Waiblingen

Immer Ärger mit den öffentlichen Toiletten

öffentliche Toiletten Wände Waiblingen_0
Besprühte Wände wie hier in der Toilette beim Hallenbad Waiblingen sind noch nicht das schlimmste Übel. © ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen. Fast jede Woche hat die Stadt Waiblingen mit Sachbeschädigungen und übelstem Dreck in den öffentlichen Toiletten zu kämpfen. Das Problem ist scheinbar nicht in den Griff zu bekommen. Immer wieder müssen Klos über Tage und Wochen gesperrt werden. Die vermeintlich stillen Örtchen sind ein Dauer-Aufreger.

Zwei Beispiele aus den vergangenen Monaten dokumentieren das Ärgernis besonders drastisch: Vor zwei Wochen musste die Feuerwehr einen Mann aus der öffentlichen Toilette am Zellerplatz befreien. Nichtsahnend hatte der 23-Jährige sich hineinbegeben und stellte nach erledigtem Geschäft fest, dass die Klinke innen abgerissen war. Sprich: Die Tür ließ sich nicht öffnen, er war eingesperrt. Beispiel zwei: Im Herbst musste die Feuerwehr einen Brand in den öffentlichen Toiletten unterhalb des Waiblinger Rathauses löschen. Der Grund: Jemand hatte Klopapier und andere Einrichtungsgegenstände angezündet. Wegen des starken Rauchs mussten sogar Teile des Rathauses zeitweise evakuiert werden. Alle blieben unverletzt, doch es hätte auch anders laufen können.

Fünfmal am Tag rückt die Putzkolonne an

Neben solchen gefährlichen Sachbeschädigungen gehört mutwillige Verschmutzung zum Alltag. Manche Zeitgenossen scheinen die stillen Örtchen zum Ausleben von Aggressionen zu nutzen. Was Unbekannte im Schutz des Unbeobachtetseins an Klos und Wänden verschmieren, will sich eigentlich keiner ausmalen. „Lange Zeit habe ich versucht, eine Erklärung dafür zu finden“, sagt Thomas Bayer vom städtischen Gebäudemanagement. Inzwischen ist er zu der Überzeugung gelangt: „Mit normalen Maßstäben kann man das nicht verstehen.“ Offenbar stecke ein gesellschaftliches Problem dahinter, das nicht nur öffentliche Toiletten betreffe. Auch auf Schulhöfen und Spielplätzen werde immer öfter kaputtgemacht, was nicht niet- und nagelfest ist.

Was hat die Stadt nicht schon alles versucht, um der Problematik Herr zu werden. Weil nicht selten in den Klos übernachtet wurde, gelten mittlerweile eingeschränkte Öffnungszeiten – in der Regel von sechs bis 21 Uhr. Ein guter Ansatz schien eine Zeit lang zu sein, dass die Nutzer für die Bedürfnisanstalten bezahlen müssen. Wie sich jedoch am Klohäuschen am Bahnhof zeigt, welches die Stadt angemietet hat, garantiert auch die Bezahlschranke keinen pfleglicheren Umgang mit dem Interieur. Aktuell hat das städtische Gebäudemanagement die Reinigungsintervalle erhöht: Fünfmal täglich wird geputzt. Hört sich nach einer sauberen Sache an, heißt aber auch: Fünfmal am Tag sind die Klos so verdreckt, dass die Putzkolonne Arbeit hat.

Kosten: 100 000 Euro im Jahr

Im Frühjahr 2018 waren die Klos am Waiblinger Friedhof über Wochen gesperrt, weil dort wiederholt randaliert und übernachtet wurde. In den Jahren zuvor war die Toilette auf dem Hallenbad-Parkplatz Ziel ähnlicher Verwüstungen, bis eine Gruppe von Verursachern ermittelt wurde. Besser soll es mit dem neuen öffentlichen WC beim Spielgolfplatz in der Talaue klappen. Verantwortlich ist dafür zwar die Stadt, aber die Betreiber der Freizeit-Anlage haben mit ein Auge darauf, so dass die Toilette nicht vollständig der sozialen Kontrolle entzogen ist.

Wegen Reparaturen sind die Klos oft geschlossen. Vor allem Ältere, Kinder und Menschen mit bestimmten Beschwerden leiden darunter, wenn sie nicht nutzbar sind. In manchen Läden der Innenstadt gibt es als Alternative die „nette Toilette“ nicht nur für Kunden. Doch auch die öffentlichen Toiletten möchte die Stadt trotz des anhaltenden Ärgers nicht abschaffen. „Nach unserem Verständnis gehören sie zur städtischen Infrastruktur“, sagt Thomas Bayer. Obwohl die Kosten beträchtlich sind. Für Reinigung und Wartung belaufen sie sich jährlich auf rund 100 000 Euro.


Klo-Standorte

Öffentliche Toiletten betreibt das städtische Gebäudemanagement beim Bahnhof Waiblingen, beim Postplatz (VHS), auf dem Hallenbad-Parkplatz, unterhalb des Rathauses und bei der Spielgolf-Anlage in der Talaue.

Unter die Verantwortung der Abteilung Grünflächen fallen die Toiletten auf den Friedhöfen. Ein weiteres öffentliches Klo gibt es im Parkhaus Marktgarage.