Waiblingen

Kontrolle verloren, Menschen verletzt

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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf
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Schwerer Unfall auf der K 1909: Fünf Personen werden verletzt. © Ramona Adolf

Waiblingen. Der erste Tag mit Führerschein ist für einen 18-Jährigen übel ausgegangen: Fünf Menschen – sich selbst am schlimmsten – verletzte er, weil er sein Können auf der Landesstraße zwischen Hohenacker und Bittenfeld maßlos überschätzte, auf die Gegenspur geriet und in einen Lkw krachte. Das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung wurde dennoch eingestellt.

Wie schnell er denn unterwegs gewesen sei, als er die Kontrolle über seinen Ford Fiesta verlor, will Richterin Bayer vom Angeklagten wissen. „Als ich das letzte Mal auf den Tacho geschaut habe, war ich bei 90 Km/h“, antwortet der junge Mann. Auf der Strecke zwischen Hohenacker und Bittenfeld sind 100 Kilometer pro Stunde erlaubt. Ob sie angemessen sind, auf der kurvenreichen, abfallenden Landesstraße, sei dahingestellt. Doch die Diskussion darüber ist ohnehin müßig, zumindest was den spektakulären Unfall angeht, der sich hier am 26. Januar ereignete – nur wenige Stunden, nachdem der Verursacher seinen Führerschein beim Landratsamt abgeholt hatte.

Denn der 18 Jahre alte Waiblinger war laut Berechnungen des zuständigen Polizeikommissars mit mindestens 135 bis 140 Sachen unterwegs, bevor er in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn geriet und seitlich von vorn in einen Lkw krachte. Der Tacho des schwer demolierten Kleinwagens war bei 130 stehengeblieben. Der Motor lag einige Meter entfernt auf der Straße. Im Straßengraben steckte, nur knapp neben einem Baum, der 7,5-Tonner eines Landschaftsgärtners fest.

Den Unfall hatte der 49-jährige Lasterfahrer schon vorausgesehen: „Heb’ di’, der kommt“, habe er bereits Sekunden vor dem Zusammenstoß gewarnt, sagt sein 24-jährige Beifahrer am Amtsgericht aus. Dass der entgegenkommende Fordfahrer seinen Wagen nicht mehr unter Kontrolle hatte, haben die beiden schon aus einiger Entfernung bemerkt. Der Fahrer des Lastwagens versuchte noch auszuweichen, musste aber schließlich mit einer Platzwunde am Kopf, Prellungen und Schürfwunden ins Krankenhaus. Sechs Wochen war der 49-Jährige krankgeschrieben, sein 24 Jahre alter Kollege konnte zwei Wochen lang nicht arbeiten. Der Beifahrer des jungen Rasers (18) und ein weiterer Mitfahrer (16), der auf der Rückbank des Fords saß, hatten Glück im Unglück: Sie erlitten nur leichte Verletzungen. Ob er noch einmal beim Angeklagten mitfahren würde, fragt die Staatsanwältin den Jüngeren – „eher nicht“.

Dass der Unfallverursacher das Schicksal nie wieder so herausfordern wird, wie an jenem Mittwochnachmittag im Januar, bleibt zu hoffen. Schließlich laboriert der Mechatroniker-Azubi noch immer an den körperlichen Folgen des Unfalls: Sein linker Mittelhandknochen wurde beim Aufprall zertrümmert, eine lange Narbe zeugt von der Metallplatte, die seine Hand zusammenhält. In Kürze kommt er wieder unters Messer. Zwei Operationen werden nötig sein, um den Knorpelschaden im Knie zu beheben. Womöglich wird der 18-Jährige im ersten Lehrjahr mehrere Wochen lang nicht arbeiten können. Ganz abgesehen davon, dass die Freude über den zusammengesparten Gebrauchtwagen nur einen halben Tag lang währte, bis wenige Stunden, nachdem der 18-Jährige seinen Führerschein abgeholt hatte. Der Ford Fiesta sah nach dem Zusammenstoß so übel aus, dass es einen wundern könnte, wie der junge Fahrer das Wrack überhaupt lebend verlassen hat.

Hinzu kommt das schlechte Gewissen, dass den Unfallfahrer plagte. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr sind ihm seine Mitmenschen sicher nicht egal. Bei allen Beteiligten hat er sich entschuldigt, den 49-Jährigen Lkw-Fahrer zum Beispiel noch im Krankenhaus angerufen. Noch nie ist er bei der Polizei negativ aufgefallen, mag seinen Job, hilft in der Freizeit auf einem Bauernhof aus – er hatte, bis zu diesem einen Moment, alles im Griff.

„Wir brauchen kein Urteil“

Deshalb kommt er zumindest vor Gericht mit einem blauen Auge davon. Es gilt Jugendstrafrecht. Richterin Bayer sagt: „Ich glaube, wir brauchen kein Urteil.“ Die Staatsanwältin sagt: „Ich kämpfe mit mir“, stimmt dann aber zu. Gegen 400 Euro an die Verkehrswacht und zehn Sozialstunden wird das Verfahren eingestellt.

Führerschein weg?

Das Verfahren am Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den 18-Jährigen wurde zwar eingestellt, Konsequenzen drohen ihm allerdings weiter von der Führerscheinstelle. Er hat während seiner Probezeit einen schweren Unfall verschuldet. Es wäre daher keine Überraschung, müsste er zum Beispiel seinen Führerschein abgeben und an einer Nachschulung teilnehmen.

Das Urteil des Amtsgerichts wird der zuständigen Behörde beim Landratsamt gemeldet – es fließt laut Richterin Bayer in die Beurteilung ein.