Waiblingen

Mobiler Sprit-Radar: Tankstellen-Apps im Test

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Im Test: Drei Apps zum Sparen an der Tankstelle. © Christine Tantschinez
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Ein Zapfsäulen-Symbol zeigt in der ADAC-App an, wo sich eine Tankstelle befindet.
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In der Listenansicht sucht die Clever-Tanken App nur nach Tankstellen in einem definierten Umkreis.
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Die Routenplanung kann in der Mehr-Tanken App nicht sinnvoll genutzt werden.

Waiblingen. Mit welcher App ist es am einfachsten beim Tanken zu sparen? Über sieben Tage haben wir drei ausgewählte Apps von ADAC, Clever-Tanken und Mehr-Tanken getestet. Fazit: In puncto Zweckmäßigkeit gibt es deutliche Unterschiede.

Eins ist klar: Wer günstig tanken will muss planen. „Zum richtigen Zeitpunkt an der günstigsten Tankstelle zu sein kann bis zu 30 Cent pro Liter sparen“, behauptet Peter Hauk, Baden-Württembergs Verbraucherminister. Wo und wann der Sprit am günstigsten ist, erfährt man im Internet.

Drei Tankstellen-Apps im Test

Seit 2014 sind alle Tankstellen in Deutschland - das sind etwa 14 500 Stück, rund 80 davon im Rems-Murr-Kreis - gesetzlich dazu verpflichtet ihre Preise zu melden. Für die Kraftstoffsorten Super (E5), Super E10 und Diesel werden alle wichtigen Informationen samt Geokoordinaten in eine Datenbank eingespeist und können jederzeit minutenaktuell abgerufen werden.

Wer unterwegs informiert sein will, lädt sich am besten einer der Apps herunter, die vom Bundeskartellamt zugelassen sind. Dieses stellt auf seiner Internetseite eine Liste zur Verfügung. So ist es mit wenig Planungsaufwand möglich schnell auf besonders niedrige Preise zu reagieren.

Mit dem eingebauten Ortungsdienst zeigen sie Tankstellen in der Umgebung an und bieten teilweise die Möglichkeit sich eine Push-Mitteilung auf den Bildschirm schicken zu lassen, wenn die Preise besonders niedrig sind. Drei davon haben wir über eine Woche getestet.


ADAC-App

+ einfach bedienbar; integrierter Routenplaner; Daten über Karte oder Liste abrufbar; mehrere Spritsorten gleichzeitig wählbar; Option „fehlerhaften Preis melden“; Suchgebiet über Radius oder Kartenausschnitt wählbar

- keine Push-Benachrichtigungen; unübersichtlich wenn mehrere Spritsorten angezeigt werden

Die App des ADAC überzeugt mit ihrer Aufmachung. Beim Öffnen wird sofort eine Karte angezeigt, hier kann der Nutzer wählen, ob er den Ortungsdienst zur Suche im Umkreis verwenden will oder lieber selbst auf den passenden Kartenausschnitt vergrößert. Ein Zapfsäulen-Symbol zeigt an, wo sich eine Tankstelle befindet. Beginnt man die Suche auf der Liste, die man nach Preisen, Entfernung und alphabethisch ordnen lassen kann, leitet die App mit Tipp auf den Preis zur Karte weiter. Beim Berühren des dort angezeigten Tankstellen-Symbols öffnet sich eine Übersichtsseite mit dem Spritpreis und der Adresse. Dorthin kann man sich direkt innerhalb der App navigieren lassen.

Zusätzlich gibt es in der Listenansicht die Option „Favoriten“, hier ist es möglich die bevorzugten Tankstellen speichern. Wer sich über die App ans Ziel navigieren lässt, kann sich die Bezinpreise entlang einer vorher eingegebenen Route anzeigen lassen. Ohne großes Suchen lassen sich alle Anwendungen der App ganz einfach finden. Falls einmal ein falscher Preis in der App auftauchen sollte, gibt es einen Melde-Button. Was nicht geht: Bei besonders niedrigen Preisen eine Push-Benachrichtigung auf dem Sperrbildschirm schicken lassen. In der Listenansicht wird es schnell unübersichtlich, wenn mehrere Spritsorten ausgewählt sind.


