Waiblingen

Interview mit einem Jägerausbilder

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„Es geht nicht ohne Jagd“, sagt Bernd Frischling von der Kreisjägervereinigung im Interview. Hier blasen Jäger zur Treibjagd. © Bernhardt/ZVW (Archiv)
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Bernd Frischling ist seit 2016 Ausbildungsleiter der Jägerschule in der Kreisjägervereinigung Waiblingen. Dort sind 15 weitere Ausbilder tätig, Frischling ist hauptsächlich für die Organisation zuständig. Der 52-jährige Familienvater wohnt in Stetten – für das Revier gilt auch sein Begehschein. Seinen Jagdschein hat er erst vor vier Jahren gemacht.

Waiblingen. Wildschweine, die Felder verwüsten, die drohende Schweinepest, die Rückkehr der Wölfe – immer wieder stehen Jäger im Fokus der Berichterstattung, wenn es um das Gleichgewicht in Wald und Wiesen geht. Bernd Frischling ist bei der Kreisjägervereinigung für die Ausbildung zuständig. Im Interview spricht er über steigende Jägerzahlen, umstrittene Jagdschein-Schnellkurse und das Bild der Jäger in der Öffentlichkeit.

Wer lässt sich zum Jäger ausbilden?

Menschen vom 18-jährigen Azubi bis zum 67-jährigen Rentner, quer durch die Bank aus allen Berufssparten. Vom Mediziner bis zum Bäckerlehrling ist da alles dabei. Eher Männer. Der Frauenanteil liegt momentan ungefähr bei zehn Prozent.

Welche Voraussetzungen muss ich mitbringen, um Jäger zu werden?

Sie müssen ein bestimmtes Alter haben: Ab 16 Jahren darf man den Jugendjagdschein machen. Sie müssen körperlich und geistig im Besitz Ihrer Kräfte sein. Wobei körperlich Ausnahmen gemacht werden: Es gibt auch Menschen mit Behinderung, die den Jagdschein machen.


Wird auch die psychische Eignung geprüft?

Es gibt die Zuverlässigkeitsprüfung. Da wird festgestellt, ob Sie in irgendeiner Art auffällig sind: sei’s Alkohol am Steuer, sei’s Körperverletzung, das geht bis hin zur Steuerhinterziehung. Alle drei Jahre wird diese Zuverlässigkeit überprüft.

Was ist die Motivation der Menschen, die eine Jägerausbildung beginnen?

Der eine Teil kommt aus jagdlichen Familien oder ist der Jagd schon länger verbunden und kennt diese Szene. Es gibt aber auch Leute, die interessieren sich in erster Linie für die Natur und für dieses Erlebnis.

Wie viele Jäger werden ausgebildet?

2017 haben in ganz Baden-Württemberg 2700 Absolventen die Prüfung abgelegt. Das war die höchste Zahl, die wir bisher hatten. Es boomt nicht, aber es wird immer mehr. Im KJV waren es 19 Absolventen, die Durchfallquote lag bei 22 Prozent.

Die Ausbildung ist ziemlich aufwendig.

Es gibt zweierlei Jagdschulen, einmal von den Kreisjägervereinigungen die Jagdschule, die ist natürlich sehr intensiv. Der Kurs geht von September bis Mai, also fast ein Dreivierteljahr. Mittlerweile gibt es aber auch diese privaten Jagdschulen, wo viele sich aus zeitlichen Gründen entschließen, das in zwei oder drei Wochen durchzuziehen.

Im Internet wirbt ein Anbieter mit dem Slogan: In 15 Tagen zum Jagdschein.

Das ist momentan ein ganz großer Trend. Also: Sie müssen 130 Pflichtstunden absolvieren – das sagt der Gesetzgeber. 85 Theoriestunden und 45 praktische Stunden. In welchem Zeitrahmen Sie diese Stunden ableisten, ist nicht festgelegt. Wenn Sie fertig sind, dürfen Sie sich beim Landesjagdverband zur Prüfung anmelden.

