Waiblingen

Kroatische katholische Gemeinde Waiblingen: Ivan Ivankovic ist der neue Pastoralreferent

Pastoralreferent
Ivan Ivankovic (58) aus Waiblingen arbeitet seit September in der Seelsorge der kroatischen Gemeinde Sveti Nikola Tevelic, die zur katholischen Kirchengemeinde Sankt Antonius Waiblingen gehört. © ZVW/Gaby Schneider

Mehr als 1000 Menschen zählen zur kroatischen katholischen Gemeinde Sveti Nikola Tevelic in Waiblingen – und für sie alle ist Ivan Ivankovic nun seit September als Pastoralreferent zuständig. Der 58-Jährige unterstützt damit Franziskanerpater Nedjeljko Brecic. Er kümmert sich nicht nur um die Seelsorge sowie den Kommunions- und Firmunterricht, sondern auch um die Alltagsprobleme frisch eingewanderter Kroaten – seien es Übersetzungsdienste oder Hilfe bei Behördengängen. Das Gebiet, das Ivan Ivankovic beackert, ist allerdings viel größer als Waiblingen.

Waiblinger und Backnanger Umgebung: Insgesamt rund 4000 gläubige Kroaten

Der 58-Jährige betreut nämlich seit September auch noch die kroatische Gemeinde Sveti Ante Padovanski in Backnang. Die kroatische Gemeinde Kraljica Mira in Filderstadt gab Ivan Ivankovic dafür ab, die kroatische Gemeinde Blaeni Alojzije Stepinac in Esslingen behält er dagegen. Für Letztere soll Ivan Ivankovic 40 Prozent seiner Arbeitszeit investieren, für Backnang 20 Prozent – und für Waiblingen noch mal 40 Prozent. In Backnang zählen rund 400 Gläubige zur kroatischen Gemeinde. Wer allerdings auch noch die kroatischstämmigen Leute in den Ortspfarreien rund um Waiblingen und Backnang dazurechnet, kommt auf insgesamt 4000 Gläubige – und allein in Fellbach wohnen etwa 800 davon.

Viele Kroaten legen Wert darauf, ihre Traditionen zu pflegen

Ivan Ivankovic hat in seinem Berufsleben festgestellt, dass für viele Gläubige gerade der Gottesdienst in der kroatischen Muttersprache sehr wichtig ist – und zwar nicht nur für jene, die seit dem EU-Beitritt Kroatiens im Jahr 2013 in die Region gezogen sind und noch nicht so gut Deutsch sprechen. Der 58-Jährige verweist darauf, dass viele kroatischstämmige Menschen Wert darauf legen, die Traditionen aus der alten Heimat zu pflegen – was aber nicht bedeutet, dass sie das sonstige Leben nicht interessiert. „Wir wollen uns nicht separieren“, stellt Ivan Ivankovic klar. Viele Kroaten, die in den 60er und 70er Jahren nach Deutschland gekommen sind, betrachten laut Ivan Ivankovic längst Deutschland als ihre neue Heimat und haben nicht vor, wieder nach Kroatien zu ziehen. Genauso sei es mit der zweiten und dritten Generation, die in Deutschland aufgewachsen sei und oft sehr gute Arbeit habe.

Unterstützung von Pfarrer Franz Klappenecker für kroatische Gemeinde

Ivan Ivankovic findet es indes toll, dass die katholische Kirche die Möglichkeit von muttersprachlichen Gemeinden bietet. So gibt es in Waiblingen auch eine italienische katholische Gemeinde, die in der Heilig-Geist-Kirche in der Rinnenäckersiedlung zu Hause ist. An anderen Orten gibt es unter dem Dach der katholischen Kirche zum Beispiel auch eritreische oder vietnamesische Gemeinden. Diese Vielfalt innerhalb der Kirche gefällt Ivan Ivankovic – wobei ihm ein gutes Miteinander mit allen Gläubigen wichtig ist. Dass das in Waiblingen funktioniert, liegt aus seiner Sicht nicht zuletzt an Pfarrer Franz Klappenecker sowie an der Diözese Rottenburg-Stuttgart, zu der Waiblingen gehört. „Unsere Diözese ist Vorreiter darin, Wege zu suchen, wie man Vielfalt in der Einheit gestalten kann.“

