Waiblingen

Kreissparkasse: Hervorragende Bilanz für 2017

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So sehen zufriedene Menschen aus (von links): KSK-Pressesprecher Axel Kröninger goutiert mit Wohlgefallen, wie entspannt Vorstandsmitglied Lothar Kümmerle im hochpräsentablen Bilanzzahlen-Werk blättert, die Vorstandsvorsitzende Ines Dietze freut sich, dass sie auch auf die härtesten Fragen des ZVW-Zeitungspraktikanten eine Antwort weiß, Vorstandskollege Ralph Walter schmunzelt. © Büttner / ZVW

Waiblingen. Ein Jahr nach dem jähen Abgang von Vorstandschef Bernd Fickler darf die Kreissparkasse Waiblingen mit vollem Recht wieder positive Zeitungsschlagzeilen beanspruchen: Die bei der Bilanzpressekonferenz vorgelegten Geschäftszahlen für 2017 sind hervorragend.

Klassische Formulierung bei der Jahreskonferenz der Firma Stihl: Die Entwicklung sei „zufriedenstellend“. Gut, besser, zufriedenstellend: Das ist die schwäbische Form der Superlativ-Bildung, ein gewisser Unterschwang bei der Verkündung von Rekorden gehört zum üblichen Geschäftsgebaren in unserem Landstrich. Ganz in dieser Tradition steht Lothar Kümmerle, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Waiblingen – anlässlich der 2017er-Bilanz erklärt er: „Im Gesamtkonzert der 51 baden-württembergischen Sparkassen brauchen wir uns nicht zu verstecken.“

Ein "sehr gutes Jahr"

Aha. Und das heißt was genau, Herr Kümmerle? „In der Vergleichgruppe der größten 18 belegen wir Platz 2“ und spielen damit „in der Champions-League“. Reden wir also nicht länger drum herum: Niedrigzinsphase hin, steigende Regulatorik-Anforderungen her, die Kreissparkasse hatte ein „sehr gutes Jahr“, sagt die Vorstandsvorsitzende Ines Dietze.

Eigenkapital im Jahr 2017 wohl um rund 50 Millionen Euro erhöht

Ein paar Zahlen: Geschäftsvolumen 8,3 Milliarden Euro – plus 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr; Bilanzsumme 8,2 Milliarden – plus 6,2 Prozent; Kunden-Kreditvolumen 6,1 Milliarden – plus 5,5 Prozent; Kundeneinlagen 6 Milliarden – plus 4,8 Prozent. Man könnte ewig so weitermachen. Wertpapiergeschäft: „gutes Umsatzplus“ von 574 auf 778 Millionen Euro; Bausparvolumen; plus 18 Prozent. Bei den Ausleihungen an Firmenkunden ist gegenüber dem Vorjahr gar ein Wachstum von 253 Millionen Euro zu verzeichnen – ein „gigantischer Wert“, räumt Vorstandsmitglied Ralph Walter, der offenbar weiß, dass Tiefstapelei an dieser Stelle nun wirklich gar zu ulkig klänge, vergleichsweise unschwäbisch ein. Bei den Ausleihungen im Privatkundenbereich hingegen blieb die Entwicklung etwas hinter den Planungen zurück, „geb ich zu“, sagt Ines Dietze; nun ja, 112 Millionen mehr als im Vorjahr sind „nichtsdestotrotz ein gutes Plus“.

Und das Betriebsergebnis? Was bleibt unterm Strich übrig? 88 Millionen Euro. Das heißt: Nach Abzug der Steuern wird die Kreissparkasse ihr Eigenkapital allein im Jahr 2017 um rund 50 Millionen Euro erhöht haben. Diese Kennziffer ist wichtig, denn erinnern wir uns: Unzureichendes Eigenkapital mancher Banken war einer der Hauptgründe für die Finanzkrise – da kapitalschwache Finanzinstitute ihre Verluste nicht selbst auffangen konnten, musste der Staat sie retten.

