine Freiheitsstrafe zu verhängen sei, diese aber zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Denn der Angeklagte werde von der Familie engmaschig betreut. Sowohl in der Einrichtung, in der er wohnt, wie auch bei der Beratungsstelle werde das Geschehen aufgearbeitet. Es sei ihm bewusst, dass er eine Unrechtstat begangen habe, so dass durchaus angenommen werden könne, dass es zu keiner Wiederholung komme.

Zu seinen Gunsten spreche ferner, dass er das ihm Vorgeworfene unumwunden zugegeben habe. Er sei nicht vorbestraft und weder vorher noch seit der Hausdurchsuchung wieder auffällig geworden. Zudem liegen die Taten, die im Juli, August und September 2018 stattfanden, schon relativ lange zurück.

Psychologisches Gutachten: Der Mann ist schuldfähig

Laut einem psychologischen Gutachten ist der Angeklagte zwar schuldfähig und sich der Unrechtmäßigkeit seiner zielstrebig, geplant, geschickt, geduldig mit Frustrationstoleranz begangenen Taten durchaus bewusst. Doch müsse zu seinen Gunsten berücksichtigt werden, dass es ihm aufgrund seiner intellektuellen Einschränkung schwerer falle, seine Handlungen und deren Folgen zu überblicken, und dass er leicht zu beeinflussen sei.

Zugute komme ihm ebenfalls, dass er die Taten vor dem Inkrafttreten der Neufassung von Paragraf 184 b des Strafgesetzbuchs in diesem Frühjahr begangen habe (auf Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Inhalte stehen seitdem mindestens ein, maximal zehn Jahre Freiheitsstrafe). Der Angeklagte werde zudem der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellt, bestimmte die Richterin, um ihm in den kommenden drei Jahren einen zusätzlichen Ansprechpartner zur Hand zu geben.

Richterin mahnt: Im Wiederholungsfall geht es ins Gefängnis

Es sei richtig und wichtig, dass er die Sitzungen bei der Beratungsstelle weiter wahrnehme, „denn wenn so etwas Schlimmes wieder passiert, dann wird die Bewährung widerrufen und Sie müssen für ein Jahr und drei Monate ins Gefängnis“.

Das Amtsgericht Waiblingen hat einen 35-Jährigen wegen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischer Schriften in fünf Fällen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Die Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Auf dem Computer des Waiblingers waren Hunderte kinder- und jugendpornografische Bilder und 150 Videos gefunden worden. Er muss weiterhin regelmäßig Gruppen- und Einzelgespräche besuchen – im Wiederholungsfall muss er ins Gefängnis, droht

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