Waiblingen

Kreissparkasse: Solide Bilanz trotz Spesenaffäre

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Der dreiköpfige Vorstand der Kreissparkasse Waiblingen vor dem Turm der Sparkasse, der derzeit für 8,5 Millionen Euro grundlegend saniert wird (von links nach rechts: Ralph Walter, Ines Dietze und Interimsvorsitzender Lothar Kümmerle). © Habermann / ZVW

Waiblingen. „Business as usual“ ist bei der Kreissparkasse Waiblingen angesagt. Am Mittwoch hat wie üblich Anfang Februar das jährliche Pressegespräch zum Geschäftsjahr 2016 stattgefunden. Nach dem überraschenden Abschied des Vorstandsvorsitzenden Bernd Fickler präsentierte Lothar Kümmerle als Interimsvorsitzender die soliden 2016er-Zahlen der Sparkasse.

Die drei Vorstandsmitglieder, neben Lothar Kümmerle Ines Dietze und Ralph Walter, enthielten sich jeglicher Wertung und Urteile zur Spesenaffäre ihres ehemaligen Vorstandskollegen. Kümmerle ließ sich lediglich die Bemerkung entlocken, dass das Ausscheiden von Bernd Fickler und die schnelle Entscheidung des Verwaltungsrates auch für die Vorstandsmitglieder überraschend gekommen sei. „Wir halten uns an die Spielregeln“, betonte Kümmerle, dass sich die Vorstände zu den Vorkommnissen nicht äußern werden. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.“

"Gravierende Gründe" für die Trennung von Fickler

Wie berichtet, haben sich Bernd Fickler und die Kreissparkasse Ende Januar nach fünfjähriger Zusammenarbeit einvernehmlich getrennt. Hierfür gab es jedoch „gravierende Gründe“, wie ein Sprecher des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg die Umstände des jähen Abgangs umschrieben hat. Die Rede ist von hohen Spesenabrechnungen und Selbstbedienungsmentalität. Der einstimmigen Entscheidung des Verwaltungsrates war eine monatelange Sonderprüfung der Sparkassenaufsicht vorausgegangen, die von Dr. Richard Sigel veranlasst worden war. Sigel ist als Landrat auch Vorsitzender des Verwaltungsrates. Die Frage, wer die monierten Spesenabrechnungen abgezeichnet habe, beantwortete sein Nachfolger Kümmerle immerhin indirekt. Spesen gehörten nicht zu den Aufgaben des Verwaltungsrates.

Nachfolge ist noch unklar

Unklar ist die Nachfolge an der Spitze des Vorstandes. Kümmerle ist laut Landratsamt Rems-Murr übergangsweise Vorsitzender. Ob der Vorstand dreiköpfig bleibt oder wieder auf vier Vorstände erweitert wird, darüber werde der Verwaltungsrat zu gegebener Zeit beraten und entscheiden. Vorstellbar seien beide Varianten.

Im Vergleich zu den Spekulationen und Gerüchten in der Spesenaffäre sind die Zahlen der Kreissparkasse vergleichsweise langweilig – oder wie die Sparkasse das Jahr 2016 bewertete: „Anspruchsvolles, aber solides Jahr“. Das Ergebnis sei zufriedenstellend gewesen, selbst wenn nicht alle Ziele erreicht worden seien, so Kümmerle.

Niedrigzinsphase schlägt sich stärker in der Bilanz nieder

Sorgen macht ihm weniger der Blick nach hinten. Die Aussichten sind beängstigend. Denn aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase und der steigenden Regulatorik im Finanzbereich werden die Erträge Jahr für Jahr zurückgehen. Der Zinsüberschuss geht von 160 Millionen Euro (2015) bis zum Jahr 2012 auf rund 120 Millionen Euro zurück. Beim Zinsüberschuss handelt es sich schlicht um den Betrag, den die Sparkassen im klassischen Bankgeschäft verdienen, nämlich der Unterschied zwischen den Erlösen, die sie mit verliehenem Geld einnehmen, und dem Geld, das für bei ihr angelegte Ersparnisse ausgegeben werden muss. Derzeit profitiert die Sparkasse noch von den hohen Zinsen früherer Darlehen. Doch die werden immer weniger. Der Überschuss schmilzt dahin.

