Waiblingen

Kultusministerin Eisenmann besucht Stihl in Waiblingen

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Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann und Selina Stihl (rechts), Mitglied im Beirat der Stihl-Gruppe, beim Rundgang in der Ausbildungswerkstatt in Waiblingen (von links): Azubine Saskia Angerbauer, Personalchef Dr. Michael Prochaska, Claudia Petri (Leiterin Aus- und Weiterbildung), der CDU-Landtagsabgeordnete Siegfried Lorek, Oberbürgermeister Andreas Hesky und Azubi Raphael Fischer. © Büttner/ZVW

Waiblingen. „Ja, Ihr Entsetzen teile ich“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann zu Stihl-Ausbildungsleiter Günther Kahn. Die Pisa-Studien stellen baden-württembergischen Schülern kein gutes Zeugnis aus. Der Besuch in der Ausbildungswerkstatt in Waiblingen beschränkte sich nicht auf den Austausch von Nettigkeiten. Ausbilder und Azubis äußerten deutliche Kritik an der Bildungspolitik.

Schlicht „verschwendete Tage“ nannte ein angehender Elektroniker seine Zeit an der Berufsschule, wenn die ersten beiden Stunden ausfallen und die nächsten beiden Stunden nicht von einem Fachlehrer vertreten werden. Der junge Mann hatte 2016 in Nordrhein-Westfalen sein Abitur gemacht – in einer Laptop-Klasse. In Baden-Württemberg lernte er noch keine Schüler kennen, die an ihre Schule Erfahrungen mit Tablet oder Laptop gesammelt haben. Die Kultusministerin musste nicht nur einmal ob der Kritik schlucken, die Ausbilder und Azubis in der Diskussion vorbrachten.

Susanne Eisenmann kennt die Probleme und benennt sie. Beim Unterrichtsausfall kann sie auf ihre Vorgänger verweisen, die Anfang des Jahrzehnts versäumten, auf die sich anbahnende Pensionierungswelle in der Lehrerschaft mit verstärkter Ausbildung zu reagieren. So wie die Firma Stihl derzeit auf den Fachkräftemangel reagiert und die Ausbildungskapazitäten deutlich erhöht. Hinter aller Begeisterung für Laptop und Tablet an Schulen setzt Eisenmann jedoch ein Fragezeichen. Es reiche nicht, „die Schulbücher auf Stick zu ziehen“. Noch fehlten Konzepte für digitalen Unterricht, sagte Eisenmann mit Blick auf die Schulbuchverlage. Sie verfolge aber auch nicht das Ziel, „dass das Deutsch-Abitur eines Tages am Laptop geschrieben wird“, sagte sie und hielt ein Plädoyer für die gute, alte Handschrift beim Deutsch-Aufsatz. Schulen müssten ganz generell vermehrt die Grundfertigkeiten „Lesen, Schreiben, Rechnen“ vermitteln, weiß die Kultusministerin um die Defizite an den Schulen.

Unterricht zu wenig berufsspezifisch

Wie wichtig Kopfrechnen ist und wie wichtig die Fähigkeit, Informationen aus Internet und Smartphone als richtig oder falsch einschätzen zu können, machte Eisenmann mit einer selbst erlebten Anekdote an einer Supermarktkasse deutlich. Eine noch junge Kassiererin verlangte von einer Kundin 56 Euro – für drei Banenen und einen Joghurt. Den Wortwechsel wollte die Kritisierte mit der Bemerkung beenden: „Die Bananen haben aufgeschlagen!“

Die Azubine Saskia Angerbauer hat vermutlich keine Probleme mit Kopfrechnen, wohl aber mit dem Englischunterricht an der Berufsschule. Der sei zu wenig berufsspezifisch, weder bei den Kaufleuten noch bei den Technikern wie ihr. „Wir arbeiten dran“, musste Eisenmann einmal mehr vertrösten. Veränderung in der Bildungspolitik braucht Zeit – und einen langen Atem.


Ausbildung bei Stihl

Ausbildung in der Stihl-Gruppe hat eine 80-jährige Tradition. Mit Blick auf den demografischen Wandel werden künftig mehr als 100 junge Leute im deutschen Stammhaus ausgebildet statt bisher rund 60 pro Jahr. Fast die Hälfte studieren an einer Dualen Hochschule. Die Schwerpunkte verlagern sich weg vom Maschinenbau hin zu Elektronik und IT.