Waiblingen

Mehr Einsätze für Retter: Was das für Feuerwehr Waiblingen und DRK bedeutet

Personalmangel
Die Waiblinger Feuerwehr führt eine Übung durch. © Gaby Schneider

Wenn es um Leben und Tod geht, sind sie zur Stelle: die Rettungsdienste im Rems-Murr-Kreis. Dazu zählen auch die Freiwillige Feuerwehr Waiblingen und das Deutsche Rote Kreuz Rems-Murr (DRK). Rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag, stehen die Einsatzkräfte auf Abruf bereit.

Das bedeutet aber auch, dass genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorhanden sein müssen. Material gebe es genügend, sagt Kommandant Jochen Wolf von der Waiblinger Feuerwehr. Er misst dem Faktor Mensch die größte Bedeutung zu. Ohne den Menschen könne kein Material bedient und in Folge keine Hilfe geleistet werden.

„Wir müssen viel dafür tun“

Die Freiwillige Feuerwehr Waiblingen ist dezentral organisiert. „Wir haben insgesamt sechs Abteilungen, jeweils eine in der Kernstadt und in den Ortschaften“, sagt Jürgen Aldinger. Aktuell hat die Wehr 360 Ehrenamtliche sowie elf hauptamtliche Mitglieder, die bei der Stadt Waiblingen beschäftigt sind. Im Gegensatz zu der Berufsfeuerwehr tragen hier die Ehrenamtlichen dazu bei, dass im Ernstfall ausgerückt werden kann. Die Personallage sei derzeit stabil, so Wolf.

Aber: „Wir müssen viel dafür tun, um das aufrechtzuerhalten“, sagt Jochen Wolf. Viele Einflussfaktoren sorgen dafür, dass die Ehrenamtlichen nicht immer zur Verfügung stehen. „Manche sind im Urlaub, am Arbeitsplatz oder krank“, sagt Jürgen Aldinger, der fünfzehn Jahre stellvertretender Kommandant war und Mitglied in der Abteilung Beinstein ist. Wohnort, Jobwechsel oder die familiäre Situation tragen dazu bei, dass die Freiwilligen nicht immer flexibel sind. Die Corona-Pandemie habe einen Vorteil gebracht: „Viele haben im Home-Office gearbeitet und waren direkt vor Ort“, sagt Jochen Wolf.

Grundsätzlich gilt: Geht ein Alarm ein, wird die dreifache Anzahl an benötigten Einsatzkräften angepiept. Dieses System habe sich bewährt, so der Kommandant. Bei einer Alarmierung gelte immer der Grundsatz: „In zehn Minuten mit einem Löschfahrzeug vor Ort zu sein.“

Schon über 300 Einsätze in diesem Jahr

„Feuerwehrgewerkschaft beklagt Überlastung bei Feuerwehren bundesweit“, titelte die Tagesschau kürzlich. Es fehle an Rettungsmitteln – egal ob auf Löschfahrzeugen oder in Rettungswagen – oder an Nachwuchs, wird der Pressesprecher der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft, Tobias Thiele, zitiert. Zudem habe die Zahl der Einsätze mit den Jahren zugenommen. So ist es auch in Waiblingen. Vor zehn bis fünfzehn Jahren habe die durchschnittliche Anzahl an Einsätzen im Jahr zwischen 100 und 150 gelegen. In diesem Jahr liegt die Wehr schon deutlich darüber: „Wir haben August und jetzt schon über 330 Einsätze“, sagt Jochen Wolf.

Der Anstieg der Einsatzzahlen hat unterschiedliche Gründe. „Die Selbsthilfefähigkeit der Menschen hat abgenommen“, sagt Jürgen Aldinger. Zum anderen werde die Feuerwehr zur Unterstützung von Rettungseinsätzen hinzugerufen. „Ein Beispiel ist die Türöffnung“, sagt Kommandant Wolf. Daneben gebe es mehr Einsätze durch Fehlalarme von automatischen Brandmeldeanlagen oder Rauchmeldern.

