Waiblingen

Kanufahren auf der Rems, quer durch den Wald: Wie man dabei der Natur nicht schadet

Kanu
Kanufahren auf der Rems macht Spaß, bedeutet für Wasservögel aber oft Stress. Deshalb gilt: An die Brutzeiten denken und vor allem: Das Steuern üben. Foto: Büttner © Büttner

Durch Home-Office und Kurzarbeit, ausgefallene Auslandsreisen und teure Flüge sind die Leute mehr denn je in der Natur vor der eigenen Haustür unterwegs. Das bietet sich ja auch an: Wenn man auf der Rems zwischen Weinstadt und Waiblingen Kanu fahren kann oder an den Remsschleifen entlang durchs Naturschutzgebiet bis nach Neckar-Rems wandern kann, wieso dann auch verreisen?

Allerdings ist bei schönem Wetter auf den gewohnten Routen so viel los, dass schnell Sehnsucht nach unberührter Natur aufkommen kann. Eine naheliegende Lösung: querfeldein gehen. Davon sind Naturschützer allerdings keine großen Fans. Wir haben nachgefragt, was denn nun machbar ist und was nicht.

Nicht einfach durchs Unterholz streifen: Ruhezonen für Wild

Selbst wenn in einem Waldgebiet keine strenge Wegepflicht besteht, ist es aus Sicht der Jäger und der Naturschützer trotzdem nicht förderlich, durchs Unterholz zu streifen. „Die Tiere sind auf die Wege eingestellt, wer querfeldein geht, dringt in die Ruhezonen des Wilds ein“, erklärt Lorinser. Je mehr Menschen im Wald unterwegs seien, desto scheuer und ruheloser würden die Tiere. „Dabei ist es doch eigentlich schön, wenn sich hin und wieder mal ein Reh blicken lässt. Aber wenn der Mensch in ihre Schutzzonen eindringt, gehen die Tiere lieber woanders hin und lassen sich dann gar nicht mehr blicken.“

Am Fluss: Uferdickichte nicht betreten

Wer nicht aktiv das Artensterben unterstützen wolle, müsse auch außerhalb des Walds einige Grundsätze beachten. Ein ganz wichtiger Lebensraum ist laut Nabu zum Beispiel auch das Uferdickicht an renaturierten Bach- und Flussläufen – wie eben an der Rems an vielen Stellen. So verlockend es auch sei, sich an einem heißen Tag am Ufer ein Plätzchen zu suchen und sich dort zu sonnen: „Eigentlich sollten diese Bereiche der Natur in Ruhe gelassen werden“, sagt der Naturschützer. Ein guter Kompromiss hierfür könnte es demnach sein, sich am Fluss einen Ort zu suchen, der zwar vielleicht nicht direkt als Rastplatz ausgeschrieben ist, aber der regelmäßig von Menschen zum Am-Wasser-Sitzen genutzt wird – die dort lebenden Tiere dürften sich bereits auf die menschliche Gesellschaft eingestellt haben.

Mit dem Kanu auf der Rems: In der Mitte bleiben

Auch beim Kanufahren dringen Freizeittreibende zwangsläufig in den Lebensraum verschiedener Arten ein. Besonders Wasservögel wie Enten und Blesshühner oder auch der seltene Eisvogel leben und brüten an der Rems. Kanu-Begeisterte sollten sich unbedingt an die von der Gemeinde ausgeschriebene Strecke samt Einstiegs-, Ausstiegs- und Raststellen halten. Auf dem Rest des Flusslaufs können nicht nur starke Strömungen oder untiefe Stellen lauern, sondern hier sollen die Tiere auch ihren Rückzugsort behalten können.

Wem die Natur am Herzen liegt, der sollte außerdem das Steuern üben: Im Uferdickicht oder im Schilf haben Menschen und Kanus nämlich eigentlich nichts zu suchen. Wer auf der ausgewiesenen Strecke möglichst in der Flussmitte bleibt, kommt den Flussbewohnern so am wenigsten in die Quere. Entscheidend ist auch, wann die Rems befahren wird: Die offizielle Anweisung der Stadt Waiblingen sieht vor, dass die Strecke aus Rücksichtnahme auf laichende Fische vor Juni nicht befahren werden soll. Bruno Lorinser empfiehlt, noch einen Monat länger zu warten: „Wasservögel mit Jungtieren, die noch nicht fliegen und so nicht gut ausweichen können, haben sonst ein echtes Problem.“

Darf man in der Rems baden?

Als Letztes ein Punkt, über den niemand so richtig Bescheid zu wissen scheint: Darf, in Ermangelung ausgewiesener Badeseen direkt in Waiblingen, einfach so in der Rems oder einem anderen öffentlichen Gewässer gebadet werden, auf eigene Gefahr? Grundsätzlich ist Wildbaden in Deutschland nicht verboten, es sei denn, eine Gemeinde hat an einem Gewässer dementsprechende Schilder aufgestellt.

Das Gesetz zur Neuordnung des Wasserrechts in Baden-Württemberg vom 27. November 2013 hält unter Paragraf 25 fest: „Der Gebrauch der oberirdischen Gewässer zum Baden, Schöpfen mit Handgefäßen, Tränken, Schwemmen und zu ähnlichen unschädlichen Verrichtungen (...) ist vorbehaltlich einer Regelung aufgrund von § 21 Absatz 2 oder § 39 Absatz 2 als Gemeingebrauch jedermann gestattet.“

Allerdings macht es durchaus Sinn, sich an die Liste der zum Baden ausdrücklich freigegebenen Badestellen zu halten: Denn nur dort wird die Qualität des Wassers regelmäßig kontrolliert. Das ist bei der Rems nicht der Fall. „Der Fluss ist so voll mit Kolibakterien, ich persönlich würde meine Kinder da nicht reinlassen“, stellt Bruno Lorinser fest.

Durch Home-Office und Kurzarbeit, ausgefallene Auslandsreisen und teure Flüge sind die Leute mehr denn je in der Natur vor der eigenen Haustür unterwegs. Das bietet sich ja auch an: Wenn man auf der Rems zwischen Weinstadt und Waiblingen Kanu fahren kann oder an den Remsschleifen entlang durchs Naturschutzgebiet bis nach Neckar-Rems wandern kann, wieso dann auch verreisen?

Allerdings ist bei schönem Wetter auf den gewohnten Routen so viel los, dass schnell Sehnsucht nach unberührter

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