Waiblingen

Maske tragen mit Hörgerät: Tückisch - die schwerhörige Marianne Matysiak berichtet über ihren Alltag

Schwerhoerigkeit
Marianne Matysiak und ihr Mann Herbert Matysiak. © Gaby Schneider

Mit 26 Jahren wurde Marianne Matysiak schwerhörig. Vor allem zu Beginn sei es schwierig gewesen, damit umzugehen. Heute engagiert sich die 70-Jährige im Förderkreis zur Integration von Schwerhörigen und Ertaubten (Fische). Offen spricht sie darüber, wie sie selbst schwerhörig wurde und wie das Maskentragen den Alltag von Betroffenen wie ihr verändert hat.

Im Wohn- und Esszimmer der Matysiaks in Weinstadt stehen viele Bilder ihrer Kinder und Enkelkinder. Die beiden haben drei leibliche Kinder und ein Pflegekind, das bei ihnen aufwuchs. Zur Familie gehören außerdem elf Enkelkinder. Da wird es richtig laut und quirlig, wenn alle zusammenkommen. Eine typische Situation, die für Menschen mit Schwerhörigkeit extrem schwierig ist. Alle reden durcheinander, bei all dem Hintergrundlärm ist es für Marianne Matysiak schwer, dem Geschehen zu folgen. Es sind Themen wie dieses, über die sich die Betroffenen in der Selbsthilfegruppe austauschen können.

Was Schwerhörige erleben

„Zurzeit ist mein Hörgerät sehr gut eingestellt“, erzählt Marianne Matysiak erleichtert. Sie kann ihre Gesprächspartner trotz Maske verstehen. Viele Schwerhörige sind aber auf die Mimik und die Lippenbewegungen des Gegenübers angewiesen. Marianne Matysiak erzählt beispielsweise von einer betroffenen Freundin, die versucht hat, ihre Ärztin davon zu überzeugen, die Maske abzunehmen, weil sie ansonsten fast nichts versteht. Nur mit Widerwillen war diese angeblich dazu bereit.

Maskengegner seien sie trotz allem aber nicht. Vor allem, weil viele Menschen mit Schwerhörigkeit zu den älteren Menschen in der Gesellschaft gehören, sei es wichtig, Vorsicht walten zu lassen. Die transparenten Plastikvisiere, die von manchen getragen werden, seien leider keine echte Alternative. Im Kampf gegen die Aerosole in der Luft gelten sie als weniger gut geeignet.

Hörgeräte gehen mit Maske leichter verloren

Das fehlende Lippenlesen ist nicht das einzige Problem, das sich aus dem Maskentragen ergibt. Die oft sehr kleinen Hörgeräte, die nur wenige Gramm wiegen, verheddern sich gerne mit der Maske und fallen dann beim Auf- und Absetzen des Schutzes raus. Laut dem Ehepaar sei deshalb die Anzahl der verlorenen Hörgeräte seit der Corona-Krise gestiegen. Das ist ärgerlich, denn ein neues Gerät kostet oft Hunderte Euro.

Deshalb ist es umso wichtiger, dass Finderinnen und Finder richtig reagieren. Sie sollten die Geräte zum nächsten Hörgeräteakustiker bringen. Dort können sie anhand einer Nummer dem Träger zugeordnet werden. Alternativ können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Fundbüro helfen.

Millionen sind betroffen

Mehrere Millionen Menschen in Deutschland sind hörbeeinträchtigt. Der deutsche Schwerhörigenbund schätzt, dass über 13 Millionen Menschen betroffen sind. Über eine Million davon ist hochgradig schwerhörig oder sogar an Taubheit grenzend schwerhörig. „Die kennt aber keiner“, sagt Herbert Matysiak. Viele Menschen isolieren sich, wenn sie nur noch wenig hören, oft haben Betroffene das Gefühl, dass über sie geredet wird, können Gesprächen kaum noch folgen, erklärt das Ehepaar.

Marianne Matysiak ist seit der Geburt ihres zweiten Kindes schwerhörig. Erst 26 Jahre alt war sie, als sie ihre Diagnose bekam. Wer von Geburt an betroffen ist, wird als gehörlos bezeichnet, wer einmal gehört hat, ist schwerhörig oder sogar ertaubt, erklärt Herbert Matysiak. Drei Jahre verweigerte sich seine Frau einem Hörgerät. Als sie aber ein Jobangebot in einem Kindergarten bekam, entschied sie sich schließlich doch dazu. Heute ist sie erleichtert und steht zu dem Gerät an ihrem Ohr. Zeitweise hatte sie sogar kleine Schmucksteinchen daran, erinnert sie sich.

Demenz kann mit der Schwerhörigkeit einhergehen

Viele Betroffene wollen sich es nicht eingestehen, dass sie ein Hörgerät brauchen, wollen nicht zu der Einschränkung und einem Gerät stehen. Doch dies sei sehr problematisch, erklären die beiden Weinstädter. Studien hätten gezeigt, dass Menschen, die kaum etwas hören, auch eher an einer Demenz erkranken. Und auch von den ganz kleinen, zierlichen Hörgeräten halten die beiden wenig, sie sind zwar besonders unauffällig, aber vor allem für ältere Menschen schwierig zu bedienen.

Marianne Martysiaks Botschaft an andere Betroffene ist daher: Steh zu der Schwerhörigkeit. Denn wenn Gegenüber das Hörgerät sehen, dann wissen sie auch um die Einschränkung. Denn auch mit Gerät hören Schwerhörige anders als die meisten Menschen, die Geräte können nur bestimmte Bereiche verstärken. Darauf heißt es Rücksicht zu nehmen.

Mit 26 Jahren wurde Marianne Matysiak schwerhörig. Vor allem zu Beginn sei es schwierig gewesen, damit umzugehen. Heute engagiert sich die 70-Jährige im Förderkreis zur Integration von Schwerhörigen und Ertaubten (Fische). Offen spricht sie darüber, wie sie selbst schwerhörig wurde und wie das Maskentragen den Alltag von Betroffenen wie ihr verändert hat.

Im Wohn- und Esszimmer der Matysiaks in Weinstadt stehen viele Bilder ihrer Kinder und Enkelkinder. Die beiden haben drei leibliche

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