Waiblingen

Keine Windkraft auf der Buocher Höhe

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Bleibt windradfrei: Die Buocher Höhe, hier zu sehen im 180-Grad-Panorama von Hanweiler bis Breuningsweiler. © Habermann / ZVW

Waiblingen. Das ist das Aus für die Windkraft-Pläne auf der Buocher Höhe: Andreas Hesky, der in seiner Eigenschaft als Waiblinger Oberbürgermeister jahrelang für das Projekt gekämpft hat, beerdigt es in seiner Eigenschaft als Fraktionschef der Freien Wähler in der Regionalversammlung nun selber.

Steig aus dem Sattel, wenn das Pferd tot ist? Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende? Allerlei geflügelte Worte, für die man am Fußballstammtisch drei Euro ins Phrasenschwein zahlen müsste, fallen einem ein zu dieser Entwicklung: Andreas Hesky, der als Waiblinger OB lange Zeit auf immer verlorener anmutendem Posten für Windräder auf der Buocher Höhe geworben hat, trägt das Projekt nun als Vorsitzender der Freie-Wähler-Fraktion in der Regionalversammlung höchstselbst zu Grabe. Denn die Freien Wähler haben zu den regionalen Haushaltsberatungen einen Antrag eingereicht, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglässt und quasi als Abschiedsbrief für das Windkraft-Vorhaben deutbar ist, nach dem Motto: Da sowieso nichts draus wird, brauchen wir auch nicht länger drüber zu streiten; legen wir den Traum zu den Akten.

"Es muss endlich Klarheit geschaffen werden"

Das Papier trägt die Überschrift „Bereinigung der Kulisse der Windkraftstandorte“, es ist unterschrieben von Hesky persönlich und seinem Welzheimer Fraktionskollegen Thomas Bernlöhr. Zitat: „Es muss endlich Klarheit geschaffen werden, um Phantomdiskussionen zu vermeiden.“ Die Freien Wähler „beantragen daher“: All jene Flächen, die in der regionalen Planung derzeit zwar noch als potenzielle Windkraftstandorte gehandelt werden, bei denen aber „in absehbarer Zeit“ eine konkrete Umsetzung der Pläne „nicht realisierbar“ ist, sollen von der Liste der sogenannten „Vorranggebiete“ gestrichen werden. Und dazu gehört auch die Buocher Höhe.

Projekt scheiterte an zwei Hindernissen

An zwei Aspekten ist das Projekt letztlich gescheitert. Erstens: Bereits Ende 2015 legte die Deutsche Flugsicherung in einem Brief an das Regierungspräsidium Stuttgart ein Veto gegen Windräder auf der Buocher Höhe ein. Grund: Das Gebiet liegt im Einzugsbereich eines Drehfunkfeuers bei Affalterbach, das Flugzeuge zum Stuttgarter Flughafen lotst – Windräder könnten den Funk stören. „Das Bauwerk darf nicht errichtet werden“, stand in dem Brief, das Wort „nicht“ war dick unterstrichen. Nun ist zwar prinzipiell nicht auszuschließen, dass die Flugsicherungsanlagen irgendwann modernisiert werden und nicht mehr so empfindlich für Störeinflüsse sind. Aktuell ist aber keine Änderung in Sicht.

Die Kernprobleme: Flugsicherung und Landschaftsschutz

Zweitens: Die Buocher Höhe ist ein Landschaftsschutzgebiet. Windräder dürften dort nur gebaut werden, wenn der Zuschnitt der Schutzzone verkleinert würde. Prinzipiell ist das unter Umständen schon möglich, zuständig wäre die Naturschutzbehörde des Rems-Murr-Landratsamtes, sie müsste dafür ein Prüfverfahren einleiten. Das aber ist nie geschehen. Ein Sprecher des Landratsamts begründet das so: Die Behörde würde nur dann „für teures Geld“ eine solche Prüfung anleiern, wenn es „keine anderen Hinderungsgründe“ für Windräder gäbe. Solange die Bedenken der Flugsicherung dem ganzen Projekt aber sowieso im Wege stehen, „macht es für uns keinen Sinn“, sich überhaupt mit der Frage zu befassen, ob eine Schrumpfung des Schutzgebietes zu verantworten wäre.

Hesky: "Ich persönlich bedauere es, mir tut es weh, keine Frage"

All das ist seit Jahren bekannt. Die Chancen auf Realisierung der Windkraftpläne waren deshalb nur noch recht theoretischer Natur. Andreas Hesky zieht mit seinen Freien Wählern nun die praktische Konsequenz. Etwas böse ausgedrückt: Es ist die späte Kapitulationserklärung in einem längst verlorenen Kampf.

„Ich persönlich bedauere es, mir tut es weh, keine Frage“, sagt Hesky dazu – aber dass die Flugfunk-Problematik derzeit nicht auszuräumen ist und das Landratsamt deshalb gar nicht dran denkt, die Landschaftsschutzfrage auch nur zu erörtern, „ist eine Realität, die so zur Kenntnis zu nehmen ist“. Wenn nun die Buocher Höhe von der Liste der Vorranggebiete gestrichen werde, wisse man wenigstens, „woran man ist, und findet sich damit ab“.

Heftige Anwohner-Proteste haben ein Ende

Schluss ist dann endlich auch mit einem elend zermürbenden Dauer-Grabenkrieg: Andreas Hesky hat jahrelang heftige Korber und Remshaldener Anwohner-Proteste aushalten müssen, die bisweilen die Grenze zur persönlichen Verunglimpfung überschritten.


Der Tiefpunkt

Der Tiefpunkt in der Debatte um die Windräder auf der Buocher Höhe lässt sich recht präzise datieren: Im März 2016 bezeichnete Ex-VfB-Star und Windkraftgegner Hansi Müller, Mitglied des Korber Gemeinderats, den Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky als „Wahnsinnigen“, der „aus Eigeninteresse“ den Korber Anwohnern eine „gesundheitsgefährdende“ Technologie zumuten wolle. Hesky reagierte seinerzeit bewundernswert gelassen: „Wer Verantwortung trägt, muss sich fragen, was er tun kann, damit die Gesellschaft auf erneuerbare Ressourcen zurückgreifen kann.“