Waiblingen

Kritik an Zuständen im Flüchtlingsheim

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Von links die ehrenamtliche Patin Renate Böhrensen, Ehrenamtskoordinator Harald Luttmann, Sozialarbeiterin Jessica Lienert, Ellen Eichhorn-Wenz, Fachleiterin der Caritas, und Sozialarbeiter James Keath. © Steinemann / ZVW
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Verwahrloste Waschbecken und Duschen. © Steinemann / ZVW

Waiblingen. Kakerlaken, Schmutz und bauliche Mängel beklagt die ehrenamtliche Helferin Renate Böhrensen im Flüchtlingsheim am Inneren Weidach. „Hier herrschen schon seit langem unglaubliche Missstände“, kritisiert die Flüchtlingspatin. Doch nun ist Besserung in Sicht. Die Caritas hat die Sozialarbeit im Heim übernommen und grundlegende Veränderungen angekündigt.

Renate Böhrensen kennt das Flüchtlingsheim am Inneren Weidach seit langem. Von Anfang an habe es in den Containern bauliche Mängel gegeben, die zum heutigen miserablen Zustand beigetragen hätten. So sei die Fallhöhe der Abflussrohre in den Toiletten falsch ausgelegt, so dass Rückstaus und Verstopfungen programmiert seien: „Die Rohre liegen nicht tief genug, dadurch läuft das Wasser zu langsam ab.“

Trist, dreckig und trostlos ist es tatsächlich, das Heim am Inneren Weidach, das seit Februar 2014 bis vor kurzem voll belegt war. Derzeit leben 46 Männer in den Containern, in Spitzenzeiten waren es mehr als 90. Zuletzt hat Ellen Eichhorn-Wenz die drei letzten verbliebenen Familien ins Marienheim verlegen lassen. „Hier können Kinder nicht gut leben“, sagt die Caritas-Fachleiterin.

Das Gebäude am Inneren Weidach sei eine der ältesten Asylbewerber-Einrichtungen im Rems-Murr-Kreis und vor allem von alleinstehenden Männern bewohnt. Dazu kommt: Die Nähe zum Bahnhof und zwei Ein- und Ausgangstüren haben den Drogenhandel im Heim begünstigt.

Zwei Security-Männer sorgen rund um die Uhr für Sicherheit

Darauf hat die Caritas reagiert. Seit 15. August sorgen zwei Security-Männer rund um die Uhr für Ruhe. „Wir wollen einen Neustart, was Sicherheit und Sauberkeit angeht“, kündigt Ellen Eichhorn-Wenz an. Um die verwahrlosten Container in Schuss zu bringen, wurde ein Reinigungsunternehmen mit einer Grundreinigung beauftragt. Danach sollen die Sozialarbeiter mit einem klaren Putzplan dafür sorgen, dass sich die Bewohner selbst um die Sauberkeit kümmern. „Jeden Tag ist ein anderes Zimmer dran“, sagt Sozialarbeiterin Jessica Lienert, die ihren neuen Kollegen James Keath derzeit am Inneren Weidach unterstützt. Offiziell vorgeschrieben ist laut Ellen Eichhorn-Wenz für 120 Menschen ein einziger Sozialarbeiter. Aufgrund der desolaten Zustände am Inneren Weidach hat die Caritas die Zahl der Betreuer vorübergehend aufgestockt. Dass die Container beim Bahnhof in besonders schlechtem Zustand sind, sagt auch die Caritas. Man habe bauliche Mängel festgestellt, die die Kreisbau nun aber reparieren wolle, so Ellen Eichhorn-Wenz. Unerfüllt bleibt indes der Wunsch von Renate Böhrensen, die das Heim am liebsten ganz abreißen würde. „Diese Container sind durch. Das ist doch nicht mehr zeitgemäß“, kritisiert die Flüchtlingspatin. Angesichts rückläufiger Flüchtlingszahlen fordert sie: „Das Ding gehört weg.“

Das sieht der Landkreis anders. Schon bald sollen neue Bewohner in die Container einziehen – Männer, die bisher in der Sporthalle im Kreisberufsschulzentrum campieren mussten. Bevor sie aber die schmalen Dreibettzimmer neu belegen, will Ellen Eichhorn-Wenz für Basis-Sauberkeit sorgen. „Wenn viele Menschen auf engstem Raum zusammenleben, ist es nicht wie in einem Privathaushalt“, weiß die Caritas-Fachleiterin, „aber einen gewissen Standard muss es geben.“ Nach dem Einsatz einer Kammerjägerin sind die Kakerlaken verschwunden – für die dauerhafte Sauberkeit sollen nun die Putzpläne sorgen. Und ein gewisser Druck.

Neu ist seit Anfang August, dass Flüchtlinge zum Putzen verpflichtet werden können, sagt Harald Luttmann, Ehrenamtskoordinator im Amt für besondere Hilfen und Flüchtlinge im Landratsamt. Asylbewerbern, die sich partout unwillig zeigen, könne um bis zu 20 Prozent das Taschengeld gekürzt werden.

Renate Böhrensen verweist dagegen auf die Ursachen der Misere – und diese liegen für sie in den baulichen Mängeln und den Lebensbedingungen in den Containern. Jede Freibadtoilette, jedes Schulklo werde regelmäßig instand gesetzt, sagt sie. Zudem könnten die Bewohner mit den Putzmitteln nicht umgehen, häufig noch nicht einmal die Aufschriften auf den Flaschen lesen.

So oder so: „Wir starten nochmals neu“, verspricht Ellen Eichhorn-Wenz. Ruhe soll jetzt einkehren im Heim am Inneren Weidach. „Wir wollen aus diesen Bedingungen gute Bedingungen machen.“ Dafür müssten Flüchtlinge, Sozialarbeiter und das Landratsamt zusammenarbeiten. Es gehe um einen gewissen Standard, sagt die Caritas-Frau. „Und um gute Lebensbedingungen innerhalb dessen, was vorgeben ist.“

„Funktionsfähig“

Die Abläufe in der Unterkunft sind laut Kreisbaugesellschaft „voll funktionsfähig“. Allerdings gebe es hin und wieder Probleme mit unsachgemäßer Nutzung, welche zu Verstopfungen der Abläufe führe.

Aktuell soll die Küche mit zwei neuen Edelstahlspülbecken ausgestattet werden. Dabei handelt es sich um einen Probelauf, bei dem getestet werden soll, ob die Haltbarkeit der Küchenzeilen verbessert werden kann.