Waiblingen

Krötenwanderung in Waiblingen: Die "Kröti-AG" der Friedensschule Neustadt hilft mit Zäunen und Eimern

Krötenwanderung
Der „Krötenzaun“ an der Alten Kelter in Neustadt. © ZVW/Palmizi

Pia Jungbauer leitet gemeinsam mit Robert Merkle eine Arbeitsgemeinschaft zum Schutz von Amphibien an der Friedensschule in Neustadt. Mit den Schülern der„Kröti-AG“ ziehen sie jedes Frühjahr los und begleiten Kröten, Molche und Co. bei ihrer Wanderung. Diese führt an der Alten Kelter über die Straße hinüber in ein dort gelegenes Biotop. Pia Jungbauer leitet die AG schon seit vielen Jahren, obwohl ihre Kinder, durch die sie zu der Tätigkeit kam, schon lange nicht mehr an der Friedensschule sind.

In jedem Frühjahr, wenn die Temperaturen auf sieben oder acht Grad steigen, machen sich Kröten auf den Weg zu ihren Laichplätzen. Die Tiere kehren zurück zu dem Gewässer, in dem sie selbst einst geschlüpft sind. Für viele Erdkröten in der Region ist dieses Gewässer das Regenrückhaltebecken an der Alten Kelter in Neustadt. Das künstlich angelegte Becken hat sich im Laufe der Zeit zu einem Biotop entwickelt. Neben den Amphibien sind hier auch Enten und andere Tiere zu Hause. Die Kröten wandern von den Weinbergen, in denen sie das restliche Jahr über leben, über die Straße zu ihrem Laichplatz. Doch auf diesem Weg lauert für sie eine Gefahr, die von uns Menschen ausgeht: Viele Tiere werden auf ihrer Reise von Autos überfahren. Hier kommen die Helfer der „Kröti-AG“ ins Spiel.

Mit Warnweste und Taschenlampe unterwegs zum Krötensammeln

Wann der Einsatz der Helfer beginnt, entscheiden die Kröten: Ziehen diese los, müssen auch die Menschen zur Alten Kelter eilen.

In den Abendstunden machen sich die Schüler der „Kröti-AG“ mit Warnwesten, Eimern und Taschenlampen ausgestattet auf den Weg. Dabei werden sie von ihren Eltern begleitet. Die Kinder sammeln die Kröten ein, setzen sie in ihre Eimer, zählen sie und entlassen sie auf der anderen, sicheren Straßenseite wieder in die Freiheit. Neben den Kröten finden die Kinder bei der Aktion auch Molche und ab und zu einen Salamander.

Unter der Woche sind aufgrund der späten Uhrzeit hauptsächlich die Siebt- und Achtklässler der Friedensschule unterwegs. Am Wochenende laufen dann auch mal Kindergartenkinder mit ihren Eltern mit. In den ersten Tagen der Wanderung, wenn noch wenige Tiere unterwegs sind, entsteht dann auch schon mal ein kleiner Wettbewerb, erzählt Pia Jungbauer: „Wer findet mehr Tiere, und wessen Eimer ist voller?“

Neben dem Abenteuereffekt, den die Rettungsaktion mit Taschenlampe und Warnweste hat, lernen die Kinder auch etwas über die wichtigen Tiere: „Amphibien sind Nützlinge“, sagt Pia Jungbauer. „Sie fressen Ungeziefer und dienen anderen Tieren als Nahrungsquelle.“

Aufgrund der Corona-Pandemie läuft die Aktion nun schon das zweite Jahr in Folge anders ab als gewohnt: Die AG kann nicht gemeinsam losziehen, sondern jeder sammelt für sich allein. Ihre Sammelergebnisse tragen die Kinder dann auf einem Zettel ein und werfen diesen in den Froschbriefkasten an der Alten Kelter. Die ersten Tiere waren in diesem Jahr auch schon unterwegs: Am vergangenen Freitag konnten die Helfer 54 Kröten, acht Molche und eine Tigernacktschnecke auflesen.

Auch der Schutzzaun für die Kröten wurde unter Beachtung der Abstandsregeln von nur wenigen Schülern der siebten und achten Klassen gemeinsam mit Robert Merkle aufgestellt. Der 30 Zentimeter hohe Zaun dient als eine Art Leitplanke und soll verhindern, dass die Kröten in den Straßengraben fallen, aus dem sie alleine nicht mehr herauskämen.

Amphibien sind stark bedroht: Appell an jeden Einzelnen

Die Aktion ist jedoch nicht nur den Schülern der Friedensschule vorbehalten: Jeder, der Lust hat, kann mitlaufen und den Kröten über die Straße helfen.

Die Tiere lassen sich aber auch noch anders schützen: „Einfach außenrum fahren“, schlägt Pia Jungbauer vor. Wer in den vier beziehungsweise fünf Wochen der Krötenwanderung die betroffenen Strecken mit dem Auto meidet oder jedenfalls vorsichtig fährt, hilft den Amphibien – und tut damit auch den Kindern einen großen Gefallen. Die Ortschaftsverwaltung in Neustadt ist in dieser Hinsicht kooperativ und unterstützt das Projekt, sagt Pia Jungbauer. Sie sperrt die betroffenen Straßen durch Schilder ab und stellt blinkende Warntafeln auf. Dennoch fahren laut Robert Merkle immer wieder Autos durch das Krötengebiet. Am Freitagabend seien es drei Fahrer gewesen.

Auch mit mehr Achtsamkeit für die Umwelt kann jeder Einzelne das Projekt unterstützen. Weggeworfenes Plastik und leere Flaschen verschmutzen Gewässer und damit den Lebensraum der Kröten. „Für so etwas gibt es doch Mülleimer“, appelliert Pia Jungbauer.

Die Lage für die Amphibien ist auch im Südwesten ernst: Laut der Roten Liste des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) sind in Baden-Württemberg von 21 aufgeführten Amphibienarten sieben Arten stark gefährdet und eine, der Moorfrosch, sogar vom Aussterben bedroht.

Pia Jungbauer leitet gemeinsam mit Robert Merkle eine Arbeitsgemeinschaft zum Schutz von Amphibien an der Friedensschule in Neustadt. Mit den Schülern der„Kröti-AG“ ziehen sie jedes Frühjahr los und begleiten Kröten, Molche und Co. bei ihrer Wanderung. Diese führt an der Alten Kelter über die Straße hinüber in ein dort gelegenes Biotop. Pia Jungbauer leitet die AG schon seit vielen Jahren, obwohl ihre Kinder, durch die sie zu der Tätigkeit kam, schon lange nicht mehr an der Friedensschule

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