Waiblingen

Karl-Heinz Medinger vom Waiblinger Wochenmarkt lässt sich nicht stoppen

Wochenmarkt
Karl-Heinz Medinger auf dem Waiblinger Wochenmarkt. © Palmizi

Karl-Heinz Medinger kommt seit Jahrzehnten auf den Waiblinger Wochenmarkt. Auch wenn der Mann aus Stetten inzwischen seine Rente genießen könnte: Das Verkaufen seiner Äpfel und Kartoffeln lässt er sich nicht nehmen. Dafür legt er sich im Zweifel auch mit dem Rathaus an und lässt sich ein Bußgeld aufbrummen.

Karl-Heinz Medinger sitzt auf einer großen Holzkiste, ein alter Kartoffelsack dient als Kissen. Vor ihm steht eine alte Waage aus Metall, wohlgemerkt ohne digitale Anzeige. In einer Schale daneben hat er kleine Gewichte liegen. Bald müsse er das Gerät wieder zum Eichamt bringen, erzählt er. Die meisten Kundinnen und Kunden nehmen sich die Waren selbst und reichen sie dem 64-Jährigen über den Stand.

Die Äpfel und Zwiebeln liegen in alten Holzkisten, manche von ihnen sind schon ganz verbogen. Doch von Plastikkisten, wie sie die meisten auf dem Markt haben, hält Medinger nichts, er mag es klassisch.

Zwischen Glaskasten und Wochenmarkt

Medinger arbeitete viele Jahre bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft in Stuttgart, Beamter sei er dort gewesen. Neben der Arbeit dort half er als Aushilfe auf dem Wochenmarkt bei seinem Onkel Richard Kaiser. Als dieser allerdings im Jahr 1995 das 87. Lebensjahr erreicht hatte, übernahm Medinger den Stand und die Arbeit mit dem Obst und Gemüse. Parallel arbeitete er aber weiter im Büro oder, wie Medinger gerne sagt, „im Glaskasten“.

Inzwischen könnte der 64-Jährige eigentlich das Leben als Rentner genießen und seine Füße hochlegen. Doch das will der Mann aus Stetten nicht, obwohl auch sein behandelnder Arzt ihn schon dazu dränge. Auf die Frage, wie alt er sei, antwortet Medinger: „Ich sehe älter aus, als ich bin.“ Er bewegt sich langsam und läuft gebückt. Der Stettener hofft, dass dies bald wieder besser wird und die Ärzte ihm helfen können.

Er ist nicht der einzige Medinger aus Stetten, der auf dem Wochenmarkt seine Produkte anbietet. Auch Karin und Reiner Medinger aus Stetten verkaufen hier ihre Waren. Doch die beiden sind nicht mit dem 64-Jährigen verwandt oder verschwägert.

Karl-Heinz Medinger grüßt viele, die hier vorbeikommen und spricht gerne mit seinen Kundinnen und Kunden über alte Zeiten. Ein älterer Herr kommt zu ihm an den Stand und erzählt von dem Winter vor vielen Jahrzehnten, in dem über Nacht die Rems zufror. Es sind Geschichten wie diese, die zum Stand ebenso gehören wie die Kartoffeln.

Früher wurde mehr gekauft

Medinger spricht auch darüber, wie es früher auf dem Markt gewesen sei. Damals sei mehr gekauft worden, es kämen weniger Kunden als füher, meint er. Stolz ist der Stettener vor allem darauf, dass er nichts zukauft. Alles hier am Stand sei sein eigenes Erzeugnis. Im Sommer gibt es auch Erdbeeren, erzählt er. Nur den Verkauf der Kirschen habe er inzwischen eingestellt. Auf eine Leiter klettere er besser nicht mehr, schließlich seien seine beiden Knie inzwischen aus Metall.

Karl-Heinz Medinger spricht nicht über Äpfel und Zwiebeln, hier ist die Rede von Boskoop, Gala, dem Roten Baron oder den Stuttgarter Riesen. Er ist stolz auf seine Arbeit hier, auch wenn er zugibt, dass so manches nicht mehr ganz so gut läuft wie früher noch. Medinger hat Probleme mit den Augen, manches kann er nicht mehr so gut sehen. Eine Kundin beschwert sich über eine grüne Stelle an einer Kartoffel. Medinger tauscht sie kurzerhand aus. Auch seine Äpfel haben kleine Macken, der Hagel habe sie zugerichtet, und zum Spritzen sei er dieses Jahr nicht gekommen. Dafür biete er das Obst nun besonders günstig an.

Manch ein Kollege auf dem Markt fragt sich schon, warum er sich das hier noch antut. Medinger sagt, das sei eben Leidenschaft. Ihm sei der Unternehmergeist als Kind schon eingetrichtert worden, wohl auch deshalb sei er immer noch ein „Schaffer“. Den größten Teil der Arbeit mache er alleine, nur ab und zu helfe aber auch seine Schwester bei der schweren Arbeit.

Der Obst- und Gemüseverkäufer legt sich auch mal mit dem Rathaus an

Medinger erzählt auch, wie er sich vor gar nicht allzu langer Zeit auch für die Belange der Standbetreiber auf dem Wochenmarkt einsetzte. Er und andere hätten es nicht einsehen wollen, jeden Mittwoch und Samstag neben der Standgebühr auch eine Parkgebühr zu bezahlen. „Ich habe ein fünfseitiges Papier an Oberbürgermeister Hesky geschrieben“, sagt Medinger stolz. Irgendwann hörte er aus Protest auf, Parkscheine zu lösen, und stellte sich auf stur. Auf die Weise habe er sich ein Bußgeld von 80 Euro eingehandelt. „Aber das hat sich gelohnt“, sagt er.

Inzwischen dürfen die anderen Standbetreiber und er kostenlos parken. „Jetzt habe ich einen grünen Wisch“, sagt der 64-Jährige.

Karl-Heinz Medinger kommt seit Jahrzehnten auf den Waiblinger Wochenmarkt. Auch wenn der Mann aus Stetten inzwischen seine Rente genießen könnte: Das Verkaufen seiner Äpfel und Kartoffeln lässt er sich nicht nehmen. Dafür legt er sich im Zweifel auch mit dem Rathaus an und lässt sich ein Bußgeld aufbrummen.

Karl-Heinz Medinger sitzt auf einer großen Holzkiste, ein alter Kartoffelsack dient als Kissen. Vor ihm steht eine alte Waage aus Metall, wohlgemerkt ohne digitale Anzeige. In

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