Bagatellen frustrierend für DRK-Retter

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) verzeichnet im Rems-Murr-Kreis ebenfalls eine deutlich höhere Anzahl an Alarmierungen. „Wir fahren immer mehr Einsätze“, sagt Marco Flittner, Rettungsdienstleiter beim DRK Rems-Murr. Bei den Einsätzen handle es sich nicht immer um Fälle, die unter den Bereich der Notfallmedizin fallen. „Vieles könnte in einer hausärztlichen Beratung geklärt werden“, sagt Flittner. Solche letztlich unnötigen Einsätze seien für die Mitarbeiter frustrierend. „Das Personal ist für den Notfall ausgebildet“, betont der Rettungsdienstleiter.

Aktuell arbeiten 222 Mitarbeiter im Rettungsdienst: 166 Frauen und Männer in der Notfallrettung, 25 im Krankentransport und 31 in der integrierten Leitstelle. Viele Mitarbeitende arbeiten in Teilzeit. Das trage zu einer stabilen Personalsituation im Rettungsdienst bei, so Flittner. „So lässt sich der Beruf mit der Familie vereinbaren.“

Viele Beschäftigte kommen nach einer Pause wieder zurück in den Beruf und arbeiten weniger Stunden. „Teilzeit bedeutet einen hohen Verwaltungsaufwand“, sagt der Rettungsdienstleiter. Diesen nehme das DRK in Kauf. Bei einem Personalengpass können sich die Mitarbeiter untereinander aushelfen. Beschäftigte der Funktionsstellen springen dort ein, wo Not am Mann sei. So könne es sein, dass der Wachenleiter einer großen Leitstelle im Regeldienst einspringe. Gerade in der Hoch-Corona-Phase hätten die Beschäftigten Zusatzdienste fahren müssen.

Ausfälle durch Nebenwirkungen der Corona-Schutzimpfung

Die höchste Priorität im Rettungsdienst sei die Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben, so Flittner. Darunter fällt etwa die Zahl der Rettungskräfte und Fahrzeuge, die bereitstehen müssen. „Das erfüllen wir trotz Corona“, sagt Marco Flittner. Er wünsche sich mehr Verständnis dafür, wenn deshalb bürokratische Dinge wie das Erstellen einer Statistik liegenbleiben.

Gegen Corona geimpft sind fast alle Beschäftigte im Rettungsdienst. Ausfälle durch Covid-Erkrankungen seien weniger das Problem, sagt Marco Flittner. „Die Ausfälle nach den Corona-Schutzimpfungen haben uns mehr zu schaffen gemacht.“

An Nachwuchs mangelt es im Rettungsdienst nicht - weder beim Deutschen Roten Kreuz noch bei der Waiblinger Feuerwehr. Auf 13 Ausbildungsplätze im Rettungsdienst kommen 300 Bewerber, so der Rettungsdienstleiter. „Für mehr Azubis haben wir keinen Platz in unseren Fahrzeugen“, sagt er. Auch bei der Feuerwehr kommen viele Nachwuchskräfte nach. „Bereits ab zehn Jahren starten wir mit der Ausbildung“, sagt Jürgen Aldinger mit Blick auf die Jugendfeuerwehr.

Wenn es um Leben und Tod geht, sind sie zur Stelle: die Rettungsdienste im Rems-Murr-Kreis. Dazu zählen auch die Freiwillige Feuerwehr Waiblingen und das Deutsche Rote Kreuz Rems-Murr (DRK). Rund um die Uhr, 24 Stunden am Tag, stehen die Einsatzkräfte auf Abruf bereit.

Das bedeutet aber auch, dass genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorhanden sein müssen. Material gebe es genügend, sagt Kommandant Jochen Wolf von der Waiblinger Feuerwehr. Er misst dem Faktor Mensch die größte

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