Waiblingen

Kinderhaus Im Sämann in Waiblingen: Ein Tag im Leben des Erziehers Felix Koch

Kindertagesstätte Im Sämann
Felix Koch ist Erzieher und stellvertretender Leiter in der Kindertagesstätte "Im Sämann" in Waiblingen. © Alexandra Palmizi

Teilweise bis zu acht Stunden verbringen unsere Kleinen täglich im Kindergarten. Da fragt sich das ein oder andere Elternteil sicherlich, was die eigenen Sprösslinge den ganzen Tag so treiben. Wir haben Felix Koch (27), Erzieher und stellvertretender Leiter des Kinderhauses Im Sämann in Waiblingen, einen Tag lang begleitet.

Eines vorweg: Langweilig wird es einem in diesem Beruf definitiv nicht. Basteln, Bauklötze bauen oder puzzeln – die Kleinen wollen stets etwas anderes ausprobieren.

Die nötige Gelassenheit, die man für diesen Beruf braucht, hat Felix Koch jedenfalls. Während er mit einem Teil der Kinder am Boden sitzt und Pappbecher zu einem Turm baut, hat er stets ein Auge darauf, was die einzelnen Kinder machen. Es dauert nicht lange und er muss auch schon zwischen zwei Jungs schlichten, die sich um die Pappbecher streiten.

Erzieher als männliche Bezugsperson für Kinder

Ein Erzieher in einer Kindertageseinrichtung? Heutzutage ist das zwar nicht mehr ganz so außergewöhnlich, aber Männer sind in dem Berufsfeld nach wie vor deutlich in der Unterzahl. Dabei sind sie ein Gewinn. „Bei alleinerziehenden Müttern können Erzieher als männliche Bezugsperson für die Kinder fungieren“, sagt Felix Koch und ist stolz, sagen zu können, dass er einer von insgesamt vier Erziehern in der Einrichtung ist. „Da sind wir im Vergleich zu anderen Einrichtungen wahrscheinlich sehr gut aufgestellt.“

Momentan besuchen 144 Kinder die Kindertageseinrichtung Im Sämann: 116 von ihnen im Elementarbereich (ab circa 3 Jahren) und 28 im Kleinkindbereich (1-3 Jahre). Die Einrichtung Im Sämann ist recht groß. Sie erstreckt sich über einen Garten, ein Erdgeschoss und ein erstes Stockwerk und bietet dementsprechend viel Platz zum Austoben. „Die Einrichtung verfügt außerdem über eine eigene Küche, in der täglich warme Mahlzeiten vorbereitet werden“, sagt Felix Koch.

Es ist kurz nach 9 Uhr, als Felix Koch den Kindern signalisiert, dass es Zeit ist, die Spielsachen wegzuräumen und einen Stuhlkreis zu bilden. „Jeden Morgen um 9.15 Uhr setzen wir uns zusammen, begrüßen uns und reden über den Tag“, so Koch. Heute ist ein ganz besonderer Tag für Lewin. Er hat nämlich Geburtstag und wird sechs Jahre alt. Zu seinem Ehrentag darf er auf einem besonderen Stuhl, eine Art Thron, Platz nehmen. Für seine Spielkameradinnen und Spielkameraden hat Lewin etwas Süßes dabei.

Was sich durch Corona geändert hat

Nachdem er dies im Kreis verteilt hat, wird eine „Wunschrakete“ – ein kleines, zylinderförmiges Papier – mit „Wünschen gefüllt“. Dazu steht jedes Kind nacheinander auf und spricht Lewin seine Wünsche für seinen Geburtstag aus. Kymani zum Beispiel wünscht Lewin „ein großes Kreuzfahrtschiff“. Im Anschluss daran wird die Rakete angezündet.

