Waiblingen

Mit Gartenschau-Gondel über die Rems

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Wie hier in der Montage könnte die Gondel über die Rems bei der Vogelmühle aussehen. © Büttner / ZVW; Luca Lorenzelli (

Waiblingen-Hohenacker. Kunstlichtung und Remskuben sind bisher noch die spektakulärsten Waiblinger Beiträge zur Gartenschau. Doch jetzt warten die CDU und die Freien Wähler Hohenacker mit einem überraschenden Vorschlag auf: Eine Gondelbahn soll Vogelmühle und Schützenhaus verbinden. Ein Spaß – aber OB Hesky findet’s gar nicht so abwegig.

„Dringend notwendig“ sei der Bau der Gondelbahn von der Vogelmühle zum Schützenhaus Hohenacker, eine Machbarkeitsstudie sei kurzfristig vorzulegen, fordern Dr. Hans-Ingo von Pollern und Sven Schlegel namens der CDU/FW-Fraktion. „Dies wäre ein weiteres Highlight im Rahmen der Interkommunalen Gartenschau 2019 und würde die Ortschaft Hohenacker besonders aufwerten.“

Barrierefrei und behindertengerecht von oben betrachten

Liebevoll formulieren die Initiatoren ihre Begründung aus: Das „Schwarze Remsle“ mit seiner herausragenden Vogel- und Pflanzenwelt könne nun auch barrierefrei und behindertengerecht von oben betrachtet werden. Flora und Fauna würden in ihrer Entwicklung nicht gestört. „Insbesondere könnte das von der Insekten- und Vogelwelt hervorragend angenommene Biotop am Schnecklesbrünnele ohne Störungen von oben eingesehen und betrachtet werden.“ Zur Erläuterung für Nicht-Ortskundige: Der Bach namens „Schwarze Rems“ fließt auf einer Länge von etwa 300 Metern parallel zur Rems und wird von mehreren Karstquellen aus den Muschelkalkschichten gespeist. Beim „Schnecklesbrünnele“ handelt es sich um ein Naturdenkmal mit Quellgebiet.

Hesky hält Spaßanträge für "nette Tradition"

Bevor jetzt angesichts solcher Seilbahn-Höhenflüge Naturschützern der kalte Schweiß ausbricht: Der Vorschlag ist nicht ernst gemeint. Im Datum vertan haben sich CDU und Freie Wähler indes auch nicht, der 1. April ist noch weit. Doch in den Ratsgremien läuft die Haushaltsrunde für 2018 – das genügt als Anlass. Vor einigen Jahren noch galten Spaßanträge als üblich. Einer beschäftigte sich mit den Toiletten im Ratssaal, ein anderer mit Erdöl-Bohrungen in 3000 Metern Tiefe. Nach der Haushaltsrunde verschwanden sie einfach in der Schublade. Enttäuscht zeigt sich Hans-Ingo von Pollern, weil sein Antrag, den er nicht als Satire oder Spitze gegen die Gartenschau verstanden wissen möchte, schon im Ortschaftsrat scheiterte.

Mit etwas mehr Mumm und Humor seitens des Gremiums hätte es die Idee doch wenigstens in den Gemeinderat schaffen können, um der Stadtverwaltung eine Stellungnahme abzuverlangen. „Wir haben uns meistens die Mühe einer schönen Antwort gemacht“, versichert Oberbürgermeister Andreas Hesky, der solche Spaßanträge für eine „nette Tradition“ hält. „Kommunalpolitik darf auch Spaß machen.“ Zur Spaßbremse wurde die Finanzkrise: Wegen der schmerzhaften Sparrunden machte der Gemeinderat selbst Schluss mit lustig.

Seilbahnen liegen für Sportliche im Trend

Inhaltlich kann der Rathauschef dem Antrag durchaus etwas abgewinnen. Wie attraktiv Seilbahnen sind, zeige der Umstand, dass der 1986 eingestellten Killesberg-Gondel heute noch nachgetrauert wird. Und in neuerer Zeit lägen Seilbahnen für Sportliche im Trend. Zwei Beispiele: Vom Kletterturm des Deutschen Alpenvereins Öhringen, errichtet zur Landesgartenschau 2016, können Besucher mit dem „Flying Fox“ (fliegender Fuchs) über den Fluss Ohrn segeln. Am Seil, mit Gurten und Karabinern gesichert wie Kletterer am Fels. Ähnlich in der Waiblinger Partnerstadt Baja in Ungarn, wo’s von einem Turm über die Segovica geht. Sprich: So etwas könnte der OB sich vorstellen. In den Urwäldern Mittelamerikas und Neuseelands können abenteuerlustige Touristen bei „Canopy“-Touren sogar durch die verschiedenen Etagen der Baumriesen schweben, ohne die Natur zu berühren. So sieht der OB in der Gondel von Hohenacker einen sinnhaften Kern: „Der Antrag schießt etwas über das Ziel hinaus – beflügelt aber dennoch.“


Die Kosten

Wie in Haushaltsanträgen üblich, macht die CDU/FW-Fraktion einen Vorschlag zur Finanzierung des Projekts. Als Deckungsvorschlag biete sich die abgesenkte Kreisumlage von 36,6 Prozentpunkten auf 35,6 Prozentpunkte in 2018, so dass Deckungsmittel in Höhe von 916 000 Euro vorlägen.

Betrachte man die Ersparnis als jährliche, erhöhe sich das mögliche Investitionsvolumen, ergänzt Ingo von Pollern. Zudem könne das Projekt zur Wirtschaftsförderung beitragen, wenn die Gondelnutzer die Gaststätte im Schützenhaus besuchen.