Waiblingen

Leuchtender Weinberg sorgt für Ärger bei Anwohnern

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Menschenmassen strömen in die Weinberge. Viele von ihnen kamen wie gewünscht mit der Bahn in Beutelsbach an. © Ralph Steinemann Pressefoto

Weinstadt-Beutelsbach. Tausende haben am Ein Chaos wie im Vorjahr, als der ganze Ort zugeparkt war, wurde verhindert.

„Wer hat sich die Straßensperren in Beutelsbach einfallen lassen? Ich darf noch nicht mal bei Freunden vorbeifahren, um etwas abzugeben“ empört sich bereits am späten Samstagnachmittag ein Beutelsbacher im Facebook-Forum „Wenn du aus Weinstadt kommst und das deine Heimat ist“. Er verstehe zwar, dass die Stadt der Fremdparker Herr werden wolle, so der Nutzer weiter, „aber dass Beutelsbacher sich noch nicht mal mehr im eigenen Ort mit dem Fahrzeug bewegen können“, passt ihm überhaupt nicht. Wie dem Mann geht es am Samstag einigen Beutelsbachern, das zeigen die Reaktionen, die der Post hervorruft. Zwar scheinen die Security-Leute vielen Autofahrern auch rasch entgegengekommen zu sein, aber offenbar nicht allen. Eine Frau berichtet, sie habe es nur mit viel Überredungskunst geschafft, die Sicherheitskräfte, die einen gesperrten Bereich kontrollierten, zu überzeugen, dass sie ihre 87-jährige, gehbehinderte Mutter nach Hause fahren müsse.

Eine Anzeige wegen Beleidigung liegt der Polizei vor

Sehr geärgert hat sich auch eine Anwohnerin in der Burgunderstraße. Sie wohnt direkt an den Weinbergen, gibt seit Jahren ein privates Fest in ihrer Wohnung am Rande der Großveranstaltung. Auch dieses Mal erwartete sie einigen Familienbesuch. Doch weil die Burgunderstraße gesperrt war, kamen die Gäste nicht durch – auch nicht kurz, etwa um Kuchen oder Instrumente abzuliefern. „Ich hätte doch gerne für meine Familie Anlieger-Parkgebühr bezahlt, warum nicht, aber das war nicht gut organisiert – es war einfach großer Mist“, schreibt die aufgebrachte Frau in einer Mail an diese Zeitung. Ihre zum Teil betagte Verwandtschaft habe Mitbringsel durch den halben Ort tragen müssen. Entgegenkommen hätten die Sicherheitskräfte vor Ort keines gezeigt. Schlimmer noch: Ihrem Bruder habe ein Security-Mann gar mit dem Gebrauch einer Schusswaffe gedroht, als dieser mit seinem Bus passieren wollte. Der nahm die Aufspielerei allerdings nicht ernst – und konnte schließlich auch passieren.

Weil der Mann keine Anzeige erstattete, ist Polizeisprecher Holger Bienert im Aalener Präsidium von einem solchen Vorfall nichts bekannt. Allerdings habe ein Beutelsbacher Anwohner Anzeige gegen einen Sicherheitsbediensteten gestellt: Dieser soll ihn im Streit an einer Straßensperre beleidigt haben.

Kulturamtschef Beglau: "Die Sicherheitskräfte sind auch nur Menschen"

Bei Jochen Beglau, Pressesprecher und Kulturamtsleiter der Stadt Weinstadt, ist zur Riesenveranstaltung in den Weinbergen vor allem Lob angekommen. „Das Verkehrskonzept ist hervorragend aufgegangen. Nur vereinzelt melden sich Leute, die nicht durchgekommen sind oder erst diskutieren mussten“, sagt er. Anwohner seien in der Regel von den Sicherheitskräften zu ihren Häusern durchgelassen worden – was natürlich andere dazu veranlasst habe, sich als Anwohner auszugeben, zum Leidwesen der Securitys. Beglau: „Die Sicherheitskräfte sind auch nur Menschen.“

Kein Verkehrschaos wie im letzten Jahr

Der wichtigste Punkt für den Kulturamtsleiter ist aber, dass sich das Verkehrschaos vom vergangen Jahr nicht wiederholt hat. Damals war der ganze Weinstädter Stadtteil zugeparkt gewesen, „nicht mal die Feuerwehr wäre durchgekommen“. Deshalb hatte das Rathaus in diesem Jahr auch alle Wege in die Weinberge oberhalb der Post- und Stuttgarter Straße mit Sperren versehen und für die Anreise der Tausenden Besucher mit dem VVS kooperiert. Mindestens 3500 bis 5000 von insgesamt rund 12 000 Besuchern seien mit der Bahn angereist, sagt Beglau. „So wurde sehr viel Druck von Beutelsbach genommen.“ Auch nach der Veranstaltung, als der Besucherstrom ohne Ampelregelung mit Hilfe der Polizei durch den Ort zurück auf die Bundesstraße geleitet wurde.

Sperrungen sollen nächstes Jahr früher kommuniziert werden

„Wir haben da eine Herkulesaufgabe gemeistert“, resümiert Beglau, der mit der Mammut-Veranstaltung mehr als zufrieden ist. Die Anwohner-Beschwerden nimmt er dennoch ernst: „Wir sind wegen der vielen Sicherheitsauflagen mit dem Verkehrskonzept erst recht spät an die Öffentlichkeit gegangen.“ Beim Kirbemarkt würden drei Straßenzüge komplett gesperrt, ohne Probleme, weil die Anwohner schon genau wüssten, was sie erwarte. Beglaus Lehre daraus: „Nächstes Jahr werden wir die Sperrungen früher kommunizieren.“

Den Kommentar unseres Redakteurs Sebastian Striebich lesen Sie in der gedruckten Mittwochausgabe der Waiblinger Kreiszeitung oder im ePaper


Wein statt Wodka

In den Weinbergen selbst blieb es laut Kulturamtschef Jochen Beglau friedlich – keine Schlägereien, keine Pöbeleien und nur sehr wenige leere Schnapsflaschen zwischen den Reben. Für Halbstarke auf Sauftour scheint das Fest wenig Reiz zu haben, was auch an den erhöhten Eintrittspreisen liegen könnte. Die Standbetreiber freuten sich laut Beglau über ein „sehr angenehmes Publikum“.