Abgesehen vom Stuhlkreis gibt es das Mittagessen, das Rausgehen und die Ruhephase als gemeinsames Ritual. Ansonsten steht es den Kindern frei, zu entscheiden, was sie tun möchten. Beim Kinderhaus Im Sämann wird nämlich ein „offenes Konzept“ angewandt, das heißt es gibt keine festen Gruppen. Stattdessen können die Kinder in verschiedenen Räumen, wie z. B. dem „Atelier“, dem „Literacy“-Raum (zu Deutsch: Alphabetisierung) und dem „Bauen“-Raum hin und her wandern und selbstständig entscheiden, worauf sie Lust haben.

„Das hat sich mit Corona etwas geändert“, erklärt Felix Koch. Wegen der Pandemie sind die Kinder momentan doch in festen Gruppen. Es gibt fünf Gruppen im Elementarbereich und zwei im Kleinkindbereich. An die Umstellung haben sich die Kleinen recht schnell gewöhnt und wissen auch, dass sie nicht ohne weiteres den eigenen Raum verlassen dürfen. Später erklärt Erzieherin Sibel, dass maximal zwei Gruppen einen festen Kooperationspartner bilden und z. B. einen Gartenbereich gemeinsam nutzen können.

"Kein Tag ist wie der andere"

Und wie gefällt Felix Koch als Mann der Beruf des Erziehers? „Die Arbeit mit den Kindern macht mir Spaß. Es wird nie langweilig, denn kein Tag ist wie der andere“, sagt der 27-Jährige. Nach dem Realschulabschluss begann Koch eine Ausbildung bei der Stadt Waiblingen, die er 2015 erfolgreich abschloss. Für den gebürtigen Waiblinger stand von Anfang an fest, dass er bei der Stadt Waiblingen arbeiten möchte. Mittlerweile absolviert er parallel zur Arbeit ein Studium im Fachbereich „Bildung und Sozialmanagement“ und strebt für die Zukunft eine Leitungsposition an.

Darüber, dass die Eltern ihn als Erzieher akzeptieren, ist Felix Koch sehr froh. Er selbst habe bislang keine Probleme mit Vorbehalten gehabt. Und für die Kleinen macht es keinen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau sie betreut, solange sie sich mit Dingen beschäftigen dürfen, die ihnen Spaß machen.

„Zurzeit ist das Thema Feuerwehr und Polizei bei den Kindern angesagt“, so Felix Koch. Deswegen basteln die Kinder an einem Pappfeuerwehrauto.  

Erzieherinnen und Erzieher verdienen mehr Anerkennung

Das Schöne an der Arbeit mit Kindern ist, dass sie keine Berührungsängste kennen. Das bekomme ich bereits nach kurzer Zeit zu spüren. Hatten die Kinder mich zu Beginn noch neugierig beäugt, werde ich schon nach kurzer Zeit direkt angesprochen. Zoey und Marlon wollen ein 100-teiliges Puzzle zusammensetzen: „Das ist ganz schön schwer, kannst du uns helfen?“

Etwas später, als die Kinder im Garten spielen, bittet Santiago mich um Hilfe. Er möchte gerne Dreirad fahren, aber alle verfügbaren Dreiräder sind besetzt. Und weil Ben schon eine ganze Weile seine Runden hin und her düst, soll ich ihn fragen, ob er nicht mal aussetzen möchte.

Am Ende des Tages zeigt sich, dass für die Kleinen Felix Koch und seine Kolleginnen und Kollegen Spielkamerad, Streitschlichter, Vertrauensperson und Lernbegleiter zugleich sind. Sie leisten eine wichtige Arbeit bei der Entwicklung der Kinder. Vielleicht wäre es an der Zeit, ihnen mehr Anerkennung entgegenzubringen – insbesondere auch in finanzieller Hinsicht.

Teilweise bis zu acht Stunden verbringen unsere Kleinen täglich im Kindergarten. Da fragt sich das ein oder andere Elternteil sicherlich, was die eigenen Sprösslinge den ganzen Tag so treiben. Wir haben Felix Koch (27), Erzieher und stellvertretender Leiter des Kinderhauses Im Sämann in Waiblingen, einen Tag lang begleitet.

Eines vorweg: Langweilig wird es einem in diesem Beruf definitiv nicht. Basteln, Bauklötze bauen oder puzzeln – die Kleinen wollen stets etwas anderes

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