Waiblingen

Kosmetikfirma boomt wegen Corona

Lenhart
Gut gegen trockene Hände: Melkfett. © Benjamin Büttner

Neben Abstandhalten heißt das Gebot der Stunde vor allem: Händewaschen. Mit Wasser und – mit Seife. Zeitweise waren während des Lockdowns die Regale in den Märkten leer gefegt, weil sich Hamsterkäufer mit Seife eindeckten, als gäbe es bald keine mehr. Dafür, dass trotzdem Nachschub kam, sorgte maßgeblich eine mittelständische Kosmetik-Fabrik in Neustadt, welche die namhaften Supermarkt- und Drogerieketten beliefert.

Die Nachfrage ist förmlich explodiert

Mango, Kokos, Limette. Herrlich frisch und fruchtig duftet es im Keller, wo die Seifen, Duschbäder und Cremes in großen Kesseln gemischt werden. Milch und Honig fließen hier ineinander und werden eine Etage höher zu einer von 24 Abfüllanlagen gepumpt. Röhren und Laufbänder durchziehen die Produktionshallen, weiße und durchsichtige Flaschen wandern von einer Maschine zur nächsten. Die eine klebt die Etiketten einer bekannten Marke auf, und an der nächsten Station werden sie transportfertig in Kartons verpackt. Seit die Corona-Epidemie Deutschland erreicht hat, ist bei Kosmetik Lenhart die Nachfrage nach Seifen und Cremes für die Handhygiene förmlich explodiert. Binnen kürzester Zeit hat der Betrieb seine Produktion um ein Vielfaches gesteigert. Theoretisch hätte er auch Abnehmer für weit mehr finden können, sagt Axel Lenhart, Geschäftsführer des Familienbetriebs, der seit 1968 besteht.

Ein Beitrag im Kampf gegen die Pandemie

Dabei setzte das Unternehmen praktisch alle Hebel in Gang. Das Sortiment ist breit aufgestellt, eine Vielzahl von Körperpflegeprodukten „von Kopf bis Fuß“ werden in der Seifenfirma hergestellt. Jetzt aber wurden Maschinen umgebaut, um noch mehr für den Schwerpunkt Handhygiene zu produzieren. Zusätzliche Schichten wurden eingeführt, auch samstags und sonntags. Von Zeitarbeitsfirmen kamen neue Mitarbeiter, parallel stellte Lenhart Kosmetik seit März etwa 20 neue eigene Mitarbeiter ein. Mit aktuell 180 Mitarbeitern ist das Ende der Fahnenstange nicht erreicht. Von Krise ist hier nichts zu spüren, im Gegenteil. Während Tourismus und Gaststätten schwer leiden, steht die Hygiene-Branche auf der Gewinnerseite. Ein schlechtes Gewissen muss man deshalb nicht haben. „Wir leisten ja auch einen Beitrag, etwas zu bekämpfen“, sagt Axel Lenhart. „Dass dieser Beitrag möglich ist, verdanken wir auch zum großen Teil dem Engagement unserer Mitarbeiter.“

Hygiene wird auch bei der Produktion selbst großgeschrieben. Wer den Weißbereich betritt, zieht Schutzoverall und Maske über. Dann geht’s an eine Art Automaten für Plastik-Schuhüberzieher, die sich um das Schuhwerk legen, wenn man nur die Füße rasch genug nach hinten zieht. So bleibt der Handkontakt überflüssig. Schließlich fließt dem Besucher eine Prise Desinfektionsmittel über die Finger, sobald er sie unter einen Spender hält. „Wir erfüllen bei der IFS-HPC-Zertifizierung die Stufe Higher Level“, erklärt Prokuristin Gudrun Schwarz. IFS (International Featured Standards) ist ein Standard für Lebensmittel- und Produktsicherheit.

„Private Labels“ exklusiv für bestimmte Ketten

Seit die Firmengründer Rudolf und Ruth Lenhart, ursprünglich im Vertrieb für Haushalts-Reinigungsartikel tätig, ihr Erspartes investierten, um sich selbstständig zu machen, und die ersten Rezepturen für Seifen und Putzmittel in ihrer heimischen Küche entwickelten, hat sich das Unternehmen zum Global Player vergrößert, verfügt über eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit Chemikern und Verfahrenstechnikern und schafft ein Produktionsvolumen von 50 000 Tonnen im Jahr.

Der größte Teil der Produkte wird als sogenannte „Private Labels“ vertrieben, das heißt, als exklusive Handelsmarken für namhafte Kunden. Daneben gibt es unter dem Namen „Alpifresh“, der Eigenmarke aus dem Hause Lenhart, Handcremes, Shampoos und Vaseline: „Wir gehören zu den größten Vaseline-Herstellern in Deutschland.“

Als Zukunftsthema unter dem Stichwort Nachhaltigkeit arbeitet das Neustädter Unternehmen daran, Plastikmüll zu reduzieren. Extraleichte Großpackungen und Nachfüllpackungen sollen künftig dabei helfen, die Umwelt besser zu schützen.

Neben Abstandhalten heißt das Gebot der Stunde vor allem: Händewaschen. Mit Wasser und – mit Seife. Zeitweise waren während des Lockdowns die Regale in den Märkten leer gefegt, weil sich Hamsterkäufer mit Seife eindeckten, als gäbe es bald keine mehr. Dafür, dass trotzdem Nachschub kam, sorgte maßgeblich eine mittelständische Kosmetik-Fabrik in Neustadt, welche die namhaften Supermarkt- und Drogerieketten beliefert.

Die Nachfrage ist förmlich explodiert

Mango, Kokos, Limette.

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