Waiblingen

Muslime in Waiblingen: So feiert Ditib 2021 das islamische Opferfest

Ditib
Wie beim Ramadanfest auch wird beim islamischen Opferfest morgens in der Moschee gebetet (Symbolfoto). © ZVW/Benjamin Büttner

Trotz nach wie vor niedriger Inzidenzzahlen bleibt die Ditib-Moscheegemeinde Waiblingen auch beim islamischen Opferfest vorsichtig. Sie bittet deshalb ihre Mitglieder zum Auftakt des viertägigen Fests, sich nach dem Morgengebet am Dienstagmorgen nicht ohne Maske in großer Menge vor der Moschee zu versammeln. „Das wollen wir nicht“, sagt Kadri Yayla, Vorstandsmitglied bei Ditib Waiblingen. In der Moschee selbst ist ein Mundschutz sowieso weiter Pflicht. Das Opferfest ist zusammen mit dem Ramadanfest das wichtigste islamische Fest des Jahres. Für Muslime sind diese Tage so bedeutend wie für Christen Ostern und Weihnachten.

Alles fängt am Dienstag, dem ersten Festtag, damit an, dass sich zum Sonnenaufgang die ersten Gläubigen in der Sultan-Ahmet-Moschee in der Max-Eyth-Straße 28 im Waiblinger Gewerbegebiet Ameisenbühl versammeln. Das offizielle Opferfestgebet selbst startet dann gegen 6.30 Uhr. Ein Vorbeter spricht auf Türkisch über die Bedeutung des Opferfests – und der Inhalt wird laut Kadri Yayla parallel per Beamer in deutscher Sprache an eine Leinwand projiziert.

Nicht alle Mitglieder von Ditib verstehen die türkische Sprache

Ditib hat als Moscheeverein zwar überwiegend türkischstämmige Mitglieder, allerdings gibt es auch Menschen, die zum Beispiel syrische Wurzeln haben. In Waiblingen verstehen laut Kadri Yayla etwa zehn bis 15 Prozent der Mitglieder die türkische Sprache nicht. Die Übersetzung auf Deutsch, sagt Kadri Yayla, sei daher für diese Leute eine große Erleichterung. Nach dem Moscheebesuch gibt es für alle türkische Süßspeisen, unter anderem Baklava, ein in Sirup eingelegtes Teiggebäck, das mit gehackten Nüssen und Pistazien gefüllt ist.

Geld und kleine Geschenke für die Kinder

Das Opferfest ist ein Familienfest, bei dem der Besuch von Verwandten sehr wichtig ist. Üblich ist es dann laut Kadri Yayla, dass Kinder dabei von ihren Opas und Omas sowie Onkeln und Tanten kleine Geschenke erhalten. Zehn bis 20 Euro erhielten die Kinder bei so einem Verwandtschaftsbesuch. Tradition ist es auch, die Gräber der verstorbenen Verwandten zu besuchen.

Während des Opferfests wird auch das Grab der Eltern besucht

Da es vielen Menschen der ersten und zweiten Einwanderergeneration wichtig war, in der Türkei begraben zu werden, bedeutet dies, dass viele türkischstämmige Menschen wegen des Opferfests in die Türkei fliegen. Zwar gibt es auch in Waiblingen, genauer gesagt auf dem Friedhof in Neustadt, mittlerweile muslimische Grabfelder, allerdings ist die Zahl der Gräber dort überschaubar. Die Eltern des Waiblinger Ingenieurs Kadri Yayla sind etwa in Trabzon am Schwarzen Meer begraben. Wegen Corona hat die Zahl abgenommen, gleichwohl versuchen es laut Kadri Yayla immer noch viele, wegen des Opferfests etwa zwei Wochen Urlaub in der Türkei zu machen. „Die Atmosphäre und das Flair sind anders.“ In Deutschland fällt das Opferfest, das sich nach dem islamischen Mondkalender richtet, auch in diesem Jahr auf klassische Werktage.

Tieropfer gehört zum Opferfest

Eine wichtige Säule des Opferfests ist nach wie vor das Tieropfer. Das kann ein extra in der Zeit des Opferfestes geschlachtetes Schaf sein, eine Ziege oder ein Rind. Erbringen muss das Opfer dem Glauben nach jedes Familienoberhaupt, das über ein eigenes Einkommen verfügt. Wer also noch als Student bei den Eltern wohnt, von dem wird nichts verlangt.

Die meisten Mitglieder in der Ditib-Moscheegemeinde geben laut Kadri Yayla nicht mehr selbst die Schlachtung eines Tiers in Auftrag, sondern spenden direkt an die Ditib-Zentrale. 125 Euro pro Familienoberhaupt seien dies in diesem Jahr, etwa 80 bis 90 Prozent der Mitglieder handhabten dies so. Mit dem Geld wird dann in ärmeren Ländern ein Tier geschlachtet und das Fleisch verteilt. Ditib unterstützt hierbei laut Kadri Yayla derzeit vor allem Menschen in Syrien, aber auch im Irak und im Iran.

Früheres Problem: Kühlkette wurde beim Fleischtransport teilweise unterbrochen

Noch vor 20, 30 Jahren hat es laut Kadri Yayla bei diesen Spenden für Schlachtungen im Ausland immer wieder Probleme gegeben. Das frisch geschlachtete Fleisch muss schließlich stets ausreichend gekühlt transportiert werden – und das, sagt Kadri Yayla, sei nicht immer eingehalten worden. Folge davon sei gewesen, dass Fleisch entsorgt werden musste. „Da ist immer sehr viel im Müll gelandet.“

Tier muss nach islamischem Ritus geschlachtet werden

Wer als Waiblinger Muslim selbst von einem Metzger ein Tier schlachten lassen will, kann dies im Großraum Stuttgart durchaus tun. Die Schlachtung muss dabei nach islamischem Ritus erfolgen, sprich sie muss ohne Betäubung stattfinden. Das ist in Deutschland aus Tierschutzgründen eigentlich untersagt, allerdings wird es aus religiösen Gründen erlaubt. Fleisch von Tieren, die auf diese Weise geschlachtet worden sind, wird als „halal“ bezeichnet. Das ist ein arabisches Wort und bedeutet so viel wie „erlaubt“.

Wichtig ist bei dem Tieropfer auch, dass das Tier genau innerhalb der vier Tage des Opferfests geschlachtet wird. Die Anwesenheit eines Amtstierarztes ist bei einer solchen Schlachtung in Deutschland grundsätzlich vorgeschrieben, wie Kadri Yayla bestätigt. „Jemand muss dabei sein.“ Für die Verteilung des Fleischs ist danach wieder das jeweilige Familienoberhaupt zuständig: Ein Drittel muss Nachbarn gegeben werden, ein Drittel Bedürftigen – und das letzte Drittel ist für den Eigengebrauch bestimmt.

Trotz nach wie vor niedriger Inzidenzzahlen bleibt die Ditib-Moscheegemeinde Waiblingen auch beim islamischen Opferfest vorsichtig. Sie bittet deshalb ihre Mitglieder zum Auftakt des viertägigen Fests, sich nach dem Morgengebet am Dienstagmorgen nicht ohne Maske in großer Menge vor der Moschee zu versammeln. „Das wollen wir nicht“, sagt Kadri Yayla, Vorstandsmitglied bei Ditib Waiblingen. In der Moschee selbst ist ein Mundschutz sowieso weiter Pflicht. Das Opferfest ist zusammen mit dem

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