Waiblingen

Kurzurlaub vor der Haustür: Waiblinger tummeln sich nach den Corona-Lockerungen in der Talaue

Minigolf Talaue
Minigolf in Waiblingen: Spielgolf-Anlage in der Talaue. © Büttner

Leere Strände wegen Corona? Nicht in Waiblingen. Dort tummeln sich bei Sonnenschein am Samstag ungezählte Freizeithungrige am Remsstrand. Auch an den anderen „Hotspots“ in der Talaue legen viele einen Kurzurlaub vor der Haustür ein.

Sich gegenseitig mit Wasser bespritzen, mit den Füßen im Sand grubeln, barfuß laufen, im Wasser waten oder das „Trocken“-Programm mit Skaten, Sandeln, Hüpfen, Rutschen, Klettern, Golfen – die Talaue ist ein Mekka für Freizeittouristen. Überall ist am späten Nachmittag was los, auf Wegen und Plätzen ist alles in Bewegung.

Anja Pfanz und Tochter Lisbeth sind „extra wegen der Skaterbahn“ aus Großaspach hergefahren. Die Achtjährige steht schon länger auf Inlinern. „Aber in die Grube fahre ich noch nicht“, sagt sie. Ihr reichen die kleinen Rillen und Hindernisse. „Ihr Bruder Paul hat seit kurzem ein Skateboard und kann hier auch gut üben“, sagt die Mutter. Die Talaue sei Entspannung pur. „Die Großen können chillen, und die Kinder finden in jedem Alter etwas zu tun.“

Stefan Klee, ein entspannt auf der Bank im Schatten zurückgelehnter Vater, findet es „cool, den Kids mit Rollern und Skateboards bei ihren Kunststückchen zuzuschauen“. Er sitze mit der Familie regelmäßig bei der Skateranlage. „Wir wohnen in der Nähe der Galerie Stihl, für uns ist das hier unser verlängerter Garten, in dem wir nicht mal mähen müssen“, wie er scherzhaft sagt. Mutter Manuela hält wacker mit den Kindern Emmy und Henry mit und ist mit dem Roller unterwegs. „Nur der Papa läuft zu Fuß“, sagt er. „Zum Glück ist ja alles fußnah hier erreichbar, Freunde von uns staunen immer wieder, wie schnell wir im Grünen sind.“ Ihr Tagesprogramm habe mit ein paar Runden Tischkicker und Tischtennis begonnen, später gebe es noch ein Eis. „Hier ist überall etwas geboten.“

Spielgolf-Anlage: Weniger als vor Corona?

Viel Betrieb ist auf der Spielgolf-Anlage. Alle 18 Bahnen belegt, im Biergarten davor warten Spielende, bis sie an der Reihe sind, und es relaxen Radfahrer bei einer Schorle. „Die Lage direkt am Radweg ist geschickt“, sagt Armin Kiemel, Geschäftsführer der Anlage, auf der seit dem 18. Mai die Kugeln wieder rollen. Trauen sich die Leute wieder raus ins Freie? Mit leicht zögerlichem „Ja“ antwortet er. „Etwas weniger ist es schon“, ist sein Eindruck. Ein direkter Vergleich mit dem Vorjahr sei allerdings schwer, weil es das Gartenschaujahr war. Er glaube, dass noch Verunsicherung herrsche bezüglich der Maskenpflicht. „Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass ohne Maske gespielt werden darf, die Bahnen sind groß genug.“

Die Zahl der Personen, die sich gleichzeitig auf der Anlage aufhalten dürfen, sei begrenzt worden. Um Kontakte zu vermeiden, werden Schläger und Bälle nur an einem Fenster ausgegeben und nach jedem Wechsel desinfiziert. Petra und Ralf Maier aus Waiblingen mit Sohn, zwei Töchtern und der gemeinsamen Bekannten Michaela Seyerlen testen ihre Treffsicherheit. „Wegen Corona haben wir uns jetzt lange nicht gesehen“, berichten sie. Schon vor Wochen hätten sie abgemacht, dass das Wiedersehen „auf jeden Fall im Freien“ sein wird. Im Anschluss gönnen sie sich ein Picknick – „irgendwo am Wasser“, sagen sie. Die ganze Woche über hätten sie ein Aktiv-Programm mit Ausflügen eingelegt, als Ersatzprogramm für eine geplatzte Hollandreise. „Damit es nicht so wehtut, dass die Ferien nichts werden“, sagen sie. Zwar hätten sie sich während des Lockdowns zu behelfen gewusst – „wir konnten ja immer raus“. Trotzdem sei die Freizeitgestaltung mit weniger Einschränkungen etwas völlig anderes: „Die sozialen Kontakte, das ganze Zwischenmenschliche hat gefehlt“, sagt Petra Maier.

