Waiblingen

Kein Schultag wie jeder andere

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Die Friedensschule in Waiblingen-Neustadt (Archivfoto). © ZVW/Gabriel Habermann
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Lachen löst Blockaden und hilft gegen Schulstress: Komiker Felix Gaudo vor Schülern der Friedensschule.

Waiblingen-Neustadt. Der Schreck steckte vielen Schülern und Eltern der Friedensschule Neustadt noch in den Gliedern nach dem Polizeieinsatz wegen der Amokdrohung, die sich später als nicht ernst gemeint herausgestellt hatte. Im Mittelpunkt sollte sie aber nicht stehen beim Pädagogischen Tag am Freitag unter dem Thema: Motivation durch Humor.

Das Wichtigste noch einmal: Zu keinem Zeitpunkt habe für die Schüler eine konkrete Gefahr bestanden, sagte Polizeisprecher Ronald Krötz nach dem Einsatz vom Donnerstag. Die Amokdrohung, die ein 13-Jähriger in einem Whatsapp-Chat abgesetzt hatte, entpuppte sich als nicht ernst gemeint. Aber der Schrecken und die Angst, die sie auslöste, sind nichtsdestotrotz real. Einige Schüler und Lehrer blieben am Freitag daher zu Hause. Auf persönlicher Ebene gibt es vielfältige Verbindungen zwischen der Friedensschule und der Albertville-Realschule in Winnenden, sagt die Neustädter Rektorin Gabriele Gollnick. Schüler haben Bekannte und Verwandte, die den Amoklauf am 11. März 2009 erlebten. Lehrer arbeiteten damals in Winnenden und leiden seitdem an einem Trauma.

„Das Wort Amok haben wir nicht in den Mund genommen“

Gefahr bestand keine – aber man konnte es zunächst nicht wissen. In Abstimmung mit der Polizei für mehr als 600 Schüler die richtigen Entscheidungen zu treffen, Panik zu vermeiden („Das Wort Amok haben wir nicht in den Mund genommen“) – ein harter Job. Auch nachdem die Situation am Donnerstag weitgehend geklärt war, wollte die Aufregung nicht aufhören: Als sich nahe der Schule ein Verkehrsunfall ereignete, standen Polizei und Krankenwagen da. „Mir ging es nicht gut“, gesteht die Rektorin am nächsten Tag, „aber man muss halt funktionieren.“

Am für Freitag angesetzten Pädagogischen Tag der Friedensschule sollten die Ereignisse vom Donnerstag höchstens eine Nebenrolle spielen. Nicht um weitere Krisenbewältigung ging es, sondern um Motivation im Alltag, in dem viele Jugendliche lieber am Smartphone chatten oder daddeln statt zu lernen. Ein „gutes Gegengewicht“ zum schlimmen Schrecken versprach Referent Felix Gaudo den in der Sporthalle versammelten Schülern der Klassen fünf bis zehn.

Der Moderator, Comedian und Clown ist ein Freund von Eckart von Hirschhausen und war mit dem prominenten Kollegen lange Jahre als Duo unterwegs. „Lachen lohnt sich! – Mit Humor lernt es sich besser“ heißt seine Devise. Wobei Humor für ihn nicht bedeutet, den ganzen Tag Witze zu erzählen, sondern den Zauber des Moments zu entdecken, im gemeinsamen Lachen über Absurditäten Verbindungen zwischen Menschen zu schaffen, die Perspektive zu wechseln. Die energiespendende Kraft des Humors erlebt Felix Gaudo im Ehrenamt als Klinikclown.

Auch bei der Arbeit und beim Lernen verleiht er neue Kraft. Dabei ist Humor nach Überzeugung des Comedians keine Fähigkeit, die einem durch Schicksal zur Verfügung steht oder nicht, sondern: Man kann ihn trainieren, man muss sogar. Wie das Spielen auf einer Gitarre oder auf einem Keyboard will er geübt werden – am besten täglich. Weil das nicht nur für Schüler gilt, folgte auf den Vortrag in der Sporthalle am Nachmittag ein Workshop für die Lehrer.


Woche der Prävention

Vom 25. bis 29. März bietet die Friedensschule Neustadt für alle drei siebten Klassen eine Präventionswoche an. Beteiligt sind insgesamt 61 Schüler im Durchschnittsalter von 13 Jahren.

Das Ziel dieses Präventionsprojektes ist, die Schülerinnen und Schüler in ihren Kompetenzen im Umgang mit Gewalt und Sucht zu stärken. Da die Jugendlichen sich heute stärker in digitalen Welten bewegen, soll zudem der Einfluss der Medien berücksichtigt werden. Die Ereignisse um die Amokdrohung werden eine Rolle spielen. „Die Schüler werden dazu viele Fragen haben“, ist sich Rektorin Gabriele Gollnick sicher.

An zwei Tagen besuchen die Klassen Workshops und eine Theateraufführung. Am letzten Tag sind einschlägige Beratungsstellen aus Waiblingen zu Gast.