Waiblingen

Kreuzimpfung mit Astrazeneca: Was passiert bei Urlaub in Österreich und der Schweiz?

Schweiz
Die Göscheneralp in der Schweiz. © ZVW/Gabriel Habermann

Es betrifft Lehrer, Erzieher oder Polizisten unter 60: Wer im März 2021 die Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten hat, muss sich jetzt entscheiden, ob er bei der Zweitimpfung Biontech wählt oder wieder Astrazeneca. Wer sich für eine Kreuzimpfung entscheidet, könnte indes bei Reisen in andere Länder Nachteile haben. 

Wir haben dazu beim Robert-Koch-Institut (RKI), dem Bundesgesundheitsministerium und dem Deutschen Reiseverband (DRV) nachgefragt. Auch haben wir uns bei den deutschen Nachbarländern Schweiz und Österreich direkt erkundigt, ob sie Menschen mit einer Kreuzimpfung jenen Personen gleichstellen wollen, die stets den gleichen Impfstoff gespritzt bekamen.

Stiko empfiehlt, dass Menschen unter 60 nicht mehr Astrazeneca nehmen sollen

Die Ständige Impfkommission in Deutschland, kurz Stiko, empfiehlt wegen des Risikos für eine Hirnvenenthrombose bei Menschen unter 60, sich nicht mehr Astrazeneca spritzen zu lassen. Doch was ist, wenn dadurch Urlaubsreisen in bestimmte Länder unmöglich werden? Was ist, wenn Menschen ihre Familienangehörigen im Ausland nach vielen Monaten des Wartens weiter nicht besuchen können, weil sie sich für eine Kreuzimpfung entschieden haben?

Viele Lehrer in Waiblingen haben sich für eine Zweitimpfung mit Astrazeneca entschieden

Wir haben bereits vor einigen Tagen stellvertretend für andere Berufsgruppen Lehrer in Waiblingen gefragt, wie sie mit dem Thema Zweitimpfung nach der Erstimpfung mit Astrazeneca umgehen. Axel Rybak, Rektor der Staufer-Realschule in Waiblingen, und Konrektorin Heike Gensch hatten sich auch bei der Zweitimpfung für Astrazeneca entschieden, ebenso wie Rektorin Gabriele Gollnick von der Friedensschule Neustadt.

Auch Eva Neundorfer von der Staufer-Gemeinschaftsschule in Waiblingen hat sich bei der Zweitimpfung erneut Astrazeneca geben lassen. „Ich bin auch schon deutlich über 50“, sagt die Rektorin. Das Risiko, dass sie selbst eine Hirnvenenthrombose bekommen könnte, sah sie als sehr klein an, auch wenn sie selbst unter 60 ist – schließlich sei sie auch keine Raucherin. Gleichwohl kann die Rektorin niemandem eine Empfehlung geben. „Es ist eine individuelle Entscheidung.“

Rektorin Eva Neundorfer hat sich vor der Zweitimpfung beraten lassen

Eva Neundorfer ist bereits zum zweiten Mal mit Astrazeneca geimpft worden. Sie hat sich vorher auch extra von einem Arzt beraten lassen. Auch mit dem Kreisimpfzentrum nahm sie Kontakt auf und fragte nach, ob sie den Lehrern an ihrer Schule eine Empfehlung aussprechen kann. Die Antwort war: Eine Empfehlung gibt es nicht. Eva Neundorfer war bei ihrer Entscheidung aber nicht klar, dass die Wahl des Impfstoffs auch für Reisen entscheidend sein könnte.

Geimpfte sollen beim Reisen schließlich ohne Corona-Test und Quarantäne in viele andere Länder einreisen dürfen – und auch wieder ohne Quarantäne und PCR-Test nach Deutschland zurückkehren können. Dass möglicherweise Menschen mit Kreuzimpfungen Nachteile beim Reisen haben könnten, war Eva Neundorfer nicht bewusst. Schließlich war das zum damaligen Zeitpunkt auch kein großes Thema in den Medien. „Das wäre tragisch und bitter, wenn es so käme“, sagt die Rektorin der Staufer-Gemeinschaftsschule.