Die härteste Frage des Tages stellt der Praktikant

Klingt alles so überzeugend, dass Berufsjournalisten in ihrer Betriebsblindheit gar nicht mehr auf die Idee kämen, weiter nachzuhaken. Wie gut, dass ZVW-Zeitungspraktikant Elefterios Dimitriadis, 13 Jahre alt, mit am Tisch sitzt – entschlossen ergreift er das Wort: Frau Dietze, „was machen Sie, wenn Sie pleite gehen?“

Die Chefin schaut eine knappe halbe Sekunde lang irritiert; dann antwortet sie in einem staatstragenden Tonfall, der vollumfänglich der Donnerwucht dieser Frage gerecht wird, und mit einem lediglich haarfein angedeuteten Schmunzeln: „Das wird nicht passieren.“

Bernd Ficklers Abgang sorgte für Aufwühlung

Alles gut? Moment: Da war doch noch was. ermittelt gegen ihn immer noch wegen des Verdachts auf Untreue.

„Natürlich berührt uns das, wenn wir mit solchen Themen in der Presse sind“, blickt Ines Dietze zurück, „natürlich bewegt es die Mitarbeiter“, natürlich herrschte Unruhe im Haus, natürlich sprachen Kunden die Belegschaft darauf an.

Neuwahlen beim Personalrat

Aber gut ein Jahr nach dem Kladderadatsch lautet die Bilanz: Dietze, Kümmerle und Walter machten zu dritt weiter, die Frau im Bunde rückte an die Spitze, die Umstrukturierung im Führungsteam „ging geräuschlos ab mit hoher Konzentration“, sagt Dietze, und der von Zwistigkeiten zerrüttete Personalrat „hat sich selbst Neuwahlen verordnet und zu einem Neuanfang bekannt“.

Dietze: "Wir haben uns zusammengefunden"

Kurzum: „Im Haus hat sich alles zurechtgeruckelt in einer guten Geschwindigkeit.“ In diesem Zusammenhang ist der Ort der Jahrespressekonferenz durchaus symbolträchtig: Es handelt sich um jenen fast rundumverglasten Raum mit Traumaussicht auf Waiblingen, der einst ein Besprechungszimmer war, dann zu Ficklers repräsentativem Chefbüro wurde und nun wieder Gruppenmeetings beherbergt.

Ja, es ist wahr, „wir haben ein bewegtes Jahr hinter uns, das darf ich so aussprechen“ – aber, sagt Ines Dietze: „Wir haben uns zusammengefunden.“

So sei es nun mal „in schwierigen Zeiten“, ergänzt Lothar Kümmerle: Entweder „man dividiert sich auseinander, oder es schweißt zusammen. Ich glaube, uns hat es zusammengeschweißt.“


Belegschaft stabil, Digitalisierung geht weiter

Fast 50 Prozent der KSK-Kunden machen mittlerweile Online-Banking, sie tätigen pro Monat 210 000 Einzelüberweisungen. Beim Kunden-Service-Center, das telefonische Beratungen macht, gehen pro Tag 1500 und mehr Anrufe ein. Und auch Video-Chats „nutzt der Kunde immer stärker“, sagt die Vorstandsvorsitzende Ines Dietze.

Da drängen sich Fragen auf: Wird es mittelfristig zu Filialschließungen kommen? Droht der Verlust von Arbeitsplätzen? Gemach. 81 Filialen hat die Kreissparkasse Waiblingen, 20 davon gelten als „Kleinstfilialen“ mit zwei oder nur einem Mitarbeiter. Klar behalte man das im Auge, sagt Dietze, aber nichts sei „spruchreif“, und gegebenenfalls würden Mitarbeiter dann eben in größeren Filialen gebraucht.

2017 jedenfalls gab es keinen Stellenabbau, im Gegenteil: 1367 Beschäftigte, das sind neun mehr als 2016.

Derzeit absolvieren 122 junge Menschen eine Ausbildung bei der Kreissparkasse, das ergibt eine Ausbildungsquote von 11,4 Prozent. „Darauf sind wir ein bisschen stolz“, sagt die Chefin, „das ist in der Branche nicht Usus.“