Waiblingen

Kriminalstatistik 2015: Wohnungseinbruch bleibt Schwerpunkt

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Polizeiaalen
Der neue Polizeipräsident Roland Eisele (Mitte) mit dem für die Kriminalpolizei zuständigen Kriminaldirektor Reiner Möller (links) und Ottmar Kroll, der für den Verkehr zuständig ist und die Unfallzahlen 2015 erläuterte (Bericht folgt in der Freitagausgabe). © Schneider / ZVW
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Diebstahl © ZVW
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Einbruch © ZVW
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Statistik © ZVW

Waiblingen. Der Rems-Murr-Kreis ist nach wie vor ausgesprochen beliebt bei Einbrechern. Im Vergleich zum Rekordjahr 2014 ist die Zahl der Wohnungseinbrüche jedoch deutlich zurückgegangen. Die Bekämpfung des Einbruchdiebstahls ist und bleibt ein Schwerpunkt der Polizei, sagte Kriminaldirektor Reiner Möller bei der Vorstellung der Jahresstatistik des Polizeipräsidiums Aalen.

Gerade drei Wochen im Amt, stellte der neue Polizeipräsident Roland Eisele in Aalen am Mittwoch die Kriminalstatistik 2015 mit wenigen Sonnen- und einigen Schattenseiten vor. Über fast alle Deliktbereiche hinweg hat sich die Kriminalität in den drei Landkreisen Rems-Murr, Ostalb und Schwäbisch Hall erhöht. Mit 42 650 Straftaten, davon rund die Hälfte im Rems-Murr-Kreis, stieg die Kriminalität deutlich an. Ausschlaggebend dafür waren in Schwäbisch Hall (+9,4 Prozent) und Ostalb (+21,3 Prozent) vor allem statistische Effekte, betonte Reiner Möller, der die Kriminalpolizei in Waiblingen leitet. Straftaten würden jetzt in allen drei Kreisen einheitlich erfasst. Vergleichsweise moderat war indes die Steigerungsrate im Rems-Murr-Kreis mit 2,4 Prozent auf 21 116 Delikte.

Mit einem Anteil von 35,7 Prozent liegen die Diebstahlsdelikte vorn gefolgt von Vermögens- und Fälschungsdelikten (18,7 Prozent), Sachbeschädigungen (11,6 Prozent), Körperverletzungen (10,8 Prozent) und Rauschgift (6,1 Prozent). Besorgniserregend nannte Möller die Entwicklung bei den Rohheitsdelikten, also gefährlichen Körperverletzungen, Bedrohungen oder Nötigungen. Sie nahmen von 5671 auf 6213 Fälle zu, davon 3175 (2014: 3060) im Rems-Murr-Kreis. Keine schlüssige Erklärung konnte Möller für die Zunahme von Gewaltdelikten an Schulen liefern. Fakt ist, dass der Polizei 81 Fälle bekannt wurden, davon 52 im Rems-Murr-Kreis, zwölf mehr als im Vorjahr. Insgesamt aber waren die Gewaltdelikte rückläufig, zeigt die Statistik bei den Straftaten gegen das Leben, Vergewaltigungen und sexuellem Missbrauch.

Weniger Kinder und Jugendliche unter Tatverdacht

Jeder vierte der fast 8778 Tatverdächtigen im Kreis (+2,4 Prozent) war ein Jungtäter. Der Anteil der Kinder (307) und Jugendlichen (836) ging zurück, während immer mehr Heranwachsende (860) unter Tatverdacht gerieten. Strafbar machen sich junge Leute vor allem wegen Ladendiebstahls (713 Tatverdächtige im Präsidiumsbereich), Rauschgift (871) und Schwarzfahren (246). Wegen Gewaltdelikten fanden sich 402 Jungtäter im Visier der Polizei. Das Polizeipräsidium weist in seiner Jahresstatistik beispielhaft auf eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus dem Raum Schorndorf hin, die Anfang bis Mitte 2015 über 150 Straftaten begangen haben und einen Schaden von rund 60 000 Euro verursachten. Als jugendliche Intensivstraftäter (Jugit) galten Ende 2015 insgesamt 20 junge Leute, davon neun aus dem Rems-Murr-Kreis.

