Waiblingen

Maxims Traum vom Showgeschäft

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Maxim will als Rapper „Ahoue“ in die Charts. Seine Single „Boujaka“ erscheint am 29. April. © Jamuna Siehler

Waiblingen. In Waiblingen hat Maxim Nyamsi bereits Promi-Status. Sogar OB Andreas Hesky sahnt bei Facebook gerne „Gefällt mir“-Angaben für Fotos mit dem 18 Jahre alten Jugendgemeinderatsvorsitzenden ab. Nun möchte der Tausendsassa unter seinem Künstlernamen „Ahoue“ auch die Musikwelt erobern. Die erste Single des Rappers erscheint Ende April.

Waiblingen. In Waiblingen hat Maxim Nyamsi bereits Promi-Status. Sogar OB Andreas Hesky sahnt bei Facebook gerne „Gefällt mir“-Angaben für Fotos mit dem 18 Jahre alten Jugendgemeinderatsvorsitzenden ab. Nun möchte der Tausendsassa unter seinem Künstlernamen „Ahoue“ auch die Musikwelt erobern. Die erste Single des Rappers erscheint Ende April.

Jugendhaus Villa Roller, Erdgeschoss: Maxim Nyamsi (18) und ein Kumpel halten die Controller einer Spielkonsole in den Händen. Auf dem Bildschirm jagt die virtuelle Kopie von Fußball-Superstar Cristiano Ronaldo dem Ball hinterher – Maxim steuert Real Madrid. Groß denken, dass ist die Devise des 18-Jährigen, selbst beim Zocken. Insbesondere gilt das aber für seine Karriere als Rapper. Ende April kommt Maxims erste Single „Boujaka“ auf den Markt. Unter dem Pseudonym „Ahoue“ will der 18-Jährige die Charts erobern.

Einige Meter weiter reicht Michael Denzel eine Colaflasche über den Tresen. „Dass er so weit kommt, hätte ich nicht gedacht“, sagt der Sozialarbeiter. Er kennt Maxim seit vielen Jahren. „Es ist bewundernswert, welche Fortschritte er gemacht hat.“

Rückblende, Sommer 2013, Obergeschoss der Villa Roller: Maxim, gerade 15 Jahre alt, rappt einen Text ins Studio-Mikrofon. Michael Denzel sitzt am Mischpult. Der Sozialarbeiter bietet Nachwuchsbands eine Möglichkeit, ihre Songs im Jugendhaus aufzunehmen. Maxim und sein Kumpel, ein Ukrainer, kommen erst seit kurzem für ihre Aufnahmen vorbei. Ambitioniert, aber ziemlich holprig klingt ihr Rap. Seinen „Flow“, den Wortfluss im Sprechgesang, muss sich Maxim erst noch erarbeiten. Er rappt auf Deutsch über ein Mädchen, das ihm „das Herz gebrochen“ hat. Songtitel: „Das Mädchen“. Es folgen erste kleine Auftritte auf Schulfesten.

Zurück im Jahr 2016: Das Video-Fußballspiel ist beendet. Maxim legt seine goldene Uhr an – fürs Zeitungsfoto, ein bisschen Posieren gehört dazu. Zum anschließenden Gespräch geht’s wieder dorthin, wo er damals den Herzschmerz-Song aufgenommen hat, hinauf ins Roller-Studio. Musik macht er mittlerweile in professionelleren Studios, erzählt Maxim. In letzter Zeit war der 18-Jährige viel unterwegs, gemeinsam mit der Waiblinger Sängerin Lisa Zander (16). Unter anderem in Köln und Berlin sind die beiden aufgetreten, organisiert vom Medienriesen Ufa. Auf Maxim wurden die Ufa-Leute aufmerksam, als er bei einem RTL-Casting auftauchte, um vor Dieter Bohlen zu rappen. Den Plan hat er allerdings verworfen – ein Rapper, den man aus einer Castingshow kennt, wirke unglaubwürdig.

Doch seit dem Casting begleiten die Ufa-Manager ihn, verschaffen ihm Auftritte, suchen eine musikalische Heimat für den Waiblinger. Sein erster Song, den man auf den gängigen Internet-Plattformen anhören und kaufen kann, erscheint Ende April über das kleine Plattenlabel „Rap Shot“. Stolz hat er auf Facebook ein Bild von der Vertragsunterzeichnung gepostet: „Ich will in die Top 100 der iTunes-Charts“, sagt er. Und träumt schon davon, irgendwann bei einer ganz großen Musikfirma zu landen. Wie gesagt, Maxim denkt groß.

Er weiß, wie es ist, sich fremd zu fühlen

Und er hat ohne Zweifel Potenzial. Seine französischen Raps gehen ihm sehr viel flüssiger über die Lippen als seine ersten Versuche auf Deutsch vor einigen Jahren. Er hat eine starke, markante Stimme bekommen und eine spannende Lebensgeschichte zu erzählen. Seine Texte drehen sich stets um sein Leben, seine bewegte Welt. Er weiß, wie es ist, sich fremd zu fühlen, als Dunkelhäutiger im Schwabenland, ohne Deutschkenntnisse. Vor sieben Jahren ist er seinem Vater hierher gefolgt. Mittlerweile ist er zum Waiblinger Aushängeschild für gelungene Integration geworden. Das zeigt sich zum Beispiel, wenn er mit Oberbürgermeister Andreas Hesky ein Schild gegen Rassismus einweiht. Maxim ist ein einnehmender, sympathischer Typ, der sich zu inszenieren weiß und die Extravaganz des Showbusiness liebt. Der aber betont: „Ich bin immer noch kein Paradiesvogel. Ich mache meine Ausbildung bei der Volkshochschule.“

Auch wenn seine Noten derzeit etwas leiden, wahrscheinlich unter den vielen Projekten, die ihn stets in Bewegung halten. Er ist als Vorsitzender des Jugendgemeinderats gefordert, betreut außerdem bald Flüchtlinge bei einem städtischen Integrationsworkshop (siehe Infobox). Außerdem hat er jahrelang auf Top-Niveau geboxt und es bis zum Süddeutschen Meister geschafft, ehe eine Herzmuskelentzündung in zurückwarf – ein weiteres Thema, das Maxim alias Ahoue in seiner Musik verarbeiten wird.

Rap mit Flüchtlingen

Hip-Hop-Musik verbindet – das weiß offenbar auch der Leiter des Kulturamts bei der Stadt Waiblingen, Thomas Vuk. Er hatte die Idee, Flüchtlinge zu einem Rap-Workshop einzuladen. Das ambitionierte Ziel: In der Villa Roller soll ein gemeinsamer Song geschrieben, aufgenommen und auf dem Altstadtfest präsentiert werden.

Vuks Ansprechpartner: Rapper Maxim. Der 18-Jährige wird das Projekt leiten und den Waiblinger Flüchtlingen dabei helfen, ihre Emotionen in einen Raptext zu packen. „Ich kann ihre Situation nachvollziehen“, sagt Maxim, dessen Vater vor vielen Jahren selbst als Flüchtling um seinen Aufenthaltsstatus bangte, „aber ich musste zum Glück nie Angst haben, abgeschoben zu werden.“