Waiblingen

In diesem Waiblinger Tonstudio entstehen Chart-Hits

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Tontechniker Daniel Rothermel mit den Chart-Rappern KC Rebell und Summer Cem sowie Musikproduzent JuhDee (von rechts) im A7-Media-Studio in Waiblingen. © Koala Filmz
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Daniel Rothermel in seinem Erdgeschoss-Studio in Waiblingen. © Benjamin Buettner

Waiblingen. Millionenfach klicken junge Musikfans im Netz auf die Videos der Rapper Summer Cem und KC Rebell. Was kaum einer weiß: Die aktuellen Singleauskoppelungen sind in Waiblingen entstanden, im Studio von Daniel Rothermel. Der 29-Jährige nimmt die Stimmen gestandener Musiker und Nachwuchskünstler auf und sorgt für den richtigen Klang. Er hat sich alles selbst beigebracht. Wir haben ihn zum Interview getroffen.

Video: Daniel Rothermel (29) im Gespräch mit Redakteur Sebastian Striebich.

Daniel, du betreibst ein Musikstudio. Würdest du dich auch selbst als Musiker bezeichnen?

Nein. Ich bin Ton-Ingenieur. Ich bin nur für den Sound verantwortlich. Für die Qualität. Ich nehme die Künstler auf und vermische ihre Stimmen mit der Musik. Passe die Frequenzen an, lege Effekte drüber.

Wie viel Einfluss übst du trotzdem selbst auf die Musik aus?

Schon viel. Das Klangbild ist entscheidend, wie der Song dann rüberkommt. Es kommt immer darauf an, wie viel Hall man verwendet, wie viel Echo. Man kann Feinheiten aus einem Song herauskitzeln. Außerdem muss man schon bei der Aufnahme darauf achten, dass sie top ist. Wenn ein Künstler von vornherein nicht im Takt ist, muss man das natürlich sagen. Dann hat man im Nachhinein weniger Probleme.

Du hast dich nicht zum Tontechniker ausbilden lassen.

Nein. Ich hab mir alles selbst beigebracht. Ich liebe das, was ich tu’. Nur deshalb mach ich das schon so lange. Seit 14 Jahren, seit ich 15 bin. Angefangen hat es, als ich DJs habe scratchen hören. Diese Effekte! Dann habe ich mir billiges Equipment gekauft, einfach rumprobiert. Kumpels haben aus Spaß angefangen zu rappen. Damals war ich auch DJ, habe selbst Beats produziert. Auch für den Rapper Kollegah, den Track „Money“ auf dem „Bossaura“-Album.

Reizt dich diese kreative Arbeit nicht mehr? Richtig Einfluss zu nehmen auf eine Melodie oder einen Text?

Das passiert schon. Ich gebe Tipps zur Stimmlage und Betonung oder verbesser’ meine Kunden auch teilweise, wenn es um Grammatik geht.

Das sind überwiegend Rapper, viele mit Migrationshintergrund, die in ihren Texten eher die harte Schiene fahren.

Ja, überwiegend. Heute rappt ja fast jeder. Zum Migrationshintergrund: Ich hab schon immer viel mit Ausländern zu tun gehabt. Ich verstehe mich mit allen gut, es gab noch nie Stress oder Probleme hier. Alle, die hier herkommen, sind sehr respektvoll. Ich bin übrigens halb Deutscher, halb Österreicher.

Wie läuft das ab, wenn du jemanden aufnimmst?

Die Künstler kommen vorbereitet her, gehen nach hinten, rappen ein. Auf meinem Bildschirm seh ich sie, kann über ihre Kopfhörer mit ihnen sprechen.

Dass jemand sechs Tage am Stück da ist, wie zuletzt die Chart-Rapper KC Rebell und Summer Cem, kommt aber nicht so häufig vor, oder?

Nein, das war schon was Besonderes. Ich habe sie vor Jahren über das Produzentenduo Cubeatz kennengelernt. Sie sind immer mittags gekommen und dann ging es bis 4 Uhr, 5 Uhr morgens. Das war schon ‘ne harte Zeit.

Hat sich finanziell aber bestimmt gelohnt.

