Waiblingen

Kopf voraus gerutscht: Schwer verletzt

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Auf dieser Rutsche ist der folgenschwere Unfall am Donnerstagnachmittag passiert. © Layher

Backnang/Waiblingen. Die Freibadsaison endet mit einem Unglück: Ein 39-jähriger Familienvater hat sich bei einem Badeunfall im Backnanger Wonnemar schwere Kopfverletzungen zugezogen. Der Familienvater war mit dem Kopf voran – was strikt verboten ist – eine sieben Meter lange Rutsche hinuntergerutscht. Er schlug mit dem Kopf auf den Beckenboden. Ein Rettungshubschrauber brachte ihn ins Krankenhaus.

Der Mann hatte den Donnerstagnachmittag mit seiner Familie im Freibad in der Martin-Dietrich-Allee verbracht. Das Unglück geschah gegen 16.15 Uhr. Der Mann begab sich auf die sieben Meter lange und drei Meter breite, wellenförmige Rutsche. Er ignorierte die Warnschilder und rutschte mit dem Kopf voran. Der Tüv verbietet das an Rutschen wie der Backnanger ausdrücklich, eben weil in solchen Fällen Verletzungsgefahr besteht.

Am Tag danach ist bei verschiedenen Ansprechpartnern deutlich die Sorge zu spüren, die Presse werde nun den Fall hochspielen und Vorwürfe erheben.

„Es handelt sich um eine falsche Benutzung“

Hannes Östreich, Pressesprecher der Stadt Backnang, betont ein ums andere Mal: „Es handelt sich um eine falsche Benutzung.“ Die Rutsche sei ordnungsgemäß vom Tüv abgenommen worden, und zwar jedes Jahr aufs Neue, so wie das bei Freibadrutschen vorgeschrieben ist. An der Anlage sei alles in Ordnung. „Sehr markant“ sei – ebenfalls vorschriftsgemäß – an der Rutsche auf Schildern darauf hingewiesen, welche Rutschpositionen erlaubt sind. Kopf voran auf keinen Fall.

Der Tüv entscheidet bei jeder Rutsche im Einzelfall, auf welche Art und Weise Badegäste darauf rutschen dürfen. Ziel jeder Regel sei, das Risiko „auf ein Minimum zu reduzieren“, wie Thomas Oberst, Pressesprecher beim Tüv Süd, sagt. Je nach Länge und Neigungswinkel der Rutsche wird errechnet, wie groß zum Beispiel die Auslaufzone sein muss. Gefährliche Rutschen versieht der Tüv mit Alters- und Größenbeschränkungen. Auch die Wassertiefe im Becken, in welchem die Rutsche endet, wird festgelegt. Wer mit den Füßen voran rutscht wie vorgeschrieben, wird im Becken nicht mit dem Beckenboden in Berührung kommen. Doch beim Rutschen mit dem Kopf voraus kann genau das passieren, wie der Backnanger Fall zeigt.

Umstehende hielten sich jedoch mit Fotografieren zurück

Wasserrutschen gelten als Sportgeräte, erläutert Thomas Oberst. Ein Verletzungsrisiko lasse sich nicht ganz ausschalten – aber minimieren. Nicht umsonst ergeht regelmäßig der Appell an die Badegäste, insbesondere an Eltern, sich an die Regeln zu halten. Thomas Oberst sieht zudem die Betreiber der Bäder in der Pflicht, „sich darum zu kümmern, dass die Regeln eingehalten werden.“

Lars Nielsen, Center-Manager im Wonnemar, hält sich sehr bedeckt. Auch er verweist darauf, dass sowohl Rutsche als auch Beschilderung „Tüv-konform“ seien. Deshalb sieht Nielsen im Moment auch keinen Bedarf, an der Beschilderung etwas zu ändern.

Als ein Rettungshubschrauber am Donnerstagnachmittag den schwer verletzten Badegast abholte, sorgte das natürlich für Aufsehen im Bad. Umstehende hielten sich jedoch mit Fotografieren zurück, sagt Lars Nielsen. Das ist fast schon ungewöhnlich; bei Unfällen kommt es oft vor, dass Menschen ungeniert mit dem Handy fotografieren oder filmen.

„Es wird versucht, das zu unterbinden“

Lars Nielsen und die Polizei konnten am Freitagnachmittag noch nicht sagen, wie es dem 39-Jährigen aktuell geht. Lebensgefahr bestand nach dem Unfall wohl nicht.

Der Leiter der Bäderbetriebe Waiblingen, René Schmidt, verweist für den Fall eines Unfalls darauf, dass das Personal in den Bädern in Erster Hilfe geschult ist. Wasserrutschen bergen generell Risiken, vor allem dann, wenn an heißen Tagen viel los ist im Bad. Immer wieder rutscht jemand anders als erlaubt – „Es wird versucht, das zu unterbinden.“

Gefährlich

Drei Jahre ist es her, als ein damals 17-Jähriger sich in Haar bei München einen Halswirbel brach, weil er mit dem Kopf voraus gerutscht war.

Immer wieder kommt es in Wasserrutschen zu Unfällen, weil Badegäste die Abstände nicht einhalten, nicht lang genug abwarten und dann auf ihren Vorgänger auf der Rutsche ungebremst aufprallen.