Waiblingen

Lärm in der Fronackerstraße: Anwohner beklagen "Gegröle" und "Schreie" aus Bars

Fronackerstraße
In der Fronackerstraße ist viel los: Es gibt Bars, Cafés - und jede Menge Autos. Fahrbahnverengungen sollen das Tempo mindern. © Gabriel Habermann

Lärm ist in der Fronackerstraße schon lange ein Dauerthema. Immer wieder haben sich Anwohner beschwert, 2021 auch im Rahmen einer Bürgerbeteiligung. Im Fokus standen dabei neben sogenannten Auto-Posern, die meist mit PS-starken Wägen und lauter Musik unterwegs sind, auch die verschiedenen Bars und Cafés. Von „Brennpunkten, bei denen die Außenbewirtschaftung das Wohlfühl-Gefühl anderer beeinträchtigt“, sprach vor zwei Jahren der damalige Oberbürgermeister Andreas Hesky und kündigte mehr Kontrollen an. Doch aus Sicht mancher Anwohner ist bislang viel zu wenig passiert. „Es wird keine Rücksicht genommen“, sagt einer.

Bei schönem Wetter müsse die Familie nachts die Fenster geschlossen halten, und trotzdem hörten sie, wie laut es vor der benachbarten Bar sei. Leute unterhielten sich im Freien, es gebe Schreie. „Ich arbeite Schicht, da ist das besonders schlimm“, so der Anwohner, der seinen Namen nicht genannt wissen möchte - so wie alle Beteiligten aus der Fronackerstraße.

Ein zweiter Nachbar der Bar erzählt ebenfalls von „Gegröle“ und „Gelächter“ im Außenbereich des Lokals. Die Tür stehe häufig offen, sodass auch die Musik zu hören sei. Gerade in den vergangenen Sommermonaten sei es sehr oft laut gewesen, mehrmals pro Woche. „Es ist ja nicht schlimm, wenn Leute Spaß haben“, sagt der Anwohner. „Aber nach Mitternacht, ein Uhr, hört es langsam auf.“

Er verstehe auch die Betreiber, die immer sehr freundlich seien, und die Bedürfnisse der Gastronomen, die unter Corona gelitten hätten. „Aber wir haben hier eine Lebensqualität unter aller Kanone.“

Nach eigenen Angaben hat der Anwohner sich häufig selbst bei den Betreibern beschwert. Auch die Polizei hat er mehrfach gerufen. „Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll.“ Zwar könne er die Wohnungsfenster schließen, dann sei der Lärm nicht so störend. Aber in der Sommerhitze wolle er nachts auch durchlüften. Das sei „unmöglich“.

Betreiber sagen, sie nähmen Rücksicht auf die Nachbarn

Die Betreiber der Bar bestreiten, dass es vor ihrem Lokal häufig laut ist. Sie nähmen Rücksicht auf die Nachbarn und versuchten, ihre Gäste positiv zu beeinflussen. Zudem werfen sie dem einen Anwohner, der sich schon häufig bei ihnen beschwert hat, vor, eine persönliche Abneigung gegen sie zu hegen.

Bei der Polizei aktenkundig ist in den vergangenen zwölf Monaten ein Fall von gemeldeter Ruhestörung im Außenbereich dieser Bar. Im Juli sei „lautes Gelächter und Gebrülle von Gästen“ gemeldet worden. Die Beamten fuhren den Ort daraufhin an. „Zum Zeitpunkt der Überprüfung war keine Ruhestörung/keine Personen mehr feststellbar“, so das Polizeipräsidium in seiner schriftlichen Antwort.

Polizei: Vier Ruhestörungsfälle in der gesamten Straße

In der gesamten Fronackerstraße sind der Polizei aus den vergangenen zwölf Monaten vier „Vorkommnisse wegen Ruhestörung aktenkundig“, beziehungsweise seien diese der Polizei gemeldet worden (Stand Ende August). Einmal ging es um einen Hochzeitskorso, einmal um streitende Jugendliche.

Wenn die Polizei Ruhestörer feststellt, würden diejenigen „zur Ruhe ermahnt“, gegebenenfalls erfolge eine Ordnungswidrigkeitenanzeige bei der Stadt. „Als letzte Stufe kommt auch die Gewahrsamnahme von Störern in Betracht.“

Auf Nachfrage bestätigt das Präsidium die Schilderung eines der Anwohner, dass es an einem Abend im Mai gegen 19.30 Uhr vor der Bar zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen ist. „Es kam wohl zu einer Auseinandersetzung zwischen drei alkoholisierten Männern aufgrund von Nichtigkeiten“, so ein Polizeisprecher.

Generell sei die Fronackerstraße „kein besonderer Schwerpunkt“ für Kriminalität. Als Teil der Kernstadt werde sie „ständig in die allgemeine Streifentätigkeit einbezogen“. Wie oft die Polizei auch ohne konkreten Anlass nachts in der Straße unterwegs ist, könne nicht beantwortet werden.

