Waiblingen

Nach Anschlag in Berlin: Es gibt keinen absoluten Schutz

Weihnachtsmarkt_0
Die Polizei zeigt jetzt noch mehr Präsenz auf Weihnachtsmärkten wie hier in Schorndorf. © Ramona Adolf

Waiblingen. Nach schrecklichen Ereignissen wie am Montagabend in Berlin stellen sich stets dieselben Fragen: Kann so etwas bei uns auch passieren? Wie können wir uns schützen? Die ehrlichen Antworten lauten: Denkbar ist leider alles und 100-Prozent-Schutz ist unmöglich.

Video: Reaktion von René Wauro auf den Anschlag in Berlin.

„Die Terrorgefahr ist auch in Baden-Württemberg nach wie vor sehr groß, auch wenn es keine konkreten Hinweise auf einen Anschlag gibt“, das hat der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl bereits im Juni zu Protokoll gegeben. Polizeisprecher Holger Bienert von der Polizeidirektion Aalen bestätigt, dass nach wie vor von einer „hohen abstrakten Anschlagsgefahr“ im Land auszugehen sei. Das gilt ganz allgemein, ohne dass es konkrete Hinweise gäbe.

Verstärkte Polizeipräsenz auf Weihnachtsmärken

In Berlin war der Weihnachtsmarkt Ziel eines allem Anschein nach terroristischen Angriffs. Während der kurzen noch verbleibenden Weihnachtsmarkt-Zeit werde die Polizei auf diesen Märkten verstärkt präsent sein, so Holger Bienert.

Bei Terroranschlägen koordiniert die Polizei federführend Einsätze. Die Feuerwehr richtet ihren Fokus auf andere Einsatzlagen. Kreisbrandmeister René Wauro lässt sich von dem Vorfall in Berlin persönlich nicht beeinflussen oder gar einschränken. Nichtsdestotrotz: „Eine gewisse Vorsicht sollte immer da sein.“

Vorbereitet sein „auf gewisse Dinge“

Fürs kommende Jahr hat der Kreisbrandmeister ein großes Projekt auf der Agenda: Das Konzept für den Bevölkerungsschutz im Rems-Murr-Kreis wird weiterentwickelt. Der Landkreis will „vorbereitet sein auf gewisse Dinge“, umschreibt Wauro das Vorhaben, dessen Details er jetzt noch nicht ausplaudern will. Es geht um Schnittstellen, um die möglichst reibungslose Zusammenarbeit verschiedener Organisationen, um Öffentlichkeitsarbeit. Eine gute Pressearbeit hält René Wauro „für eins der A und Os“, zumal in Zeiten von Facebook und Twitter rasend schnell falsche Gerüchte ins Kraut schießen. Kann das wenigstens einigermaßen verhindert werden und ist die Öffentlichkeit im Fall der Fälle ausreichend informiert, „dann ist schon viel gewonnen“.

Anschlag hat keinen Einfluss auf das Bevölkerungsschutzkonzept

Das Ereignis in Berlin wird keinen Einfluss auf das Bevölkerungsschutzkonzept für den Rems-Murr-Kreis haben, sagt der Kreisbrandmeister, zumal es in diesem Konzept eher um Schutz bei Naturkatastrophen oder Stromausfällen geht. „Wir müssen schauen, dass wir das jetzt voranbringen“, unterstreicht Wauro die Bedeutung des Konzepts. Unter anderem wird es darum gehen, kritische Infrastrukturen im Rems-Murr-Kreis näher zu definieren. Als kritische Infrastruktur und damit besonders schützenswert gelten beispielsweise die Bereiche Informationstechnologie, Energie oder Ernährung. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat diese Sektoren besonders im Blick, weil Ausfälle in diesen Bereichen Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen nach sich ziehen.

Vorratshaltung "macht auf jeden Fall Sinn"

Als die Bundesregierung im Sommer ihr neues Zivilschutzkonzept vorgestellt hat, ernteten die Verantwortlichen Häme und Vorwürfe, Panikmache zu betreiben. Eine Reihe von Medien biss sich fest am Rat an die Bürger, einen Lebensmittelvorrat für zehn Tage zuhause bereitzuhalten. Dabei ist dieser Rat alles andere als neu – und Vorratshaltung „macht auf jeden Fall Sinn. So unrealistisch ist das ja gar nicht, dass man das braucht.“

Der Kreisbrandmeister rechnet durchaus auch mit Widerständen bei der Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzkonzepts. Naturgemäß sind sich sich nicht immer alle Beteiligten einig, und es geht ums Geld. Ließe sich der Bevölkerung bereits Ende 2017 „etwas verbindlich Abgestimmtes“ präsentieren, „das wär toll“. Das ganze Projekt wird indes in einem Jahr noch längst nicht abgeschlossen sein.

Ein richtiges Signal setzen - Achtsam sein, aber nicht ängstlich

Zurück zum für so viele Menschen tödlichen Ereignis in Berlin. Terroristen wollen, dass die Menschen verängstigt sind, ihr gewohntes Leben einschränken, so nimmt es René Wauro wahr. Genau das sollte nicht eintreten.

Ob es nun ein Terroranschlag ist, eine Naturkatastrophe oder ein Industrieunfall – solche Vorfälle bewegen die Bürger. „Da müssen wir ein richtiges Signal setzen. Wir planen. Wir tun was“, verspricht René Wauro.

Polizeisprecher Holger Bienert rät Bürgern, „sich nicht verunsichern zu lassen. Achtsam sein, aber nicht ängstlich.“

Schorndorf sperrt die Zugänge

Die Stadt Schorndorf reagiert auf den Anschlag in Berlin und sperrt die Zugänge zum Weihnachtmarkt, der in der Daimlerstadt „Weihnachtswelt“ heißt. In einem Treffen, an dem Vertreter der Polizei, der Feuerwehr, von Schorndorf Centro (verantwortlich für die Durchführung der „Weihnachtswelt“) sowie Andreas Seufer (Geschäftsführer der Stadtwerke, zu denen die Zentralen Dienste gehören) und Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich teilnahmen, wurde vereinbart, dass schweres Gerät, in diesem Fall Lkw und Kehrmaschinen, an den Stellen aufgestellt wird, an denen theoretisch auf das Veranstaltungsgelände gefahren werden kann. Im Einzelnen handelt es sich um die Ecken Johann-Philipp-Palm-Straße/Archivstraße, Unterer Marktplatz/Neue Straße und Schlichtener Straße/Gottlieb-Daimler-Straße.

Damit die Fahrzeuge im Falle eines Brandes oder einer Rettungsmaßnahme zügig weggefahren können, erhalten Mitarbeiter von Schorndorf Centro die Wagenschlüssel. Die Regelung gilt auch am Heiligen Abend, wenn bei einem Gottesdienst auf dem Marktplatz rund 4000 Besucher erwartet werden.

Wie Edgar Hemmerich am Dienstagnachmittag mitteilte, wird außerdem ab sofort bis zum Ende der „Weihnachtswelt“ am Mittwochabend die Polizeipräsenz drastisch verstärkt.