Clever-Tanken

+ intuitive Bedienung; Push-Benachrichtungen für Preis-Alarm; Statistik über Preisverläufe; Städtevergleich für längere Strecken; öffnet das Ziel in Kartenapps, die auf dem Gerät installiert sind; Daten über Karte und Liste abrufbar; geringer Datenverbrauch

- nur eine Spritsorte einstellbar; nur Radiussuche; Karte nur bis zu einem bestimmten Grad verkleinerbar; Werbung

Mit ähnlichen Grund-Funktionen wie bei ADAC ist auch die Clever-Tanken-App einfach bedienbar. Besonders in Waiblingen und Umgebung unpraktisch: In der Listenansicht sucht die App nur nach Tankstellen in einem definierten Umkreis. Diese können zwar nach Preis und Entfernung sortiert werden, aber es landen auch Orte mit kurzer Luftlinien-Entfernung und längeren Fahrwegen mit Staugefahr wie Stuttgart und Esslingen auf dem Radar.

Wer nach der nächsten Tankstelle sucht, kann die Liste nach Entfernung vom eigenen Standort sortieren lassen, oder verwendet die Kartenansicht, die alle Tankstellen im gewählten Kartenauschnitt anzeigt. Mit Klick auf das Preis-Symbol gibt es Details zu Adresse und Entfernung. Tippt man auf die Details öffnet sich ein Menü mit weiteren Möglichkeiten wie Navigation über auf dem Gerät installierte Anwendungen.

Für das Tanken im Alltag eignet sich diese App besser als für Strecken, die man weniger gut kennt. Wer seine Lieblingstankstellen schon gefunden hat, kann sich diese als Favoriten einspeichern und bei besonders niedrigen Spritpreisen mit einer Push-Mitteilung alarmieren lassen. Positiv aufgefallen ist: Diese App verbraucht wenig Datenvolumen.


Mehr-Tanken

+ Push-Benachrichtungen für Preis-Alarm; integrierter Verbrauchsrechner; Rotenplaner integriert; Alter der Preise begrenzbar; Liste nach Preis, Entfernung, Öffnungszeiten und Postleitzahl sortierbar; übersichtliche Kartenansicht; viele Spritsorten, Erdgas und Strom

- nur Umkreissuche (funktioniert nicht bei definiertem Ort, nur per GPS); Tankstellen außerhalb des definierten Radius werden nicht angezeigt; Routenplanung navigiert nicht und zeigt keine Tankstellen an; Werbung

Diese App überzeugt auf den ersten Blick mit vielen Optionen. Bei genauerer Prüfung fällt aber auf, dass einige davon nicht sinnvoll nutzbar sind. Ein Routenplaner innerhalb einer Spritpreis-App sollte zumindest die Tankstellen in der Nähe der gewünschten Strecke zeigen und im besten Fall als Navigationssystem agieren. Das klappt hier leider nicht.

Erst wenn die einzelne Tankstelle über die Liste oder Karte auswählt, ist es möglich sich über auf dem Gerät installierte Karten-Apps zum Ziel führen lassen. Praktisch sind die Optionen für das Sortieren der Liste, besonders bei Nachtfahrten ist es sinnvoll, dass auch nach Öffnungszeiten sortiert werden kann. Auch lange nicht mehr geänderte Preise können ausgeschlossen werden. Schade: Die Routenplanung kann nicht sinnvoll genutzt werden, die Standard-Suchmaschine Google leistet hier wesentlich bessere Dienste.


Fazit: Kein eindeutiger Gewinner

Einen eindeutigen Sieger des Tests gibt es nicht. Wer sich in der Gegend auskennt und nur informiert werden will, wann das Benzin günstig ist, dem ist mit der Alarm-Funktion mit der Mehr-Tanken-App bestens bedient. Auch Elektro- und Gasantriebe werden hier berücksichtigt. Für längere Strecken lohnt sich aber die ADAC-Anwendung: Navigation innerhalb der App und die Anzeige von Tankstellen entlang der Route sind dafür die entscheidenden Vorteile.

Clever-Tanken schneidet beim Thema Alltagstauglichkeit am schlechtesten ab - im Schnitt wird diese App in den App-Stores aber am besten bewertet. Statistiken und Preisverläufe sind zwar nette Zusatzinformationen, aber unterwegs gut verzichtbar. Wer wenig monatliches Datenvolumen zur Verfügung hat, fährt mit dieser Variante aber am sparsamsten.