130 Stunden in 15 Tagen ...

Wir wundern uns immer wieder, wie das funktioniert. In diesen Privatschulen wird man natürlich getrimmt, man lernt g’schwind die Theorie, man lernt g’schwind das Schießen und dann hat man den Jagdschein. Wer allerdings mit diesen Leuten nachher spricht, merkt: Die haben nicht viel Ahnung von der Jagd.

Sie halten also nichts von diesen Schnellkursen.

Wir halten nicht viel davon. Wir fragen uns immer, wie das geht. Diese Leute haben den Überblick nicht, was eigentlich Jagd bedeutet. Die tun sich schwer, das Wild überhaupt zu erkennen: Was steht eigentlich vor mir? Im Prinzip müssen Sie als Jäger ja den ganzen Jahresablauf der Natur kennen – von der Vegetation und von der Tierwelt. Was macht das Wild in welcher Jahreszeit? Wann pflanzt es sich fort? Wann hat es Jungtiere? Wo wird es problematisch, wo richtet es Schaden an, sowohl im Wald als auf dem Feld?

Will heißen: Jagen ist mehr, als Tiere zu erlegen.

Um Gottes willen, da hängt ja viel mehr dran. Wir stellen immer wieder fest, dass die Leute im Kurs erstaunt sind: Ach, das hätten wir nicht gedacht, dass man da so viel wissen muss. Wie gesagt: 130 Pflichtstunden muss man ableisten – wir beim KJV bieten 180 Stunden an, plus die Schießausbildung. Wir gehen mindestens 15-mal auf den Schießstand. Bei den privaten Schulen geht man fünfmal.

Woraus bestehen diese 180 Stunden?

Das sind fünf Ausbildungsfächer: Einmal die Wildbiologie, da kommt alles dran, rund ums Wild und die Natur. Und die Wildbrethygiene: Der Jäger ist ja auch derjenige, der das Wildbret in Umlauf bringt, die fachkundige Person, die Krankheiten erkennen muss – die Symptome der Afrikanischen Schweinepest zum Beispiel. Dann gibt es die Waffenkunde. Wenn ich die Jägerprüfung abgelegt habe, darf ich ja eine Waffe in der Öffentlichkeit tragen. Ich muss mich mit der Waffe auskennen, sie zum Beispiel im Fahrzeug entsprechend aufbewahren. Weitere Punkte sind das Jagdrecht und die Jagd selbst.

Durch die Diskussion um die Schweinepest wurden die Jäger ins Rampenlicht gerückt. Haben Sie das Gefühl, der Öffentlichkeit ist die Bedeutung der Jagd dadurch bewusstgeworden, oder haben Sie weiterhin damit zu kämpfen, dass es auch vehemente Jagdgegner gibt?

Es ist ja nicht nur das Jagen, es geht auch um die Hege und die Pflege. Wir sagen das nicht, weil wir überzeugte Jäger sind: Es geht nicht ohne Jagd. Der Jäger oder Revierpächter erkennt ganz anders als der normale Spaziergänger, wie viel Wild wir überhaupt haben, speziell Schwarzwild. Die Jagd wird nicht immer anerkannt. Der Jäger ist in der Öffentlichkeit immer noch umstritten.

Weil er Tiere tötet.

Ja, wir erlegen Kreaturen. Wenn wir den Fuchs stärker bejagen, dient das aber zum Beispiel dem Schutz von Hasen und Rebhühnern. Wenn man mit eher kritisch eingestellten Leuten ins Gespräch kommt und sie aufklärt, lassen sie sich oft umstimmen. In unserer Ausbildung wollen wir die Jäger deshalb auch darauf vorbereiten, die Jagd vernünftig nach außen zu argumentieren.


Info

Eine Infoveranstaltung der Kreisjägervereinigung Waiblingen zur Jägerausbildung findet am Mittwoch, 6. Juni, von 19 Uhr an im Schießsportzentrum Fellbach-Schmiden, Schlüsseläcker 7, im Restaurant La Perla statt.