Wallfahrten sind für die kroatischen Gemeinden immer noch wichtig

Natürlich läuft ein katholischer Gottesdienst weltweit ähnlich ab – aber dennoch gibt es Unterschiede. Für die kroatischen Gemeinden sind zudem Wallfahrten weiterhin wichtig, während sie allgemein in der Kirche in Deutschland im Vergleich zu den 1960er Jahren an Bedeutung verloren haben. Zwiefalten ist laut Ivan Ivankovic bei den Kroaten in der Region ein immer noch beliebter Wallfahrtsort. Auch die Heiligen, die in der kroatischen Gemeinde verehrt werden, sind mitunter andere als jene, die in Deutschland in der katholischen Kirche bekannt sind. Nikola Tavelic, der Namenspatron der kroatischen Waiblinger Gemeinde, war ein kroatischer Priester, der im 14. Jahrhundert für den Franziskanerorden als Missionar tätig war.

1990 kam Ivan Ivankovic nach Deutschland - kurz vor dem Jugoslawienkrieg

Dass Ivan Ivankovic heute als Pastoralreferent arbeitet, ist angesichts der politischen Umstände in seiner früheren Heimat gar nicht selbstverständlich. Als er im Gebiet des heutigen Bosnien-Herzegowinas in einer kroatischstämmigen Familie aufwuchs, war das Land noch Teil des kommunistischen Vielvölkerstaats Jugoslawien. Ivan Ivankovic konnte dennoch ein Jesuiten-Gymnasium in Dubrovnik besuchen und danach Theologie studieren – zum Teil in der heute bosnischen Hauptstadt Sarajevo und in der heute kroatischen Hauptstadt Zagreb, wo er 1990 auch sein Diplom erwarb. Im selben Jahr kam er nach Deutschland – noch vor Beginn des Jugoslawienkriegs.

„Ich war in Göttingen zwei Jahre und dann in Waiblingen zehn Jahre als pastoraler Mitarbeiter“, berichtet Ivan Ivankovic. In Waiblingen hat der heute 58-Jährige seine Frau kennengelernt – und dort wohnt er nun seit 1992, also seit fast 30 Jahren. 2002 begann er seine Ausbildung als Pastoralreferent, für die er ein Jahr in der katholischen Kirchengemeinde in Reutlingen und zwei Jahre in Remshalden tätig war. 2005 war er damit fertig – und bekam die Stelle als Pastoralreferent bei der kroatischen Gemeinde in Esslingen und Filderstadt.

Ivan Ivankovic ist auf die Hilfe der Ehrenamtlichen angewiesen

Nachdem Ivan Ivankovic nun Filderstadt abgab und seit September neben Esslingen noch Waiblingen und Backnang stemmt, ist er noch mehr als vorher auf die Unterstützung durch hauptamtliche Mitarbeiter und Ehrenamtliche angewiesen. So sieht er seine Rolle auch eher als Koordinator und Begleiter. „Ich möchte nicht und ich kann nicht alleine alles schaffen.“

Ein konkretes Programm für seine neuen Aufgaben in Waiblingen und Backnang hat Ivan Ivankovic, der übrigens gerne Gitarre spielt, noch nicht. Das ist aus seiner Sicht aber auch gar nicht nötig. „Ich möchte nicht Pläne im Voraus schmieden, sondern mit den Menschen in Kontakt kommen.“

Mehr als 1000 Menschen zählen zur kroatischen katholischen Gemeinde Sveti Nikola Tevelic in Waiblingen – und für sie alle ist Ivan Ivankovic nun seit September als Pastoralreferent zuständig. Der 58-Jährige unterstützt damit Franziskanerpater Nedjeljko Brecic. Er kümmert sich nicht nur um die Seelsorge sowie den Kommunions- und Firmunterricht, sondern auch um die Alltagsprobleme frisch eingewanderter Kroaten – seien es Übersetzungsdienste oder Hilfe bei Behördengängen. Das Gebiet, das Ivan

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