Waiblingen

Lebensgefahr: Junge blendet Piloten

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Eine solche Lichtshow kann ein Laserpointer zwar nicht erzeugen. Doch ein Pointer kann Piloten sehr gefährlich werden. © Habermann/ZVW

Weissach im Tal/Waiblingen. Ein 13-jähriger Junge blendet mit einem Laserpointer Hubschrauberpiloten. Wenig später steht die Polizei vor des Knaben Tür: Dieser Fall hat sich am Samstag in Weissach im Tal zugetragen. Praktisch ständig müssen nicht nur Hubschrauberbesatzungen mit solchem Unfug rechnen. Das Spiel mit den Pointern kann Leben kosten.

Vermutlich hat der Junge in Weissach im Tal nicht damit gerechnet, dass er auffliegt. Doch die Hubschrauber sind mit moderner Technik ausgerüstet, weshalb der Suchtrupp als Tatort ein Mehrfamilienhaus in Oberweissach ausmachen konnte. „Aus einsatztaktischen Gründen“ nennt die Polizei keine Details, wie diese Ortung funktioniert, so Jens Czechtizky von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Einsatz mit Sitz in Göppingen.

Laserschutzbrillen im Polizeihubschrauber

Laut Czechtizky sind die Besatzungen in Polizeihubschraubern grundsätzlich mit Laserschutzbrillen ausgestattet. Nicht ohne Grund, wie der Pressesprecher erläutert: „Es kam schon mehrfach zu gefährlichen Situationen durch Laserblendungen von Hubschrauberbesatzungen, zum Beispiel beim Landeanflug. Auch sind Fälle bekannt, bei denen es zu schwerwiegenden Augenschädigungen von Piloten kam.“ Im Grunde müssen die Beamten bei jedem Einsatz damit rechnen, von einem Laserpointer geblendet zu werden. Die Polizei berichtet ständig von Vorfällen dieser Art: In Fulda hat ein ebenfalls 13-Jähriger am Sonntag Insassen eines Polizeihubschraubers geblendet. Vergangene Woche richtete ein Radfahrer in Nordrhein-Westfalen einen Laserpointer auf Polizisten in einem Streifenwagen. Verletzungen am Auge trug ein Busfahrer davon, den drei Kinder Anfang Oktober in Ludwigshafen mit einem Laserpointer malträtiert hatten. Vier junge Männer sollen Ende September in Rüsselsheim den Lichtstrahl eines als Taschenlampe getarnten Laserpointers auf die Besatzung eines Airbus gerichtet haben.

„Tod durch Absturz wird riskiert“

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Was auffällt bei all diesen Meldungen aus jüngerer Zeit: Die mutmaßlichen Täter sind alle aufgeflogen. Sofern es sich um Kinder unter 14 Jahren handelt, droht zwar keine Strafe im juristischen Sinne, weil die Tunichtgute noch nicht strafmündig sind. Ernste Worte sprechen wird die Polizei durchaus, und sie kann die Laserpointer sicherstellen.

„Echt lebensgefährlich“

Laserpointer mit schwacher optischer Leistung, wie sie überall im Handel erhältlich sind, gefährden niemanden. Doch findet, wer danach sucht, sehr leicht auch kraftvolle Pointer, mit denen sich selbst in großen Entfernungen erheblicher Schaden anrichten lässt. Mehr noch: „Tod durch Absturz wird riskiert. Das ist echt lebensgefährlich“, warnt Holger Koch von der Universität Oldenburg. Der Laserbeauftragte beschreibt den Blendeffekt anhand eines Beispiels: Als ob man nachts im Wald ganz plötzlich einem Fotoblitz ausgesetzt ist – so ähnlich fühlt sich das an. Für kurze Zeit sieht der Geblendete rein gar nichts mehr. Das kann fatale Folgen haben, sofern der oder die Geblendete momentan ein Flugzeug landet, einen Hubschrauber steuert oder einen Bus lenkt.

Nicht nur der Herstellerangabe vertrauen

Holger Koch warnt vor weiteren Gefahren, die von diesen optischen Zeigestäben ausgehen: Die tatsächliche Strahl-Leistung mancher Pointer liege um ein Vielfaches höher als angegeben. Gelangen zu starke Laserstrahlen ins Auge eines Menschen, erblindet er im schlimmsten Fall. Keine Operation kann die Schäden rückgängig machen, erläutert der Ingenieur. Zudem entdeckten die Physiker bei Tests Infrarotstrahlung, „von der unkalkulierbare Risiken ausgehen, weil sie unsichtbar ist und somit ohne Vorwarnung Augenschäden eintreten können“.

Schokoladentest

Ein einfaches Experiment liefert Hinweise darauf, ob ein Laserpointer viel stärker als ausgeschrieben und damit gefährlich ist: Besitzer können den Strahl auf Schokolade richten. Beginnt die Schokolade binnen Sekunden zu schmilzen oder sich zu verfärben, spricht alles für eine vielfach überhöhte und damit hochriskante Strahl-Leistung. Ein extrem stark strahlender Laserpointer kann gar ein Streichholz entzünden.

Strengstens verboten

Auf einer Vielzahl von Internetportalen preisen Händler Laserpointer mit extrem starker Leistung an. Ziellaser für Sportschützen und Jäger gibt’s zu kaufen. „Monster-Laserpointer“ und extrem leistungsstarke „Knaller-Angebote“ für mehrere Hundert Euro preist ein grell aufgemachtes Portal an. Unten links findet sich versteckt ein Warnhinweis: „Es ist strengstens verboten, auf Flugzeuge, Menschen, Tiere zu lasern.“

Rat: Geräte prüfen

Ursprünglich war der Laserpointer als Lichtzeiger etwa für Vorträge gedacht. Die Geräte sind auch in Form von Schlüsselanhängern oder Kugelschreibern verfügbar.

Nur Laserpointer mit ganz geringer Lichtleistung gelten als ungefährlich. Holger Koch, Laserbeauftragter an der Universität Oldenburg, empfiehlt, sowohl die Angaben auf der Verpackung eines Laserpointers als auch auf dem Gerät zu überprüfen. Die Angaben dürfen sich laut Koch nicht unterscheiden und müssen stets unter einem Milliwatt liegen.

Laserangriffe auf Piloten können als gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr gewertet werden. Es drohen mehrjährige Haftstrafen.