Waiblingen

Materialengpass: Landratsamt-Bau am Alten Postplatz in Waiblingen wird erneut teurer

LRATiefgarageKreistag
Der Stand der Landratsamt-Baustelle am 1. April. © Gaby Schneider

Die Erweiterung des Landratsamtes in Waiblingen droht zur Kostenfalle zu werden. Noch während der Abriss der Parkgarage im Gange ist und noch bevor die Rohbauarbeiten beginnen, ist das 55-Millionen-Euro-Budget für den Neubau gesprengt. Zähneknirschend haben die Kreisräte bei ihrer Sitzung in Auenwald der Vergabe des Rohbaus zugestimmt.

Die Abrissbagger am Alten Postplatz haben Fakten geschaffen, der „Point of no Return“ sei erreicht, erklärten Landrat Richard Sigel und sein Finanzdezernent Peter Schäfer. Jetzt gilt es in den sauren Apfel zu beißen und zu hoffen, dass sich der Markt nach den exorbitanten Preissteigerungen der letzten Wochen und Monate wieder etwas beruhigt.

„Vergabeentscheidung Rohbauarbeiten Erweiterungsbau auf dem Parkdeck am Alten Postplatz 10 in Waiblingen“ nannte sich ganz harmlos der Tagesordnungspunkt bei der Sitzung des Kreistages. Doch Top 4 barg einige Brisanz. Der Ukrainekrieg hat den Baumarkt kräftig durchgewirbelt. Der Verband der Bauindustrie befürchtet massive Folgen für die Bautätigkeit aufgrund von gravierenden Materialpreissteigerungen und drohenden Lieferengpässen.

Preise sind seit Januar um circa ein Drittel gestiegen, so der Finanzchef

Finanzdezernent Schäfer bezifferte die Preiserhöhungen seit Januar 2022 mit 28 bis 35 Prozent, nachdem schon die Coronapandemie die jährlichen Preissteigerungsraten auf dem Bau von vier auf über sieben Prozent im Jahr getrieben hatte.

Die Baubranche hat kürzlich Baustopps für eine Vielzahl von Projekten nicht mehr ausgeschlossen. „Wir können heute nicht sicher sagen, ob genügend Material für alle Baustellen in Deutschland vorhanden sein wird“, erklärte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauindustrie, über die Unsicherheiten in der Branche. Die größte Sorge der Baufirmen ist, auf den unwägbaren Preissteigerungen für Material und Energie sitzenzubleiben. Auf die erste Ausschreibung des Rohbaus hin hatte sich tatsächlich kein Anbieter gefunden. Bei der zweiten Ausschreibung lockte der Rems-Murr-Kreis immerhin vier Baufirmen an, nachdem ihnen Gleitklauseln für Material und Energie versprochen wurden. Eine von der Bauindustrie gewünschte Lösung, die Risiken von den Baufirmen weg hin zum Bauherren zu übertragen.

Rohbau: 20 Prozent mehr als kalkuliert

Unterm Strich kostet jetzt der Rohbau durch die Leonberger Baufirma Moser elf Millionen Euro - glatt 20 Prozent mehr als ursprünglich kalkuliert. Der Puffer im 55-Millionen-Euro-Budget von 2,8 Millionen Euro ist vervespert. Und die weiteren Vergaben für Fenster und Fassaden, für Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik sowie Elektrik versprechen nichts Gutes. Jetzt lautet das Motto: Augen zu und durch. Denn dass die Baupreise wieder sinken, erscheint illusorisch.

Armin Mössner, der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, erinnerte an die Sitzung im Sommer 2021, als der Kreistag den Neubau auf dem Parkdeck beschlossen hat. Damals wurde den Kreisräten eine Rechnung präsentiert, dass Neubauten und Sanierung des Landratsamtes in Waiblingen auf Dauer den Rems-Murr-Kreis billiger kommen als die Anmietung von über das ganze Stadtgebiet verstreuten Bürogebäuden. Ein Dreivierteljahr später ist diese Rechnung Makulatur.

Weil der Erweiterungsbau jetzt aber nicht mehr zu stoppen ist, regte Mössner an, sich Gedanken über die geplante Renovierung des Sitzungssaals im Altbau des Landratsamtes auf den 1950er Jahren zu machen. Mit 7,8 Millionen Euro erscheint ihm diese Sanierung sowieso überteuert. Vermutlich ist jedoch auch bei dieser vor dem Krieg in der Ukraine getroffenen Schätzung das letzte Wort nicht gesprochen.

Holz, Recycling-Beton, Regenwassernutzung

Preisexplosion hin oder her: Die Kreisverwaltung versuchte den Kreisräten den sauren Apfel Neubau mit Verweis auf den Klimaschutz ein bisschen schmackhafter zu machen. Der Erweiterungsbau sei ein „wichtiger Baustein zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2030“, hieß es in der Vorlage: CO2-Neutralität im Betrieb, umweltfördernde Materialien wie Holzhybridkonstruktion und Recyclingbeton, Biodiversität, Regenwassernutzung, großflächige Fotovoltaikanlagen sowie innovatives Mobilitätskonzept.

Und noch ein Bonbonle versüßte den Kreisräten die bittere Vergabe des Rohbaus. Der andere Neubau in der Röte-/Emil-Münz-Straße in Waiblingen ist im Endspurt. Er kann etwas zeitverzögert im Frühjahr 2013 bezogen werden und liegt mit 26,3 Millionen Euro im Budget. Fast zumindest. Über 2,9 Prozent Mehrkosten kann Finanzdezernent Peter Schäfer beim Blick aus dem Fenster in die Baugrube des ehemaligen Parkdecks nur lachen.

Die Erweiterung des Landratsamtes in Waiblingen droht zur Kostenfalle zu werden. Noch während der Abriss der Parkgarage im Gange ist und noch bevor die Rohbauarbeiten beginnen, ist das 55-Millionen-Euro-Budget für den Neubau gesprengt. Zähneknirschend haben die Kreisräte bei ihrer Sitzung in Auenwald der Vergabe des Rohbaus zugestimmt.

Die Abrissbagger am Alten Postplatz haben Fakten geschaffen, der „Point of no Return“ sei erreicht, erklärten Landrat Richard Sigel und sein

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