Privatkundengeschäft bleibt hinter den Erwartungen zurück

Um die Ertragslücke zu schließen, setzt die Sparkasse an vier Punkten an: Vertriebsstrategie Privatkunden-Geschäft, kundenorientiertes Multikanal-Angebot, Reduzierung der Sachkosten sowie Prozess- und Aufgabenoptimierung. Konkret bedeuten die Punkte, dass das heutige Filialnetz mit 82 Standorten auf dem Prüfstand steht, nachdem die Sparkasse 25 Beratungszentren gebildet hat, in denen die zunehmend spezialisierten Berater ihre Kundschaft betreuen. Dass kleine Ein-Mann-Filialen geschlossen werden könnten, weil die Kunden wegbleiben, schließt Ines Dietze, das Vorstandsmitglied fürs Privatkundengeschäft, nicht aus. Die Sparkasse hat im vergangenen Jahr den gesamten Vertrieb umgekrempelt und rund 50 000 Kunden neuen Beratern zugeteilt. Die Umstellung habe „anfangs geholpert“, räumte Kümmerle ein, inzwischen lernten die Berater ihre neuen Kunden jedoch kennen. Unterm Strich ist – nicht zuletzt aufgrund der Umstrukturierungen – das Privatkundengeschäft hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Ausbau des "Private Banking" möglich

Die Sparkasse buhlt verstärkt um sehr vermögende Kundschaft. Und das mit Erfolg, sagt Ralph Walter und schließt nicht aus, dass das „Private Banking“ weiter ausgebaut wird. Derzeit kümmern sich vier Berater um 32 Neukunden, die im ersten Jahr angebissen haben. Der Kundschaft werden „maßgeschneiderte Leistungen in den Bereichen Vermögen, Immobilien, Generationen- und Stiftungsmanagement angeboten“, umreißt Walter die Aufgaben.

Tendenziell weniger Mitarbeiter

Schon heute wird jede frei werdende Stelle daraufhin abgeklopft, ob sie wiederbesetzt werden muss, sagte Lothar Kümmerle zu der tendenziell sinkenden Belegschaft. Die Zahl der Mitarbeiter reduzierte sich auf 1358 – vor fünf Jahren waren es noch rund 1420. Unverändert bildet die Sparkasse aus (122 Azubis). Der Trend wird nicht zuletzt von der Digitalisierung getrieben. Sparkassenkunden wickeln ihre Geschäfte zunehmend am Telefon, am heimischen Computer oder auch mit dem Smartphone ab.

Risikofreude der Kunden lässt zu wünschen übrig

Die Kunden der Sparkasse legen ihre Gelder nach wie vor konservativ an, so Lothar Kümmerle. Er vermisst angesichts der weiter anhaltenden Niedrigzinsphase eine gewisse Risikofreude, die sich auch bei den Einlagen in der Bilanz der Sparkasse niederschlägt. „Wenn man eine einigermaßen vernünftige Rendite bekommen will, kommt man an Aktien nicht vorbei“, sagte Kümmerle.

Den Unternehmen im Kreis geht es gut

Die Konjunktur im Kreis floriert, weiß Ralph Walter dank seiner Einblicke in die Bilanzen der Firmenkunden. Den Unternehmen gehe es gut, die Arbeitsplätze seien sicher. Und die Erträge stimmen. Die Einlagen der Firmenkunden erhöhten sich um rund 200 Millionen auf 1,9 Milliarden Euro - ein Plus von 12,4 Prozent. „Unsere Kunden sind sehr liquide.“ Angesichts der geringen Zinssätze stünden bei den Investitionsentscheidungen weniger die Zinsen im Vordergrund denn Absatzchancen und Rationalisierungspotenziale.


Hinweis der Redaktion: Mittlerweile wurde das Ermittlungsverfahren gegen Bernd Fickler gegen Zahlung einer fünfstelligen Geldauflage eingestellt. 


Immobilien gefragt

Das Geschäftsvolumen der Kreissparkasse Waiblingen, der fünftgrößten Sparkasse in Baden-Württemberg, ist 2016 um 228 Millionen Euro auf 7,8 Milliarden Euro gestiegen. Im Vergleich mit den Sparkassen im Land überdurchschnittlich.

Die Kundenausleihungen erhöhten sich um 3,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Die Kundeneinlagen um 4,5 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro.

Die Sparkasse hat ihr Eigenkapital um weitere 50 Millionen Euro aufgestockt. Der Vorstandsvorsitzende Lothar Kümmerle wies auf die steigenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen hin. Stand heute erfüllt die Kreissparkasse bereits die Eigenkapitalanforderungen von 19 Prozent, die ab dem Jahr 2019 gelten.

Die Immobiliennachfrage überschreitet das Angebot deutlich. „Wir könnten das Doppelte verkaufen, wenn wir die Objekte hätten“, so Ines Dietze. 2016 verkaufte die Sparkasse 306 (Vorjahr: 324) Objekte, hielt jedoch den Umsatz mit gut 80 Millionen Euro stabil, was die steigenden Immobilienpreise widerspiegelt.

8,5 Millionen Euro investiert die Kreissparkasse in die Sanierung des Turms am Alten Postplatz in Waiblingen. Inzwischen ist das Gebäude entkernt, demnächst fällt die Fassade. Die neue Fassade besteht aus Titandioxid, was eine reinigende Wirkung auf die Luft hat.