Waiblingen

Kinderfasching in Großheppach

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Als die Süßigkeiten in den Saal regneten, mussten sich die Feen und Prinzessinnen kräftig bücken. © ZVW

Weinstadt-Großheppach. Eine Halle voller Gewusel: Hunderte kleiner kostümierter Gestalten haben beim Kinderfasching der Musikvereinigung gestern die Herrschaft übernommen. Auch Michael Jackson wurde unter den Gästen gesichtet.

Die Heppacher „Rakete“, die geht so: Wie wild mit den Füßen trampeln, mit vereinten Kräften in die Hände klatschen und kreischen, wie sonst vermutlich das ganze Jahr über nicht. Das lassen sich die Kinder natürlich nicht zweimal sagen. Der Geräuschpegel schwillt an, hinten halten sich die ersten Großeltern die Ohren zu, verziehen aber wohlwollend und vergnügt das Gesicht – es gehört zum Kinderfasching. Auch Moderator Armin Hutt sieht noch Steigerungspotenzial: „Ich weiß, das geht noch lauter.“ Er hat recht. Bei der nächsten „Rakete“ gehen die Münder noch weiter auf, die Hände schlagen noch schneller aufeinander, aus dem Fußtrampeln wird ein Springen und Hopsen. Die Belohnung erfolgt auf dem Fuße: Ein Bonbonregen prasselt von der Bühne. Die Kinder bücken sich, fischen nach den Süßigkeiten. Praktisch, wer als Cowboy, Mexikaner und Zauberer ohnehin über eine Kopfbedeckung verfügt, die er zum Einsammeln aufhalten kann.

Vor der Bühne ist kaum mehr ein Durchkommen: Biene Maja spielt Fangerles mit dem türkisfarbenen Drachen mit lila Gesicht, Polizei und Feuerwehr „beschützen“ Marienkäfer und das Rotkäppchen, eine Leopardin schleicht durch die Tischreihen, klassische Cowboys und Indianer und mehrere Hundert weitere farbig kostümierte Jung-Jecken sind drei Stunden lang begeistert von Spielen, Spaß und „Süßis“. „Die Kinder sollen ausgepowert sein und abends müde ins Bett fallen“, skizziert Armin Hutt lächelnd seine „Aufgabe“. die der ehemalige Musikvereinsvorsitzende zusammen mit Timo Hutt in Minion-Kostümierung ernst nimmt: Sie moderieren launig die Spiele, lassen regelmäßig die „Rakete“ steigen und bringen den Kindern den Schlachtruf „Narri Heppach, Heppach Helau“ bei.

Michael Jackson, wie er auf dem Moon walkt

Bei den Kleinen kommt Freude auf beim Eierlauf, Sackhüpfen, Luftballonaufblasen, Stelzenlauf, Pedalo- und Bobbycarrennen. Und auch die Großen sind richtige Fans vom Moderatorenteam. „Wir kommen jedes Jahr wegen dem Ansager, er ist eine richtige Stimmungskanone und hat gute Sprüche drauf“, sagt Ehepaar Dimopoulos aus Bad Cannstatt. Über Verwandte aus Beutelsbach hätten sie vom Kinderfasching erfahren, den sie für „den besten von allen“ halten. „Die Spiele sind ganz toll und es wird ein Preis ausgelost“, weiß die zehnjährige Tochter Aliki, heute in Hippietracht wie die Mama. Ein Jahrzehnt weiter vorne bewegt sich der zwölfjährige Vassili, der als Michael Jackson eine Perücke, Hut und Sonnenbrille trägt – alles in coolem Schwarz. Stilecht ist er auch bewandert in den Posen des Stars – „den Moonwalk kann ich auch“, sagt er und schart bei einer spontanen Kurzvorführung sofort ein paar Zuschauer um sich. Mehr ans Schreiten denn ans Tanzen gewohnt ist die bezaubernde Prinzessinnen-Gruppe, die sich in bodenlangen Kleidern und mit gekröntem Haupt zeigt. Auffallend viele Mädchen tragen türkisfarbene Kleider und eine silberne Krone wie die Eiskönigin Elsa. Deren Zauberkräfte oder zumindest das Kleid findet auch die neunjährige Emelie aus Beutelsbach ganz prima. „Alles“ gefällt ihr an der Prinzessin, sagt sie. „Alles, was glitzert, ist toll, das Buch war ihre Inspiration“, ergänzt die Mama und verschwindet – mit einem Vogelschnabel auf dem Kopf – im Getümmel.

Viele Eltern kommen verkleidet mit orangefarbenen Perücken, pinkfarbenen Latzhosen, Harry-Potter-Hüten, haben sich Sommersprossen auf die Backen gepunktet oder Pippi-Langstrumpf-Zöpfe geflochten. Und gehen mit beim Klassiker, der bei keinem Kinderfasching seit „mindestens 40 Jahren“ fehlen darf: Die Polonaise durch den Saal, der schunkelt und voller ausgelassener Stimmung ist.

25 Kilo Süßigkeiten regneten auf die Kinder

Seit 16 Jahren liegt die Organisation des Kinderfaschings und der Bewirtung in Händen der Musikvereinigung. Die Jahre davor wurde er von der Stadt organisiert, die Musikvereinigung war für die Bewirtung zuständig.

Die aktive Kapelle spielte traditionell den „Ententanz“ und Festlesmusik. Die Musiker sahen anders aus als bei ihren Konzerten, musizierten in Piratentracht und bunten Hippiegewändern, trugen grüne Hüte mit Sonnenblumen und konnten in Sachen Buntheit ganz gut mithalten mit den Guggenmusikern der Großheppacher Bloggoischd’r, die wie die Tanzgarde des Cannstatter Quellenclubs für musikalische Stimmung sorgten.

25 Kilo Bonbons, Gummibären, Kaubonbons, Schokolade, Schokoriegel, Puffreis, Lollis regneten auf die Kinder.