Waiblingen

Kulturhaus Schwanen verdient mit Streaming-Konzerten so viel wie sonst

Jiska und Band
Wo sich sonst Zuschauer im Saal des Kulturhauses Schwanen tummeln, macht sich nun Technik breit. Die Band Jiska um Sängerin Jana Binder hat im Januar ein Streaming-Konzert gegeben, das zahlreiche Musik-Fans zu Hause am Bildschirm verfolgt haben. © Kulturhaus Schwanen

Mit den Live-Veranstaltungen des Kulturhauses Schwanen, die per Streaming nach Hause auf Endgeräte übertragen werden, nimmt das Haus beim Verkauf von Kulturtickets so viel ein, wie es sonst bei Konzerten mit Publikum der Fall ist. Künstlern wird die übliche Gage gezahlt. Im Schnitt schalten sich rund 150 Endgeräte dazu, beim Konzert der A-cappella-Band Füenf waren es sogar 1800 Geräte, wobei vor den meisten Bildschirmen mehr als ein Zuschauer sitzt. „Die Resonanz hat uns alle geplättet“, sagt Schwanen-Chef Cornelius Wandersleb.

Durch die Übertragung via Internet erzielt darüber hinaus das Kulturhaus Schwanen eine ganz neue Reichweite. Zum Auftritt der irischen Band Cara haben sich Nutzer aus Irland, Schottland und sogar Australien zugeschaltet. „Das ist irre. Das hat man sonst nicht“, so Wandersleb. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Band eine Tournee durch Australien gemacht hatte und dort einige Fans verzeichnet.

In erster Linie geht es bei den Streaming-Veranstaltungen um etwas ganz anderes: Künstlern wird eine Bühne geboten, auf der sie auftreten können. Kultur-Fans können eine Veranstaltung erleben. Als Zuschauer werde man angesprochen, über die Chat-Funktion, die es beim Streamen gibt, „kann man sogar seinen Senf zurückgeben. Das ist natürlich alles nicht so wie beim echten Konzert, aber tausendmal besser als nichts!“, ist sich Wandersleb sicher.

Künstler froh über Bühne im Lockdown

Patrick Bopp, der Mitglied der A-cappella-Band Füenf ist und das „Singen für alle“ im Schwanen leitet, ist dankbar, dass er auftreten kann zu einer Zeit, in der eigentlich nichts möglich ist. „Singen für alle“, das an diesem Dienstag, 11. Mai, wieder stattfindet, ist zum festen Programmpunkt im Streaming-Angebot geworden, wie es auch früher Bestandteil war. Sonst singt Patrick Bopp mit Gästen, jetzt tritt er alleine auf oder mal mit einem Sänger, der die zweite Stimme übernimmt. Mittlerweile hat sich der Musiker an die Atmosphäre gewöhnt. „Ich bin sehr dankbar, dass sich der Schwanen da so reingehängt hat“, sagt er. Normalerweise veranstaltet er das „Singen für alle“ in sechs unterschiedlichen Locations, nur drei, darunter Waiblingen, bieten ihm eine Bühne auch während des Lockdowns an. Waiblingen ist in der Hinsicht gut aufgestellt. Neben dem Kulturhaus Schwanen werden auch Veranstaltungen aus dem Bürgerzentrum via Internet übertragen.

Schon während der ersten Pandemie-Welle zweifelte Cornelius Wandersleb an einem baldigen Weg zurück zur Normalität. „Es geht nicht, dass wir so lange nichts machen“, dachte er sich damals und startete im April und Juni die ersten Übertragungen. Als im November der zweite Lockdown kam, hatten einige zu ihm gesagt, dass sie die für einen Stream notwendige Technik nicht mehr anschaffen wollten. Geld sei in vielen Kommunen für die Kultur eingestellt, weiß er. Man müsse es nur angehen.

Doppelt so viele Mitarbeiter als bei Konzerten mit Publikum

Zugegeben sind die Streaming-Veranstaltungen deutlich aufwendiger, als viele annehmen. Für die Technik hat das Kulturhaus einen vierstelligen Betrag investiert. Bei Veranstaltungen mit Publikum sind normalerweise drei Mitarbeiter im Einsatz, bei Streaming-Konzerten wie jüngst der Band Jiska sieben bis acht. Zwei Mitarbeiter bedienen Kameras und sind im Raum unterwegs, während weitere Kameras fest installiert sind. Ein Mitarbeiter fügt wie ein Regisseur live die Aufnahmen zusammen, einer betreut den Chat. Ein weiterer kümmert sich um den Ton, ein anderer um die Beleuchtung und noch ein anderer überprüft die Bildqualität auf den Endgeräten. Fester Bestandteil sind dabei Hannu Schupp und Bertold Becker. Darüber hinaus arbeitet der Schwanen mit jungen Aushilfskräften zusammen.

Der Anstoß für das Streaming kam vom Kulturbüro Sorglos in Korb. „Die haben uns gezeigt, dass man so was machen kann“, so Wandersleb. Nicht alle Künstler kann Cornelius Wandersleb von einem Streaming-Auftritt überzeugen. Das Wirtshausstück des Theaters Lindenhof „Chaim und Adolf“ wird erneut verschoben werden.

Tickets für den kleinen, mittleren und großen Geldbeutel

In die Veranstaltungen kann sich jeder reinklicken, der Lust hat. Das Kulturhaus bietet den Nutzern Kulturtickets an, die es für den kleinen, mittleren und großen Geldbeutel gibt und bis zu 18 Euro kosten. Sie werden keinem bestimmten Konzert zugeordnet und können auch während oder nach dem Ereignis gekauft werden. In der Summe werden so viele Karten verkauft wie sonst auch, so Wandersleb.

Auch wenn die Corona-Pandemie irgendwann vorbei sein wird und wieder Konzerte mit Publikum möglich sind, glaubt Cornelius Wandersleb, dass „wir das Streamen nicht ganz sein lassen“. Es eröffnet Fans neue Möglichkeiten, die bei einem Konzert nicht dabei sein können wie ein Mann aus Schwäbisch Gmünd, der im Rollstuhl sitzt, oder eine junge Mutter aus Kaisersbach, die keinen Babysitter fand. Live-Kultur vor dem Bildschirm ist doch etwas anderes, als wenn man vor dem Fernseher sitzt. „Man ist doch irgendwie dabei“, sagt er.

Mit den Live-Veranstaltungen des Kulturhauses Schwanen, die per Streaming nach Hause auf Endgeräte übertragen werden, nimmt das Haus beim Verkauf von Kulturtickets so viel ein, wie es sonst bei Konzerten mit Publikum der Fall ist. Künstlern wird die übliche Gage gezahlt. Im Schnitt schalten sich rund 150 Endgeräte dazu, beim Konzert der A-cappella-Band Füenf waren es sogar 1800 Geräte, wobei vor den meisten Bildschirmen mehr als ein Zuschauer sitzt. „Die Resonanz hat uns alle geplättet“,

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