Deutlich angestiegen sind die Diebstahlsdelikte, vor allem im Ostalbkreis (+21,9 Prozent) und insbesondere rund um die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) in Ellwangen (+61,2 Prozent). Dies ließe sich durch die Zuwanderung erklären, wobei sich ein Teil der Diebstähle innerhalb der LEA ereignet hat, sich also Flüchtlinge gegenseitig beklaut haben. – Dementsprechend erhöhte sich auch der Anteil der nicht-deutschen Tatverdächtigen auf rund Drittel; im Rems-Murr-Kreis lag der Anteil bei rund 38 Prozent. Speziell bei den Ladendiebstählen spiegelt sich die Zuwanderung durch Flüchtlinge wider. So hat sich der Anteil der nicht-deutschen Ladendiebe von rund 43 auf 49 Prozent erhöht.

Bei vielen erwischten Einbrechern handelte es sich ebenfalls um Ausländer (73 Prozent), darunter eine ganze Reihe, die sich als Asylbewerber ausgeben. „Führend sind Tatverdächtige aus Georgien, Algerien und dem Kosovo“, sagte Kriminaldirektor Reiner Möller über die Serien- und Wiederholungstäter, die der Kripo ins Netz gingen. Erfreulich ist, dass die Wohnungseinbrüche deutlich zurückgingen. Im Rems-Murr-Kreis um fast 40 Prozent auf 411 Einbrüche.

Einbrecher schätzen gute Verkehrsverbindungen, sei’s auf der Straße, sei’s auf der Schiene. So traten die Wohnungseinbrüche wie in den Vorjahren gehäuft entlang der Bundesstraßen auf, aber auch die Nähe von S-Bahn-Stationen sind beliebte Gegenden für die Diebe. Im Rems-Murr-Kreis konzentrieren sich die Schwerpunkte auf Fellbach, Waiblingen, Winnenden und Backnang sowie im geringeren Umfang auf Schorndorf.

Die 13-köpfige Ermittlungsgruppe „EG WED“ nimmt sich seit Mitte 2014 Diebe verstärkt ins Visier. Mit Erfolg, wie eine Liste von geschnappten Einbrechern zeigt. Aber auch die Bürger haben einen Anteil am Erfolg, sei’s durch Hinweise, dank derer Diebe auf frischer Tat erwischt werden. Sei’s durch besser geschützte Wohnungen, die Einbrecher abschrecken. Wenn die nicht innerhalb von zwei Minuten ins Haus gelangen, sind sie wieder weg, sagte Reiner Möller. So bei einem Drittel der Einbrüche, bei denen es beim Versuch blieb.

Immer mehr Einbrüche in gewerbliche Objekte

Einbrecher suchen verstärkt gewerbliche und öffentliche Einrichtungen heim (+18,5 Prozent). In den drei Landkreisen wurde mehr als 1000 Mal in Büro- und Fabrikgebäude eingebrochen; auch Gaststätten, Kantinen und Hotels waren fast 500mal das Ziel von Einbrechern. Die Aufklärungsquote ist im Vergleich zum Wohnungseinbruch höher. In Backnang hatte die Polizei im Februar 2015 drei Täter nach einem Einbruch in einen Handyladen geschnappt und konnte der vierköpfigen Diebesbande 32 weitere Einbrüche in Geschäfte nachweisen.

Die Opfer

Bei der Betrachtung der Kriminalität werden oft die Opfer vergessen. Parallel zu den Straftaten und Tatverdächtigen ist die Zahl der Opfer um 8,3 Prozent auf 7394 gestiegen, darunter 5100 Körperverletzungen und 220 Opfer von Raubüberfällen. Vier von zehn Opfern waren weiblich. Senioren, gleichwohl sie gut ein Drittel der Bevölkerung stellen, sind bei den Opfern mit 6,9 Prozent unterrepräsentiert.
Zu Opfern gezählt werden muss oft die Polizei selbst. Erfasst wurden 241 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte (+20 Prozent), davon 108 im Rems-Murr-Kreis. 60 Prozent der Angriffe auf Polizisten ging von Betrunkenen aus.