Waiblingen

Hypnose: Hilfe aus dem Unterbewusstsein

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Hypnose
TV-Hypnotiseur Alexander Hartemann beim Workshop im Bürgerzentrum. © Büttner/ZVW
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„Wenn jemand ernsthaft denkt, er kann den Arm nicht anwinkeln, dann kann er es auch nicht.“

Waiblingen. Menschen in Trance, die zwischen Schlaf und Wachzustand absonderliche Dinge tun und sich hinterher an nichts erinnern können: über Hypnose kursieren viele vage Vorstellungen. Dabei, sagt der Waiblinger Alexander Hartmann, ist jeder ein Hypnotiseur – meist, ohne es zu wissen. Wie diese Gabe im Alltag genutzt werden kann, um eigene Ziele zu erreichen und anderen zu helfen, hat er in einem Workshop im Bürgerzentrum erklärt.

Das Studio im Bürgerzentrum ist voll besetzt. Ungefähr ebensoviele Frauen wie Männer füllen die Reihen, erwartungsfroh. Manche von ihnen sind ein paar hundert Kilometer weit angereist, um den Hypnotiseur aus Waiblingen zu erleben. Alexander Hartmann hat einen Namen. In der Next Uri Geller Show auf Pro 7 ist er aufgetreten, Stefan Raab hat ihn zu TV Total eingeladen, viele kennen ihn auch als smarten Mentalisten und Zauberer mit hoch in die Luft gestylten Haaren.

Mit Zauberei hat die Botschaft allerdings wenig zu tun, die Hartmann an diesem Abend im Bürgerzentrum verkündet: „Hypnose ist ein Prozess, bei dem wir schneller neue Verhaltensmuster verinnerlichen.“ Hartmann zeigt Bilder und erzählt Geschichten. Wie die der Spinnenphobikerin Christina, die ihre Angst vor Spinnen los wurde, und von Leuten, die genüsslich lächelnd in Eisbädern planschen. Hartmann erklärt, plaudert und unterhält. Ein mitreißender Entertainer ist er, der seine Zuschauer animiert und lockt, sie zum Mitmachen antreibt, dabei aber immer sympatisch und freundlich bleibt – so dass es den Workshop-Teilnehmer leicht fällt, sich auf den smarten Kerl mit den zwei unterschiedlichen Schuhen (!) einlassen zu können.

Hypnose ist kein Geheimnis

Denn auch wenn hinter Hypnose, wie Hartmann immer wieder betont, kein Geheimnis steckt: Das Geheimnis seines eigenen Erfolgs ist, dass er Menschen offensichtlich mag und mitreißen kann. So strecken alle nach seiner Anweisung brav die Hände aus und lenken ihre Aufmerksamkeit auf ihre Handflächen, genauso, wie es der Hypnotiseur von ihnen will. „Auf der linken Hand ruht ein schweres Gewicht, das die Hand langsam runterdrückt“, sagt Hartmann mit ruhiger Stimme. Langsam, ganz langsam sinken die linken Hände im Publikum. Nicht alle, aber bei die meisten. Dann bittet Hartmann einen Mann und eine Frau aus dem Publikum auf die Bühne. Beide schließen die Augen und strecken ihren Arm aus. „Stellen Sie sich vor, Sie können den Arm nicht mehr anwinkeln“, sagt der Hypnotiseur. Mit eindeutiger Wirkung: Beide halten die Arme gestreckt. Beugen geht nicht mehr.

Oft blockieren wir uns mit unseren Gedanken selbst

Was frappierend nach einem Trick aussieht, aber offenbar keiner ist, erklärt Alexander Hartemann schlicht so: „Wenn jemand ernsthaft denkt, er kann den Arm nicht anwinkeln, dann kann er es auch nicht.“ Gedanken wirken weiter – im Guten wie im Schlechten. „Wie oft denken wir im Alltag, das kann ich nicht?“, fragt er in den Saal, in dem sich viele seiner Zuhörer in diesem Moment wohl überlegen, wie oft sie sich auf diese Weise schon blockiert haben.

Dass Erinnerung an einen Menschen Gefühle weckt, weiß jeder. Auch, dass einem beim Anblick oder beim Duft des Lieblingsessens das Wasser im Mund zusammenläuft. Wechselwirkungen habe also die Vorstellungen (oder Imagination, wie sie Hartmann nennt), die Physiologie, die Erfahrungen, die einer macht und seine persönlichen Glaubenssätze. „Den Reality-Loop“ nennt Alexander diese Kettenreaktion von Körper, Kopf, Erfahrungen und Überzeugen. Die gute Nachricht: „Ich kann eingreifen“, sagt Hartmann. „Fragen stellen, neue Bilder machen, meinen Körper und meine Glaubenssätze verändern.“

Realität verändern und schlechte Gewohnheiten ablegen

Die zweite gute Nachricht: Die Realität kann verändert werden. Weil das wir wollen – eine Diät durchhalten, das Rauchen aufhören, erfolgreicher, selbstbewusster, angstfreier werden – genauso viel mit unseren Bildern und dem Unterbewusstsein zu tun hat, wie das, was wir los werden wollen: viel zu viel Schokolade essen, uns vor Spinnen ekeln, vor neuen Aufgaben Angst haben und uns für Verlierer halten.

Dass Hypnose auf diese Art helfen kann, dafür kennt Hypnose-Lehrer Hartmann, viele Beispiele. Ein Geheimnis sei nicht dahinter, versichert er: „Den Schalter im Kopf, den doppelten Boden gibt es nicht. Nur das Denken im Kopf, das etwas auslöst.“ Damit Hypnose funktioniert, müsse der Hypnotiseur selbst von sich überzeugt sein oder wenigstens so tun, als ob: „Ich weiß, was ich mir vornehme, wird funktionieren“, erklärt er. Heilversprechen seien in der Hypnose nicht angebracht, wohl aber „optimistisch die Möglichkeit der Veränderung zu kommunzieren“. Klar sein müsse auch die Rollenverteilung („Es gibt einen, der führt und einen, der folgt“) und die Empathie, die sich in der Stimme des Hypnotiseurs spiegeln müsse. Wenn’s mit der Hypnose – oder auch sonst im Leben – dann doch nicht klappt, hilft am Ende immer noch Flexibilität: „Alles kann anders laufen als geplant“, weiß Hartmann aus Erfahrung. „Cool bleiben und weitermachen“, sei dann angesagt. Manchmal gingen Sachen einfach daneben. Wer sich dann auch noch dafür bestrafe, mache nichts besser, sagt er. Sein Rat: „Stay happy, if you loose.“

Magier und Autor

Alexander Hartmann (32) ist in Korb geboren. 2005 machte er Abitur und begann danach eine Künstlerkarriere als Magier und Zauberer.

2007 entdeckte er die Hypnose. Er ließ sich zum Hypnotiseur ausbilden und ist mittlerweile selbst Ausbilder. Er bietet Workshops und Seminare an, mittlerweile aber keine Einzelsitzungen mehr.

Im Ariston-Verlag hat er das Buch „Mit dem Elefant durch die Wand – Wie wir unser Unterbewusstsein auf Erfolgskurs bringen“ veröffentlicht.