Kellerdisco: DJ Tommy heizt ein
Weinstadt-Beutelsbach. Wer vorher dachte, hier würde womöglich zu schrägen Beats oder langen Solos getanzt, sah sich eines Besseren belehrt: Die dritte Kellerdisco des Jazzclubs Armer Konrad entpuppte sich als ganz normaler Schwof. In freilich außergewöhnlich stimmigem Kellerambiente. Und als Querbeet-Musik-Mix der Geschmäcker und Generationen.
Bei der ersten von bislang drei Discos hat JAK-Programmmacher Luz Weber noch selbst aufgelegt. MP3-Dateien zwar, aber aus den Bereichen Blues, Rock, Fusion, Sachen aus seiner Sammlung. Ein Schulterschluss der Generationen insofern, als digital Analoges abgespielt wurde. Diesmal legt DJ Tommy CDs auf – so mittendrin also, zwar nicht Vinyl, aber doch keine Dateien. Und Musik jedes Jahrzehnts seit den 70ern. Unter seinen Silberlingen, sagt er, finde sich freilich keiner mit „richtigem“ Jazz.
Jazz oder nicht Jazz – für den Saxofonisten Andreas Mürdter (unter anderem „September“) ist’s ohnehin keine Frage. Der Latin-Jazzer beobachtet die Schwofer im Stiftskeller und hat die ganze Zeit noch keinen Jazz gehört, vermisst ihn aber auch nicht. Die Stimmung sei ausgelassen, die Location atmosphärisch – so könne der Jazzclub Armer Konrad positiv auf sich aufmerksam machen, dabei Jazzfremden seine Örtlichkeiten vorstellen. Denn auch im JAK-Keller nebenan ist offen. Hier können sich die Tänzer vom Schwofen ausruhen, abwarten und Tee trinken, bevor sie sich wieder auf die Tanzfläche trauen.
Dort schütteln gut 200 Tänzer im Groove diverser Generationen genussvoll ihre Glieder. Überwiegend Frauen, wie auch sonst bei Schwofs üblich, und dazu ein paar Männer jedes Alters, vom Mittzwanziger zum fitten Endfünfziger.
Das ist eine Besonderheit der Jazzclubdisco in Beutelsbach: Du siehst Leute (fast) jeder Altersklasse. Und die zweite: Der Beat bleibt so in etwa derselbe, der DJ hält ihn durchgehend für längere Zeit, aber er speist sich aus der Musik verschiedener Jahrzehnte. Eben noch 80er-Disco, dann, mit leichter Abweichung, Billy Idols „Rebel Yell“, und schließlich, vollends rockend, „Nutbush City Limits“ von Ike & Tina Turner, ganz frühe 1970er mit einem Fuß in den 60ern. So läuft das bei DJ Tommy die ganze Zeit. Da geht’s von einer Epoche in die nächste, es gelten keinerlei Spartenzwänge, keine Subkultur frönt ihrem speziellen Stil, es sind alle angesprochen: Rocker und Punker, Yuppies und Hippies, Baby Boomer und Digital Natives. Denn auch vor technoiden Sounds der 2010er Jahre, etwa Sister Sledges Disco-Klassiker „Lost in music“ recycelt mit Rap-Anteilen, macht der DJ nicht halt.
So hat sich das Alexander Schlesinger vom JAK auch vorgestellt. Mit zwei Kolleginnen im Club kam er auf die Disco-Idee, „weil wir ganz einfach Lust auf Tanzen haben“. Ein „niederschwelliges Musikangebot“ für ein breites Publikum habe ihnen vorgeschwebt, nichts mit jazzdidaktischen Absichten. Schlesinger vermutet, dass er die meisten, die heute tanzen, wohl bei den Jazzkonzerten im JAK-Keller kaum wiedersehen dürfte.
„Toll, dass es in Weinstadt so was gibt!“
Ingrid Schmidt freilich, Mitglied im Club, könnte er wieder treffen. Die Beutelsbacherin hält sich die meiste Zeit auf der Tanzfläche auf, weil der DJ „auf geniale Art immer den richtigen Beat“ schaffe, eine ideale Mischung der Stile, die einen auf den Beinen halte. Und um sich rum sehe sie „nur verzückte Gesichter“. Ebenso begeistert: Metzger Wolfgang Schäfer. „Toll, dass es in Weinstadt so was gibt!“ Ihm gefällt „die interessante Mischung der Leute“.
Derweil sitzt auf der Bühne neben DJ Tommy der JAK-Soundtechniker Friedreich Dessecker. Diesmal nicht, um am Sound für ein Solo zu feilen. Vielmehr hat er heute den Finger am roten Knopf der Nebelmaschine, um gelegentlich ein bisschen Rauch zu machen. So was gäbe es im Jazz auch nicht alle Tage …
Nächster Termin
Der Stiftskeller ist laut JAK-Programmmacher Luz Weber schwer zu buchen, weil sehr gefragt, und für die nächste Disco musste lange vorausgeplant werden. Sie findet demnach erst in neun Monaten statt, nämlich am 20. Oktober.