Kommt es zu einer (vermeintlichen) Ruhestörung, empfiehlt die Polizei, das Revier Waiblingen (0 71 51/95 04 22) oder die 110 anzurufen, „wenn die Ruhestörung im Gange ist“. „Verspätete Meldung oder Meldung bei Dritten ist nicht zielführend.“

Stadt Waiblingen: Andere Bar wegen lauter Musik ermahnt

Der Stadtverwaltung liegen laut Oliver Conradt, Abteilungsleiter Ordnungswesen, keine weiteren Beschwerden zu nächtlichem Lärm durch die betreffende Bar vor (Stand August).

„In den letzten Wochen fanden in der Fronackerstraße durch den städtischen Vollzugsdienst durchschnittlich zwei Kontrollen pro Woche statt“, so Conradt. „In zwei Fällen gab es Beanstandungen, einmal zur nächtlichen Lautstärke der Musik und ein anderes Mal zum Betrieb der Außenbewirtung. Der städtische Vollzugsdienst hat in beiden Fällen unmittelbar für Ruhe gesorgt.“ Die von den beiden Anwohnern genannte Bar sei nicht darunter gewesen.

"Immer wieder Beschwerden": Was kann die Stadt tun?

Generell teilt die Stadt mit: „Immer wieder erreichen die Gaststättenbehörde der Stadtverwaltung Waiblingen Beschwerden über Lärm aus Gaststätten, vor allem in den Sommermonaten. Bei Beschwerden nimmt die Gaststättenbehörde in der Regel zuerst Kontakt mit dem Gastwirt auf. Bei mehreren nahe beieinanderliegenden Gaststätten, Bars und Kneipen ist es jedoch nicht immer so einfach möglich, die Lärmquelle einem konkreten Betrieb zuzuordnen.“

Stadt bietet in solchen Fällen zunächst gemeinsames Gespräch an

Zudem könne eine Gaststätte „nicht geräuschlos betrieben werden“. „Daher ist grundsätzlich von Anwohnern sowie der Nachbarschaft eine gewisse Lärmbelästigung durch einen Gaststättenbetrieb hinzunehmen.“

Und weiter: „Bei erheblichen Lärmbelästigungen durch eine Gaststätte ist die Gaststättenbehörde zuständig und damit Ansprechpartner. Im Falle einer akuten nächtlichen Ruhestörung können sich die Anwohner direkt an das örtliche Polizeirevier wenden.“

Bei Problemen biete die Gaststättenbehörde „zunächst ein gemeinsames Gespräch mit dem Gastronomen an, um im direkten Austausch eine Lösung zu finden“. Sollte es sich bei den Ruhestörungen um erhebliche Belästigungen handeln, könnten von der Gaststättenbehörde weitere behördliche Maßnahmen eingeleitet werden. „Im Falle einer dauerhaften Missachtung kann dies sogar zum Widerruf der Gaststättenerlaubnis führen.“

Anwohner: "Wir fühlen uns im Stich gelassen"

Die Anwohner äußern aber Zweifel daran, dass Stadt und Polizei genug tun. Er sei oft zum Rauchen draußen und sehe die Polizeistreifen vorbeifahren, sagt der Schichtarbeiter. Es werde generell zu wenig kontrolliert, auch was Falschparker oder Raser angeht.

Er betont auch, dass der Lärm nicht von einer Bar allein kommt. „Es ist das Gesamtpaket.“ Auch bei anderen Bars und Cafés sei es draußen laut, dazu die „brutale Lärmbelästigung“ durch bestimmte Autos.

Wegen alldem überlege er sogar, seine Wohnung zu verkaufen und mit der Familie wegzuziehen. „Wir fühlen uns im Stich gelassen. Wir arbeiten und zahlen Steuern, und wir erwarten, dass man wenigstens ausschlafen kann, damit man am nächsten Tag funktioniert.“

Sofortmaßnahmen: Noch keine Bilanz zur Wirksamkeit

Und die bereits umgesetzten Maßnahmen in der Fronackerstraße, etwa die Umwidmung einiger Parkplätze und die Fahrbahnverengungen, durch die vor allem die „Poser“ mit ihren Autos ausgebremst werden sollten? Aus Sicht des Anwohners haben sie wenig gebracht. Die Gastronomie habe dadurch noch mehr Platz, entsprechend sei es noch lauter.

Die Stadtverwaltung bereitet gerade „die endgültige Umgestaltung des Straßenabschnittes“ vor, so Oliver Conradt. Dafür habe vor kurzem eine Verkehrszählung stattgefunden. Erste Ergebnisse will die Verwaltung auf Anfrage noch nicht nennen. Sie sollen zuerst im Gemeinderat vorgestellt werden, „sobald sie vorliegen“. „Bis Anfang nächsten Jahres ist vorgesehen, eine Entwurfsplanung samt Evaluierung vorzustellen.“

Lärm ist in der Fronackerstraße schon lange ein Dauerthema. Immer wieder haben sich Anwohner beschwert, 2021 auch im Rahmen einer Bürgerbeteiligung. Im Fokus standen dabei neben sogenannten Auto-Posern, die meist mit PS-starken Wägen und lauter Musik unterwegs sind, auch die verschiedenen Bars und Cafés. Von „Brennpunkten, bei denen die Außenbewirtschaftung das Wohlfühl-Gefühl anderer beeinträchtigt“, sprach vor zwei Jahren der damalige Oberbürgermeister Andreas Hesky und kündigte mehr

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