Die „soziale Komponente“, etwa ein gemeinsamer Nachmittag auf dem Spielplatz mit anderen Kindern, ist auch für die Kleinen etwas Schönes. Sie toben ausgelassen auf dem Wasserspielplatz, bevölkern die Burg mit Röhrenrutsche, aktivieren beim Wippen die Wasserspiele und powern sich am Klettergerüst aus. Abstandhalten ist hier eher blasse Theorie: „Die Kleinen bleiben bei uns, aber bei den älteren Kindern, die losziehen, ist es schon schwer“, sagt eine Mutter aus Schwäbisch Hall, die sich mit ihren Bekannten trifft – nach Monaten zum ersten Mal wieder. „Umarmt haben wir uns aber mal noch nicht, so ganz weg isses ja noch nicht.“

Mundschutz tragen die Menschen dort, wo er Pflicht ist. Vor dem Biergarten wird kurz präpariert, Maske vor Mund und Nase geschoben, die Sonnenbrille wandert eine Etage höher über die Stirn, dann zum Durstlöschen in Richtung Erfrischungsstand. Nebenan beim Kanu- und Stand-up-Paddling-Verleih lässt sich nach Voranmeldung eine erfrischende Spritztour auf der Rems einlegen. „Man kann nicht meckern, die Leute kommen wieder“, sagt der Verleiher Florian Pfeiffer. Von Corona hätten sie nichts gemerkt – die Saison habe regulär wie sonst auch Anfang Juni begonnen.

Einige Hobby-„Kapitäne“ steuern ihre Gefährte übers Wasser. Christian Bukor aus Waiblingen, seine aus China stammende Frau Sheng und eine Bekannte haben sich ihren Wohnort vom Wasser aus angeschaut. „Pretty nice“, sagen die Chinesinnen. „Natur und Rausgehen ist wie früher“, sagt Christian Bukor. Einzig die Maske sei beim Einkaufen manchmal „etwas nervig“, aber da könne er von seiner Frau etwas lernen. „Sie geht mit der Maske viel entspannter um, sie kennt es schon länger.“

Johanna aus Waiblingen und ihre Bekannte Angelika aus Ditzingen kommen auf einer Spazierrunde an den Spielgolf-„Greens“ vorbei. „Wir sind überrascht, was hier los ist, eigentlich fast wie immer“, sagen sie. Sie haben ihre Masken daheim gelassen. „Wir wollen uns eh nirgendwo reinsetzen.“ Aufs Abstandhalten achten sie nach wie vor. „Viele denken, mit dem Masketragen sei’s erledigt, das sehe ich kritisch“, meint Angelika. Ihre Freundin sagt, sie trete auch mal ein paar Schritte zurück oder bitte ihr Gegenüber darum. „Gerade wenn jetzt wieder mehr Leute unterwegs sind, achte ich mehr darauf.“

Leere Strände wegen Corona? Nicht in Waiblingen. Dort tummeln sich bei Sonnenschein am Samstag ungezählte Freizeithungrige am Remsstrand. Auch an den anderen „Hotspots“ in der Talaue legen viele einen Kurzurlaub vor der Haustür ein.

Sich gegenseitig mit Wasser bespritzen, mit den Füßen im Sand grubeln, barfuß laufen, im Wasser waten oder das „Trocken“-Programm mit Skaten, Sandeln, Hüpfen, Rutschen, Klettern, Golfen – die Talaue ist ein Mekka für Freizeittouristen. Überall ist am

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