Waiblingen

Mitgliederschwund und belastende Vorschriften

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Katzenmama und Babys beim Tierschutzverein. © Laura Edenberger
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Katzenmama und Babys beim Tierschutzverein. © Laura Edenberger
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Katzenmama und Babys beim Tierschutzverein. © Laura Edenberger
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Katzenmama und Babys beim Tierschutzverein. © Laura Edenberger
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Die Katzenmama mit ihren Babys
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Werner Dietermann, Annemarie Werner (Mitte) und Christine Dalferth. © Benjamin Büttner
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Katzenmama und Babys beim Tierschutzverein.

Waiblingen. Der Tierschutzverein Waiblingen sucht Partner für eine Fusion. „Unsere Vision wäre, mit einem anderen Tierschutzverein im Kreis zusammenzuarbeiten“, sagt Schatzmeister Werner Dietermann. Der Grund: Alle Tierschutzvereine kämpfen mit Mitgliederschwund und steigenden Vorschriften, zudem könnte dann ein modernes und professionell ausgestattetes Tierheim gebaut werden.

„Jeder schafft vor sich hin, jeder macht sein Ding“, stellt Vereinchefin Annemarie Werner fest. Viel besser wäre es ihrer Ansicht nach aber, Tierschutz im großen Stil zu betreiben. „Wir können nicht alle Tiere aufnehmen. Schon deshalb macht es Sinn, zusammenzugehen.“ Das meint auch der Tierschutzbund Deutschland, demzufolge Tierheime erst ab einer Größenordnung von 200 000 Einwohnern sinnvoll betrieben werden können. Zwei große Tierschutzvereine im Rems-Murr-Kreis wären demnach die richtige Größe für eine zukunftsgerichtete Arbeit der Tierschützer.

In Waiblingen sucht man nach einem Tierheim derzeit noch vergeblich. Fundtiere werden in Privatwohnungen betreut, bis sie vermittelt werden können. Gleichzeitig schaffen sich immer mehr Menschen Tiere an, mit denen sie hinterher nichts anfangen können und die sie schnell loswerden wollen. Ob exotische Schlangen, Hunde, die Auslauf brauchen, oder Katzen, die beim Tierarzt plötzlich Geld kosten: Viele von ihnen landen beim Tierschutzverein.

Die Tiere müssen artgerecht untergebracht werden

Ohne ein Tierheim wird das auf Dauer nur schwer funktionieren, „aber ein Tierheim braucht Personal, auch fest angestelltes“, sagt Annemarie Werner. Die Tiere müssten artgerecht untergebracht, ihre Ansprüche regelmäßig befriedigt werden. Allein mit Ehrenamtlichen sei dies nicht zu machen, zumal das Ehrenamt wie in den meisten Vereinen zurückgehe. Schon jetzt kooperiert Waiblingen im kleinen Stil mit anderen Tierschutzvereinen wie Schorndorf, Großerlach, Heilbronn, um nur einige zu nennen. Die Tierschützer helfen sich gegenseitig, etwa wenn es um das nötige Fachwissen geht, um die Aufnahme von Tieren oder um die Vermittlung von Pflegestellen. Nun aber hat der Tierschutzverein Waiblingen für eine grundsätzliche Zusammenarbeit seine Fühler ausgestreckt. Die Vereinssatzung wurde Richtung Neuordnung bereits geändert, so dass eine Fusion formal jederzeit möglich ist.

Die endgültige Fusion müsse aber noch von der Mitgliederversammlung abgesegnet werden. Das ehrgeizige Ziel ist auf jeden Fall ein modernes und professionelles Tierheim. „Wir wollen was Großes machen, egal, wo es steht“, kündigt Annemarie Werner an. „Wenn wir die Fusion 2019 schaffen würden, wäre es toll.“

Die derzeitigen Pflegestellen soll das Tierheim nicht ersetzen, sondern ergänzen. „Manche Dinge kann ein Tierheim nicht leisten“, sagt Beisitzerin Christine Dalferth, die zu Hause in Neustadt eine Pflegestelle für Katzen unterhält. Bei ihr landen die Problemfälle, die eine besonders intensive Pflege brauchen. Kleine Katzen zum Beispiel, die alle zwei Stunden eine Flasche brauchen.

Ihr neuster Zuwachs sind eine etwa zweijährige Katzenmutter und ihre sechs Wochen alten Babys, die vor drei Wochen beim Tierschutzverein abgegeben wurden. Die Katzenkinder haben Glück, weil sie bei ihrer Mutter sind, von ihr gesäugt werden und vieles von ihr lernen können. Landen Tierbabys ohne Mutter beim Tierschutzverein, müssen sie von Hand aufgepäppelt werden.


Eine Katze legte 61 Kilometer zurück

Der Tierschutzverein Waiblingen hat derzeit 305 Mitglieder. Gut 25 von ihnen sind aktiv, das heißt, sie engagieren sich im Vorstand, bei Events und / oder kümmern sich bei den privaten Pflegestellen um die Fundtiere.

Für ihre Arbeit bekommen die Tierschutzvereine von den Kommunen jährlich 75 Cent pro Einwohner. Dazu kommen die Mitgliedsbeiträge und Spenden. In Waiblingen beträgt der Mitgliedsbeitrag 20 Euro im Jahr.

2017 wurden beim Tierschutzverein 340 Tiere abgegeben, versorgt und zum Teil weitergegeben. Zwei Drittel von ihnen waren Fundtiere. 160 freilaufende Katzen wurden 2017 gefüttert, versorgt und kastriert. Ein Fünftel der Tiere – Igel, Wildvögel oder auch frei lebende Katzen – wurden wieder ausgewildert.

Ein weiteres Fünftel der Fundtiere, die teilweise erstaunlich weite Wege zurücklegen, konnte wieder an die Besitzer zurückgegeben werden. „Vor kurzem wurde in Großheppach eine Katze gefunden“, so Annemarie Werner. Über Facebook wurde ein Foto des Ausreißers veröffentlicht. Am nächsten Tage meldete sich der Besitzer: „Der hat 61 Kilometer weit weg gewohnt“, erzählt die Vereinschefin.

Nach Angaben der Tierschützer nimmt die Zahl verwahrloster Tiere zu. Dies sei auch eine Folge des Tierhandels im Internet. „Da kriegst du alles“, sagt Werner Dietermann. „Und dann merken die Leute, dass die Tiere Arbeit machen und Kosten durch den Tierarzt verursachen.“