Das Robert-Koch-Institut kann die Frage nicht beantworten

Doch was gilt nun in Sachen Kreuzimpfungen? „Wir können hier nicht weiterhelfen“, teilt die Pressestelle des Robert-Koch-Instituts mit. Das RKI ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und -prävention, seit Corona ist das Institut ständig öffentlich präsent. Helfen kann das RKI in der Frage aber nicht. „Hier ist vieles noch in der Diskussion, auch der europäische Impfpass.“ Man könne nur sagen, dass aus Sicht der Stiko das heterologe Impfschema eine vollständige Impfung darstellt. Gemeint ist die Kreuzimpfung. Doch was hilft es Reisenden aus Deutschland, wenn nur Deutschland die Kreuzimpfung akzeptiert?

Deutscher Reiseverband (DRV) kann nicht weiterhelfen

Die Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV) meldet sich auf Anfrage zwar schnell, doch auch sie kann in der Frage der Kreuzimpfungen keine Antwort geben. Dabei ist das die Frage, die für Buchungen von Reisen für viele Deutsche entscheidend ist.

Auch das Bundesministerium für Gesundheit kann die Frage derzeit nicht beantworten

Andreas Deffner von der Pressestelle des Bundesministeriums für Gesundheit teilte mit, dass derzeit die Abstimmungen auf EU-Ebene zur Einführung des digitalen Impfnachweises laufen. „Dieser soll eine einheitliche digitale Grundlage schaffen und das Reisen für Geimpfte und Genesene so erleichtern. Eine abschließende Auskunft kann ich Ihnen daher im Moment noch nicht geben.“

Der digitale Impfnachweis soll in der zweiten Hälfte des zweiten Quartals zur Verfügung stehen. Genaueres ist aus dem Ministerium nicht zu erfahren. Sprich: Wer vor der Wahl steht, sich erneut Astrazeneca oder doch Biontech spritzen zu lassen, kriegt mit Blick auf die Reisemöglichkeiten auch vom Bundesgesundheitsministerium keine Entscheidungshilfe.

In der Schweiz wird Astrazeneca derzeit nicht verimpft

Das Nachbarland Schweiz hat beim Thema Impfen indes eine klare Empfehlung, die potenzielle deutsche Urlauber aufhorchen lassen könnte. „In der Schweiz wird empfohlen, beide Impfungen (erste und zweite Dose) mit demselben Impfstoff durchzuführen. Es werden derzeit die Impfstoffe von Moderna und Pfizer verimpft“, teilt Katrin Holenstein von der Pressestelle des Bundesamts für Gesundheit der Schweiz mit.

Noch allerdings gibt es keine Verordnung, die Einreisenden mit Kreuzimpfungen nicht die gleichen Rechte gibt wie anderen Geimpften. Auch in der Schweiz laufen laut Katrin Holenstein die Arbeiten am Covid-Zertifikat auf Hochtouren. Es sei dabei noch nicht festgelegt worden, welche neben den in der Schweiz zugelassenen Impfstoffen in das Zertifikat aufgenommen werden.

Österreich hat für Reisende aus Deutschland mit Kreuzimpfung eine gute Nachricht

Daniel Böhm, Pressereferent im österreichischen Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, hat dagegen für alle Reisenden aus Deutschland mit Kreuzimpfung eine gute Nachricht: Im aktuellen Gesetzestext aus der Österreichischen Verordnung wird nicht explizit auf die Art des Impfstoffs eingegangen. „Eine Kombination (Kreuzimpfung) ist demnach möglich.“

Es betrifft Lehrer, Erzieher oder Polizisten unter 60: Wer im März 2021 die Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten hat, muss sich jetzt entscheiden, ob er bei der Zweitimpfung Biontech wählt oder wieder Astrazeneca. Wer sich für eine Kreuzimpfung entscheidet, könnte indes bei Reisen in andere Länder Nachteile haben. 

Wir haben dazu beim Robert-Koch-Institut (RKI), dem Bundesgesundheitsministerium und dem Deutschen Reiseverband (DRV) nachgefragt. Auch haben wir uns bei den deutschen

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