Waiblingen

Nach Einbruch: Angst sitzt tief

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Sonja Silberberger traute ihren Augen nicht, als sie das eingeschlagene Fenster an ihrem Laden „La Fleur“ in Waiblingen bemerkte. © Laura Edenberger

Waiblingen. Sonja Silberberger steht fassungslos vor einem Scherbenhaufen. Ein Einbrecher hat ein Fenster an ihrem Dessous-Geschäft in Waiblingen eingeschlagen. Es fehlen BHs. Das Wechselgeld ist weg. Doch das ist gar nicht das Schlimmste. Schwerer wiegt dies üble Gefühl: Es hat jemand in ihren Sachen gewühlt.

Sonja Silberberger hat Mühe, die Fassung zu wahren. „Wem hab ich denn was getan?“, fragt sie sich: „Ich liebe mein Geschäft und meine Kunden über alles. Und jetzt so was. Das tut so weh.“ Sie zeigt in ihrem Laden „La Fleur“ auf den Boden, der mit Scherben übersät ist. Es war jemand an der Kasse, das sieht man; Kassenbons liegen am Boden. „Ich muss jetzt erst mal schauen, was alles fehlt“, sagt Sonja Silberberger. Im Moment ist sie noch zu aufgeregt; „wer macht denn so was?“, fragt sie ein ums andere Mal. „Und das so kurz vor Weihnachten. Ich hab' so Angst.“

Schreckensszenarien im Kopf

Nach einem Einbruch in eine Wohnung oder ein Haus ziehen manche Bewohner um, weil sie es dort nicht mehr aushalten. Immer diese Schreckensszenarien im Kopf. Was haben die alles angefasst. Die haben meinen Privatbereich beschmutzt. Vielleicht kommen die wieder. Im ungünstigen Fall leiden Opfer sehr lange unter den psychischen Folgen eines Einbruchs.

Das Weihnachtsgeschäft ist nun beeinträchtigt

Sonja Silberberger ist eine erfahrene Geschäftsfrau. Seit 30 Jahren betreibt sie Einzelhandel in Waiblingen. Im Lauf der Jahrzehnte sind die Zeiten rauer geworden, findet sie.

In den letzten paar Tagen vor dem Fest läuft sonst immer ein erklecklicher Teil des Weihnachtsgeschäfts. Ob das nach diesem Vorfall noch möglich ist, wird sich zeigen: Sonja Silberberger redet sich den Frust von der Seele, während sie auf die Polizei wartet. Sie solle nichts anfassen, hatte man ihr gesagt – Polizisten kämen vorbei. Bis dahin dauert’s eine Weile – und das trägt nicht unbedingt zu Sonja Silberbergers Beruhigung bei.

Biehlmaier: "Oftmals sind es reisende Täter"

„Spurensicherung“ – darunter ist vieles zu verstehen. Vielleicht findet die Polizei Fuß- oder Fingerspuren am Tatort, vielleicht DNA-Spuren. Solche Informationen speisen Beamte in Datenbanken ein, erläutert Polizei-Pressesprecher Rudolf Biehlmaier. Es könnte sein, dass auf diese Weise klar wird: Der Täter war schon an einem anderen Tatort zugange. So ergeben sich neue Anknüpfungspunkte.

„Oftmals sind es reisende Täter“, sagt Rudolf Biehlmaier. Laut der 2016er-Statistik des Polizeipräsidiums Aalen lag die Aufklärungsquote nach Einbrüchen in gewerbliche Räume im vergangenen Jahr bei knapp 29 Prozent. Im Jahr davor wurden ein Viertel dieser Einbrüche aufgeklärt.

Herausfinden, wie und wo das Diebesgut verscherbelt wird

Mit zur Aufklärung gehört, dass Sachbearbeiter bei der Polizei versuchen herauszufinden, wie und wo das Diebesgut verscherbelt wird. Auf den ersten Blick fiel Sonja Silberberger im Laden auf, dass der Einbrecher gezielt nach großen, besonders hochwertigen BHs gegriffen hatte. Zufall oder nicht?

Möglich, dass Einbruch erst nach mehreren Jahren aufgeklärt wird

Statt BHs haben Gauner aus einem Geschäft in Rudersberg in der Nacht zum Sonntag Markenschuhe geklaut. Und zwar richtig viele: Der Wert der geklauten Schuhe beläuft sich laut Polizei auf circa 50 000 Euro. Es kann sein, diese beiden Einbrüche tauchen in der 2017er-Statistik als ungeklärte Fälle auf. Das heißt aber noch nichts, erläutert Rudolf Biehlmaier: Immer wieder kommt es vor, dass erst nach zwei Jahren oder noch längerer Zeit ein Einbruch aufgeklärt wird, nachdem sich neue Hinweise ergeben hatten.

Neues Modellprojekt der Initiative Sicherer Landkreis

Die Initiative Sicherer Landkreis hat erst vor ein paar Wochen ein neues Modellprojekt vorgestellt mit dem Titel „Nachbarn passen auf!“ Damit verbunden ist ein Appell an eine aufmerksame Nachbarschaft, die möglichst die Augen offen halten und sich nicht scheuen soll, Ungewöhnliches der Polizei zu melden. „Als Nachbar darf ich Verantwortung übernehmen“, hatte Michael Kretschmar, Erster Landesbeamter im Rems-Murr-Landratsamt, bei der Vorstellung der Kampagne gesagt.

Als jemand des Nachts an Sonja Silberbergers Laden ein Fenster eingeschlagen hat – das hat offenbar niemand gehört oder es hat niemand reagiert: „Überall wohnen Leute. Ich verstehe das nicht.“


 

Die Polizei rät:

Auf der Seite www.k-einbruch.de informiert die Polizei darüber, wie sich Bürger vor einem Wohnungseinbruch schützen können. Die wichtigsten Tipps:

  • Verschließen Sie Fenster, Balkon- und Terrassentüren auch bei kurzer Abwesenheit.
  • Vorsicht: Gekippte Fenster sind offene Fenster und von Einbrechern leicht zu öffnen.
  • Wenn Sie Ihren Schlüssel verloren haben, wechseln Sie umgehend den Schließzylinder aus.
  • Ziehen Sie die Tür nicht nur ins Schloss, sondern schließen Sie immer zweifach ab – auch wenn Sie Haus oder Wohnung nur kurzzeitig verlassen.
  • Deponieren Sie Ihren Haus- der Wohnungsschlüssel niemals draußen. Einbrecher kennen jedes Versteck!
  • Rollläden sollten zur Nachtzeit – und nach Möglichkeit nicht tagsüber – geschlossen werden. Sie wollen ja nicht schon auf den ersten Blick Ihre Abwesenheit signalisieren.
  • Lassen Sie bei einer Tür mit Glasfüllung den Schlüssel nicht innen stecken.
  • Öffnen Sie auf Klingeln nicht bedenkenlos, sondern zeigen Sie gegenüber Fremden ein gesundes Misstrauen. Nutzen Sie Türspion und Sperrbügel (Türspaltsperre).