Es ist vor allem eine Ehre für mich, dass so gestandene Künstler bei mir aufnehmen. Ich meine: Ich komme aus meinem Kinderzimmer, jetzt betreibe ich ein richtiges Studio. Und ich feier, was KC Rebell macht. Nicht alles, teilweise sind die Texte schon eine Nummer zu hart. Aber er hat viele gute Lieder.

Seit wann arbeitest du nicht mehr im Kinderzimmer, sondern im Studio?

Diesen Raum hab ich seit 2008. Am Anfang war noch ein Kollege dabei, mit dem ich mich leider zerstritten habe. Richtig offiziell mach ich das hier seit Ende 2011, seit vier Jahren hauptberuflich.


Mit welchem Gefühl gehst du zur Arbeit?

Das fühlt sich an wie ein Traum. Verrückt. Manchmal sehr surreal. Besonders die Zeit, als KC Rebell hier war. Ich arbeite seit vier Jahren mit ihm, mittlerweile kennt man sich, aber es ist immer etwas Besonderes. Wenn er hier reinkommt, spürt man seine Aura. Aber das war nicht der Beweggrund: Ich will mal mit Stars arbeiten. Mir hat das auch schon so gereicht. Ich hätte auch weitergemacht, wenn hier nie berühmte Leute gewesen wären.

Du hast die Aufnahmen live gehört, jetzt haben die Videos zu den Songs, die hier entstanden sind, Millionen Klicks auf Youtube. Wie fühlt sich das an?

Schwer zu beschreiben. Unglaublich. Der Weg war wirklich sehr hart. Das sind die ersten großen Früchte, die ich ernte.

Verdienst du an den Songs mit?

Nein, nur der Beatproduzent bekommt was von der Gema.

Um die Kunden zufriedenzustellen, brauchst du gutes Equipment. Und das ist teuer.

Klar. Ich habe bestimmt 10 000 Euro nur für Software ausgegeben. Und da ginge noch viel mehr.

Wie teuer ist es, bei dir aufzunehmen?

Die Kunden zahlen 120 Euro für ein Lied, inklusive Mix und Mastering. Sie haben eine Stunde Zeit aufzunehmen. Ich sitz jetzt aber auch nicht da mit einer Stoppuhr.

Hast du auch Kunden aus der Gegend?

Den Rapper Maxim zum Beispiel. Oder John Noville, auch hier aus Waiblingen. Ansonsten zum Beispiel Inscope 21, einen der berühmtesten Youtuber. Er kommt aus Stuttgart, hat 1,8 Millionen Abonnenten, lebt von seinen Videos seit ein paar Jahren.

Wohin soll die Reise jetzt noch gehen?

Gute Frage. Die letzten Jahre waren schon verrückt. Mit meinem Kumpel Gianluca Mauro habe ich nebenan Räume für ein Foto- und Filmstudio gemietet.

Ihr bietet Fotoshootings, Video- und Musikproduktion als Paket an?

Ja das passt gut zusammen. Momentan macht Gianluca das hauptsächlich. Ich helfe ihm, das aufzubauen..

Schon mal überlegt, in einem größeren Studio mitzuarbeiten?

Wir haben schon Angebote von Firmen bekommen, dass wir einsteigen könnten. Ich mach das aber lieber alleine, ohne einen Chef über mir. Hier bewerben sich mittlerweile auch Leute, die das studiert haben.

Kommt es für dich nicht infrage, jemanden zu beschäftigen?

Doch, irgendwann schon. Aber ... Ich habe meine Ohren so lange trainiert, ich kann jetzt hier nicht einfach irgendjemanden einstellen und sagen: Mach du das mal!

Im Erdgeschoss

Das A7-Media Tonstudio von Daniel Rothermel und das benachbarte Foto- und Videostudio seines Kumpels Gianluca Mauro (29) befinden sich in der Ruhrstraße 2/2 im Erdgeschoss – da darf es auch mal lauter werden.

Aufgewachsen ist der 29-jährige Daniel Rothermel in Rommelshausen. Er hat die Rumold-Realschule besucht und eine Ausbildung zum Verkäufer gemacht.

Das Kollabo-Album „Maximum“ der Rapper Summer Cem und KC Rebell wurde vergangene Woche veröffentlicht. Die Singles „Murcielago“, „Nicht jetzt“ und „Voll mein Ding“ mit Adel Tawil sind in Waiblingen entstanden.