Waiblingen

Mehrheit gegen grünes Hochhaus

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So sieht der Entwurf der Architekten Steinhoff und Haehnel aus, der auf der Korber Höhe gebaut werden könnte. © Steinhoff-Haehnel

Waiblingen. Als architektonisches Highlight und ökologisches Vorzeigeprojekt war es gedacht, doch dann ist der Plan von einem Grünen Hochhaus auf der Korber Höhe heftig ins Wanken gekommen: Zwei Investoren zogen aufgrund zahlreicher Zweifler im Rat ernüchtert zurück. Nun präsentiert die Stadtverwaltung einen neuen Investor. Doch die Zustimmung des Gemeinderats ist unwahrscheinlicher denn je: Von CDU, Freien Wählern und ALi liegen bereits Anträge vor, den Plan zu begraben.

Mit dem Stuttgarter Projektentwickler Archy Nova präsentiert Oberbürgermeister Andreas Hesky in der kommenden Sitzung des Gemeinderats einen weiteren Investor, der den Entwurf der Architekten Steinhoff und Haehnel umsetzen will. Entstehen sollen anstelle von teuren Eigentumswohnungen aber vorzugsweise genossenschaftliche Mietwohnungen sowie kostengünstiger Mietwohnungsbau – ein Mix, der nach Ansicht der Stadtverwaltung in der Stadt nachgefragt wird und an diesem Standort sozial verträglich realisiert werden könnte. Letzteres vor allem deshalb, da die Mietpreise für die normalen, nicht vergünstigten Wohnungen wegen der wirtschaftlichen Bauweise und hohen Energieeffizienz auf dem üblichen Niveau eines hochwertigen Neubaus liegen sollen (Warmmiete bis 13 Euro pro Quadratmeter). Solche kostengünstige standardisierten Wohnungen könnten nach Ansicht des Oberbürgermeisters eine gute Lösung für das Grüne Hochhaus sein.

Hochhaus soll bundesweit Beachtung finden

Dass der Gegenwind aus dem Rat heftig ist, weiß Andreas Hesky durchaus. Die Verwaltung werde an dem Projekt aber festhalten, sagte er auf Anfrage der Zeitung. Auf dem Grundstück könnte eine Marke für die Korber Höhe und ein städtebauliches Ausrufezeichen für ganz Waiblingen entstehen. Darüber hinaus könnte es aber auch bundesweit Beachtung finden: Einer ökologisch interessierten Bevölkerungsgruppe würde Gelegenheit gegeben, ihre Vorstellungen einer nachhaltigen Lebensweise auch in einem Hochhaus zu verwirklichen, wirbt die Verwaltung auch in den Sitzungsunterlagen für den Gemeinderat.

Ob sich dieser vom Konzept noch überzeugen lässt, ist allerdings höchst ungewiss. In den bisherigen nicht-öffentlichen Vorstellungsrunden ist der Funke jedenfalls ganz offensichtlich nicht übergesprungen. „Die Ideen und das Konzept „Minimalist“ des eingesprungenen Projektentwicklers Archy Nova konnten für den Standort Waiblingen leider nicht durchgängig überzeugen, weshalb wir derzeit keine Möglichkeit sehen, das Projekt politisch durchzusetzen“, schreibt DFB-Chef Wilfried Jasper im Antrag der Demokratischen Freien Bürger: Vom Grünen Hochhaus solle Abstand genommen werden, das Grundstück derzeit nicht anderweitig überplant werden. Das Ende des Projekts ist auch für die CDU gekommen: Die Erfahrungen aus dem Investoren-Wettbewerb und dessen negativer Ausgang hätten gezeigt, dass die Realisierung mit nicht verantwortbaren Risiken und extrem hohen Kosten verbunden sei, schreibt CDU-Chef Siegfried Kasper. Und auch der neue Investor habe kein überzeugendes Konzept präsentieren können. Wenig überzeugend findet auch FDP-Sprecherin Julia Goll die Pläne der Archy Nova: „Ich habe das Projekt von Anfang abgelehnt, und es ist nicht besser geworden.“ Waiblingen brauche kein grünes Hochhaus an einer Stelle, an der es rundum grün sei. Natürlich könne das Projekt eine großartige Sache werden, aber auch ein großartiger Reinfall. Goll: „Wir sind nicht überzeugt.“

Noch grundsätzlicher wird die ALi-Fraktion, die schon die Suche nach einem weiteren Investor ohne offenes Verfahren nicht hinnehmbar findet. Nach dem Rückzug der Investoren sei das Verfahren für die Ali-Fraktion beendet, schreibt Alfonso Fazio in seinem Antrag, auf den Bau zu verzichten. Sollte am grünen Hochhaus weiter festgehalten werden, bedeute dies nur einen Zeitverlust bei der möglichen Nutzung des Grundstücks für den Bau kostengünstiger Wohnungen.

SPD warnt vor einem Billigmietshaus

Mittlerweile haben sich aber auch Befürworter des Hochhaus-Baus zu Wort gemeldet. Mit dem Aus fürs Grüne Hochhaus drohe auch die Gefahr eines Billigmietshauses mit Einfachstwohnungen, warnt SPD-Chef Roland Wied. Für ihn sei es völlig unverständlich, dass sich ALi, DFB und CDU ohne breite öffentliche Diskussion bereits auf eine Verhinderungsstrategie festgelegt hätten. Der Bedarf für Wohnraum, auch für besonderen Wohnraum, sei unbestritten vorhanden, freie Bauflächen aber selten. Über die Gestaltung habe man sich bei diesem Objekt bereits genügend Gedanken gemacht. Nun müsse noch der Preis fürs Grundstück stimmen, das Hochhaus attraktiv gebaut werden und die Finanzierung gesichert sein.


Vorsichtig nach der Pleite:

Die Pleite des Gewa-Towers in Fellbach hat auch viele Waiblinger erschreckt. Oberbürgermeister Andreas Hesky verweist indes auf seiner Meinung nach entscheidende Unterschiede: So sei der Fellbacher Turm mit 34 Etagen und 107 Metern viel höher als das Grüne Hochhaus, das mit 18 Etagen und 56 Metern geplant ist. Zudem sei der Gewa-Tower bei den Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen, kritisiert Hesky.

Entscheiden wird der Gemeinderat am Donnerstag, 20. Juli. Beginn der Sitzung ist um 19 Uhr im Ratssaal.