Waiblingen

Kfz-Haftpflicht wird teurer

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Symbolbild. © Danny Galm

Waiblingen. Die KfZ-Haftpflicht wird etwas teurer. Autofahrer aus dem Rems-Murr-Kreis sind neuerdings schlechter eingestuft. Schuld ist ihre unerfreuliche Schadensbilanz. Dennoch gibt’s im Kreis nichts zu klagen, vergleicht man die Haftpflichtklassen bundesweit: Der Rems-Murr-Kreis steht ganz gut da.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherer (GdV) wühlt sich jedes Jahr durch einen riesigen Zahlenwust: Wie viele Unfälle sind wo passiert, Schäden in welcher Höhe sind entstanden? Auf der Grundlage dieser Daten ordnet der Verband die rund 400 Zulassungsbezirke Deutschlands in Regionalklassen ein. Der Rems-Murr-Kreis befand sich bisher in der Haftpflichtklasse 4, jetzt in 5. Es gibt zwölf Klassen; Stufe fünf ist also gar nicht so schlecht. Diese Stufe bedeutet: Die Schadensbilanz im Rems-Murr-Kreis ist besser als der Bundesschnitt.

Schadensbilanz schlecht ausgefallen

Warum die Schadensbilanz diesmal im Rems-Murr-Kreis schlechter ausgefallen ist, dafür hat eine Sprecherin des GdV keine Erklärung: Der Verband erfasst nur die Daten, nicht die Gründe von Unfällen. Womöglich hängt’s gar nicht nur mit der Zahl der Unfälle zusammen. Wo viele teure Autos unterwegs sind, dort entstehen höhere Schäden.

Die Regionalklassen beeinflussen zwar den Tarif – aber nur ein bisschen. Eine ganze Reihe von Faktoren spielen für die Einstufung eine Rolle. Etwa 90 Kfz-Versicherer buhlen in Deutschland um die Gunst der Kunden: Jede arbeitet mit eigener Kalkulation, erläutert die GdV-Sprecherin.

Zwei Fallbeispiele

Die schlechtere Regionalklasse erhöht den Tarif voraussichtlich nur um ein paar Euro pro Jahr. Zwei Versicherungen haben auf Nachfrage dieser Zeitung einen Beispielfall berechnet: Sofern alle Merkmale gleich bleiben und sonst keine Tarifänderungen anstehen, ergibt sich bei der HUK Coburg für einen Golf VII 1,4 TSI nächstes Jahr ein um 11,34 Euro höherer Betrag für die KfZ-Haftpflicht. Für dieses Auto fallen dann im Classic-Tarif 160,22 Euro an.

Die WGV wählt dieses Beispiel: Die Kfz-Haftpflicht für einen VW Passat Variant 1.4 TSI kostet bei der WGV im kommenden Jahr 216,72 Euro. Das sind 5,32 Euro mehr als 2017.

„Die Kfz-Versicherung ist nahe dran am persönlichen Risiko“

Um Beiträge solide vergleichen zu können, wären alle weiteren Kriterien, die den Tarif bestimmen, ebenfalls zu berücksichtigen. Das sind eine ganze Reihe (siehe interaktive Grafik). Versicherer könnten zusätzlich fragen, ob der Autofahrer eine Bahncard besitzt, ob er das Auto in einer Garage parkt und dergleichen mehr. Weil so viele Punkte für die Berechnung des Tarifs eine Rolle spielen, „ist die Kfz-Versicherung nahe dran am persönlichen Risiko“, erläutert die GdV-Sprecherin.

Nicht nur für die Kfz-Haftpflicht gibt es Regionalklassen. Die Teilkaskoversicherung arbeitet mit 16, die Vollkaskoversicherung mit 9 Klassen. Bei der Teilkasko ist der Rems-Murr-Kreis unverändert in Klasse fünf einsortiert, bei der Vollkasko – ebenfalls unverändert – in Klasse vier.

Höhere Tarife für hochmotorisierte Oberklasse-Modelle

Auf die Regionalklasse hat der einzelne Autofahrer keinen Einfluss. Auf die Typklasse natürlich schon: Große, teure Automodelle kosten mehr in der Versicherung. Auf Deutschlands Straßen sind laut GdV rund 28 000 verschiedene Automodelle unterwegs. Der Verband der Versicherer hat nun ein neues Typklassenverzeichnis aufgelegt, mit dessen Hilfe Versicherungsunternehmen Fahrzeuge klassifizieren können. Das einfache Prinzip: „Werden mit einem Automodell vergleichsweise wenige Schäden und geringe Reparaturkosten verursacht, erhält es eine niedrige Typklasse, bei vielen Schäden und hohen Versicherungsleistungen eine hohe.“ Eine ganze Reihe von Modellen hat der GdV jetzt neu eingruppiert.

SUVs werden hoch eingestuft

Für viele hochmotorisierte Oberklasse-Modelle und SUVs sieht die neue Kfz-Typklassenstatistik eine hohe Einstufung vor. Besonders hart getroffen hat es den BMW 114I und den Jeep Renegade 1.4 T. Beide Modelle verschlechterten sich um gleich drei Klassen in der Kfz-Haftpflicht. Das genaue Gegenteil gilt für den Dacia Logan Kombi 0.9 und den Audi A 4 Avant 2.0 TDI. Diese Modelle verbesserten sich um drei Klassen.

Grundlage für Einstufung: Schadens- und Unfallbilanzen

Grundlage für die Einstufung sind die Schadens- und Unfallbilanzen der vergangenen drei Jahre. Die Statistiker werten dafür nahezu alle in Deutschland zugelassenen Automodelle aus. Auf der Seite www.gdv.de können Autofahrer die Daten ihres Wagens eingeben und ihre Typklasse recherchieren.

Das ist in einer Minute erledigt. Ein fundierter Vergleich der Tarife verschiedener Versicherer dauert länger. Die Unterschiede sind zum Teil erheblich. Die Verbraucherzentrale rät, nicht allein den Jahresbeitrag ins Visier zu nehmen. Ein Kunde sollte außerdem beachten, wie die Versicherung im Schadensfall zurückstuft. Ein scheinbar günstiger Anbieter könnte sich sonst hinterher als überdurchschnittlich teuer entpuppen.

Vergleichen lohnt:

  • Wer die Anbieter genau vergleicht, kann viel Geld sparen: „Bei gleichen Leistungen weichen die Prämien der Autoversicherer stark voneinander ab“, so die Verbraucherzentrale.
  • Eine Kündigung der Versicherung ist in der Regel zum Ablauf des Versicherungsjahres möglich. Endet das Versicherungsjahr auf den 31. Dezember, muss der Versicherte spätestens am 30. November die Kündigung eingereicht haben.
  • Eine Beitragserhöhung bringt ein Sonderkündigungsrecht mit sich.
  • Diverse Portale im Internet bieten Gratisvergleiche von Versicherungen an. Doch diese weisen meist Lücken auf und beziehen längst nicht alle Versicherungen mit ein.
  • Einen kostenpflichtigen, nach eigenen Angaben neutralen Vergleich bietet die Stiftung Warentest an.