Waiblingen

Identität der verkohlten Leiche weiter unklar

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Das reichlich verwucherte Gartengrundstück, in welchem die Feuerwehr am Sonntagmorgen eine verkohlte Leiche gefunden hat, liegt ganz in der Nähe des Wassertretbeckens am Weißen Weg in Beutelsbach. © Benjamin Beytekin

Weinstadt. Feuerwehrleute haben am Sonntag in den Resten einer abgebrannten Gartenhütte in Beutelsbach einen Leichnam entdeckt. Die verkohlte Leiche wird am Dienstagvormittag obduziert. Nach wie vor ist unklar, um wen es sich handelt. Laut Polizei gibt es keine Hinweise auf ein Verbrechen.


Update: Inzwischen ist klar, dass es sich bei der Leiche um den 45 Jahre alten Besitzer des Gartenhauses handelt. Mehr zum Thema lesen Sie hier.

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Erst wenn die Ergebnisse der Obduktion vorliegen, ist mit weiteren Informationen zu rechnen: Laut Polizeipressesprecher Rudolf Biehlmaier ist im Moment noch unklar, wer der Tote ist und wie er (oder sie) zu Tode kam. Der Polizei liegen laut Biehlmaier aktuell keine Hinweise auf ein Fremdverschulden vor. Auch sei nicht davon auszugehen, dass der Brand an der Hütte vorsätzlich gelegt worden sein könnte.

Der Todeszeitpunkt ist schwierig zu bestimmen

Rechtsmediziner werden vermutlich herausfinden können, ob die Person schon tot war, als der Brand ausbrach, bestätigt ein Experte. Der Rechtsmediziner Dr. Andreas Freislederer bezeichnet die Klärung dieser Frage als relativ einfach: Bei verkohlten Leichen seien häufig die inneren Organge noch „relativ gut zu erkennen“, erläutert der stellvertretende Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Uniklinik Essen. Die Deutsche Gesellschaft für Rechtsmedizin hatte den Oberarzt als Ansprechpartner für diese Fragen benannt. Hat jemand vor seinem Tod massiv Ruß eingeatmet und/oder weist er oder sie eine hohe Kohlenmonoxidkonzentration im Herzblut auf – dann ist davon auszugehen, dass der Mensch noch gelebt hat, als das Feuer ausbrach. Freislederer arbeitet seit rund 35 Jahren als Rechtsmediziner und hat, wie er berichtet, „selten erlebt, dass man nichts mehr hat feststellen können.“

Sehr viel schwieriger ist der Todeszeitpunkt zu bestimmen, erläutert der Oberarzt weiter. Bei einem teilweise verbrannten Leichnam greifen die sonst üblichen Untersuchungen zur Abkühlung der Körperkerntemperatur nicht. Aussagen zum Alter eines Toten lassen sich natürlich einfacher treffen, wenn noch Anhaltspunkte festzustellen sind. „Zarte Gefäße“, wie es der Rechtsmediziner nennt, sind ein Anzeichen für Jugend, eine hochgradig verkalkte Aorta lässt, das leuchtet ein, auf höheres Alter schließen.

Der Zahnstatus kann Hinweise auf die Identität des Toten liefern

Wer ist diese Person? Die wichtigste Frage klärt sich – vielleicht – anhand einer DNA-Analyse. Sie wird nur eine Antwort liefern können, wenn DNA-Material vorliegt, das mit jenem des Toten übereinstimmt. Liegt ein Verdacht vor, kann die Kripo beispielsweise eine Zahn- oder Haarbürste des Betreffenden besorgen – und dann klären lassen, ob die DNA übereinstimmt.

Ferner kann der Zahnstatus Hinweise auf die Identität eines Toten liefern. Hin und wieder werden entsprechende Bilder in zahnärztlichen Fachzeitschriften veröffentlicht – in der Hoffnung, ein Zahnarzt erkennt das Bild und kann es einer Person zuordnen, wie Dr. Freislederer weiter erläutert.

In einer jedem Polizisten zugänglichen Datenbank sind alle Vermissten aufgeführt, so Ulrich Heffner, Sprecher am Landeskriminalamt. Auch Tote, die nicht identifiziert werden konnten, sind dort vermerkt. Es braucht noch Zeit, bis sich die Frage abschließend beantworten lässt, ob der Beutelsbacher Tote in diese Datei aufgenommen werden muss.

Unglücksort ist sehr verwuchert

Am Tag danach weist am Weißen Weg in Beutelsbach nichts auf die Tragödie hin. Es ist still nahe des Wassertretbeckens; man hört Verkehrsrauschen, Vogelgezwitscher, das war's. Vereinzelt verirrt sich ein Spaziergänger oder Radfahrer in die fürs Remstal typische Gegend mit Streuobstwiesen, ein paar mehr oder weniger gepflegten Hütten, einzelnen Gärten und Baumgrundstücken. Der Württembergische Weinwanderweg führt hier entlang. Neugierigen Blicken bleibt der Brandort an der Böschung verborgen, so sehr verwuchert ist der Unglücksort.


Der Brand

Der Brand war der Rettungsleitstelle am Sonntag gegen 8.50 Uhr gemeldet worden. Als die Feuerwehr eintraf, befand sich die Hütte bereits im Vollbrand. Sie brannte vollständig ab. Bei den Nachlösch- und Aufräumarbeiten entdeckten dann Feuerwehrleute den verkohlten Leichnam.

Die Kripo Waiblingen führt die Ermittlungen.