Waiblingen

Nach Corona-Absage: So kämpfen Schausteller und Beschicker des Waiblinger Weihnachtsmarkts um ihre Existenz

Kretsch
Statt Kindereisenbahn und Karussell: Mandel-Stand der Familie Kreksch. © Gabriel Habermann

Wo sonst zur Adventszeit Banker und Rathaus-Beamte zum Mittag Grillwurst oder warme Suppe essen, wo sich am Abend Kollegen zum Feierabend-Glühwein treffen, während auf der Bühne ein Chor „Jingle Bells“ anstimmt – da, auf dem Waiblinger Marktplatz, klafft wegen Corona eine schmerzhafte Lücke: Ohne den Weihnachtsmarkt leiden besonders die Beschicker, die auf die Einnahmen angewiesen sind. Sie kämpfen um ihre Existenz.

Die „Hexe Sauerkraut“ mit ihren Stinkefüßen garantiert Jahr für Jahr ausgelassenes Lachen unter den Kindern beim Kasperletheater unter dem Alten Rathaus. Sie gehört zu den Stars unter den selbstgeschnitzten Stabpuppen der Familie Bügler aus Worms, die mit ihrem Wonnegauer Puppentheater für 300 Jahre Tradition steht. So etwas wie die Corona-Pandemie haben Charly und Helene Bügler aber noch nicht erlebt. Statt in Karlsruhe, Wiesbaden, Rastatt, Bruchsal und eben in Waiblingen Kinder zu erfreuen, sitzen sie zu Hause und renovieren die Bühne und ihre wertvollen Puppen: „Irgendwas muss man doch tun, sonst wird man ja verrückt.“

Seit Ende September sind alle Engagements wegen Corona ausgefallen. Weihnachtsmärkte finden keine statt, und auch die Gastspiele in Einkaufszentren, welche die Wonnegauer sonst das Jahr über geben, wurden abgesagt. Ganz ungewohnt für die Familie Bügler: Sie bekommt Geld vom Jobcenter. „Wir haben nie etwas von den Ämtern gebraucht, nur immer eingezahlt.“ Und 2021? Die Faschingsauftritte fallen flach – „jetzt hoffen wir auf den Osterhasen“. Nach Waiblingen wollen sie zum nächsten Weihnachtsmarkt zurückkehren.

Mit dem Süßwarenstand vor Spielwaren Wiedmann ist immer die Familie Kreksch auf dem Weihnachtsmarkt vertreten. Sie betreibt auch die Kindereisenbahn und das Karussell. Statt auf dem Waiblinger Marktplatz steht der Mandel-Stand nun vor dem Marktkauf-Einkaufszentrum in Schorndorf. „Das ist momentan unser Überlebensanker“, sagt Denis Kreksch. Die Kosten laufen weiter, doch die Einnahmen bleiben weg. Die Weihnachtsmärkte machen in normalen Jahren rund ein Drittel des Jahresumsatzes aus. Den Sommer überbrückten sie leidlich mit Ständen an einem Badesee und im Stadtpark in Walzheim. An einen Aufschwung schon zu Ostern glauben sie nicht – eher an Juni oder Juli. Finanziell wird es „sehr eng“. Ganz schwarz sehen sie trotzdem nicht: „Wir sind in der vierten Generation – uns fällt immer etwas ein, wir gehen nicht kaputt.“

Adventskalender online

„Los Oliveros“ – das ist die Familie Rühl aus Schorndorf-Miedelsbach. Aus ihrem Gastro-Stand verkauft sie sonst ihren Wild-Burger und belgische Pommes. Auf den Märkten in Schorndorf und Ruderberg bieten sie auch schöne Schalen, Schüsseln, Schneidebretter und Vasen aus Olivenholz. Beim Staufer-Spektakel, dem Mittelaltermarkt zum Altstadtfest, sind sie regelmäßig mit Olivenholz-Produkten sowie gastronomisch mit Flammlachs und Wildpfanne dabei. Die Corona-Pandemie trifft sie „knüppelhart“. Nur fünf von 40 geplanten Stationen konnten 2020 realisiert werden. Seit 30 Jahren gibt’s den Familienbetrieb – und bisher habe er „sehr gut funktioniert“. Nun behilft sich die Familie Rühl mit einem kleinen Weihnachtsmarktstand auf dem Metzlinsweilerhof zwischen Miedelsbach und Buhlbronn während der Adventszeit freitags und samstags von 15 bis 19 Uhr. Was dort allerdings fehlt, ist Laufkundschaft.

Die Kunsthandwerksmesse „Art verwandt“, sonst zur Weihnachtsmarkt-Zeit im Schlosskeller beheimatet, hat als Pop-up-Laden im Roller-Areal ein Quartier gefunden.

Auf die Adventskalender-Ausstellung der Waiblingerin Ilse Erfurth müssen die Besucher nicht ganz verzichten. Täglich geht auf www.waiblingen.de ein neues Türchen auf zu einem Youtube-Video, in dem die Sammlerin ein Exponat erklärt.

Wo sonst zur Adventszeit Banker und Rathaus-Beamte zum Mittag Grillwurst oder warme Suppe essen, wo sich am Abend Kollegen zum Feierabend-Glühwein treffen, während auf der Bühne ein Chor „Jingle Bells“ anstimmt – da, auf dem Waiblinger Marktplatz, klafft wegen Corona eine schmerzhafte Lücke: Ohne den Weihnachtsmarkt leiden besonders die Beschicker, die auf die Einnahmen angewiesen sind. Sie kämpfen um ihre Existenz.

Die „Hexe Sauerkraut“ mit ihren Stinkefüßen garantiert Jahr für Jahr

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